Wie sieht die Kindheit im Jahr 2050 aus? Wo werden Familien leben? Zieht es immer mehr Menschen in die Stadt? Wird es bald eng in unseren Metropolen?

Prof. Dr. Martina Löw, Dozentin für Soziologie an der TU Berlin, ist überzeugt, dass die Verstädterung zunimmt. Warum dennoch noch lange kein Platzmangel herrscht und wie sich der Trend auf das Leben unserer Kinder auswirken wird, erläutert sie im Interview.

 

Prof. Dr. Martina Löw.
Prof. Dr. Martina Löw

Werden wir in Städten aufgrund des Platzmangels nach oben bauen müssen und am Ende von Hochhäusern umgeben sein?

Martina Löw: Ja, wir werden die Städte weiter verdichten. Im Moment ist in den europäischen Großstädten aber noch viel Platz. Wir können dort Brachen bebauen, Flüsse bespielen, unter und über Brücken bauen. Es wird nicht nur Hochhäuser geben, sondern, wenn alles gut läuft, eine vielfältige Raumnutzung. Dichte Stadtquartiere werden als sehr attraktiv erlebt, wenn sie heterogen sind.

Wie wird sich das Stadtleben auf unser Familienleben auswirken?

Familienleben verändert sich ständig und wird sich auch in Zukunft verändern. Wie dies geschieht, ist schwer vorauszusehen. Allerdings ist wahrscheinlich, dass digitale Medien das Leben stärker verändern als weitere Verstädterung. Wie gesagt, urbanisiert leben wir bereits.

Leben in der Stadt 2050Wird es noch normal sein, dass Kleinkinder in der Stadt alleine zum nahen Spielplatz gehen?

Ja, warum nicht? Europäische Städte sind relativ sicher. Der Verkehr nimmt eher ab als zu. Kinder melden sich per Mobiltelefon oder anderen Geräten zu Hause, wenn sie sich verlaufen haben.

Stichwort „Flüchtlinge“: Wie werden neue kulturelle Einflüsse unsere Stadtbilder prägen?

Städte sind heterogene Orte. Das lieben wir wir ja an ihnen. Was mir gestern noch fremd erschien, daran habe ich mich morgen gewöhnt. Insofern sind wir in Städten darauf angewiesen, dass immer neue Fremdheiten und heterogene Mischungen entstehen. Im Moment sind es die verschiedenen Flüchtlinge mit ihrer Kultur, die neue Impulse in die Städte bringen, zuweilen auch neue Herausforderungen. Schön wäre es, wenn dadurch alle angeregt würden, stärker über ihre Erwartungen an öffentliche Räume nachzudenken. Im Moment scheint mir das eine offene Frage zu sein: Was wollen wir eigentlich noch von unseren öffentlichen Räumen?

Warum die dänische Autorin Andrea Hejlskov mit ihrer Familie in den Wald gezogen ist und wie sie dort minimalistisch lebt, könnt ihr im Interview mit ihr nachlesen. 

 

Illustrationen: Daphne Braun[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]