Die Nachricht vom plötzlichen Tod der Moderatorin Miriam Pielhau hat viele schockiert – auch uns in der Luna-Redaktion. Am Dienstag ist die 41-Jährige ihrer Krebserkrankung erlegen. In unserer letzten Luna-Ausgabe hat Miriam Pielhau über die Heldin ihrer Kindheit gesprochen: Pippi Langstrumpf. Ein Nachruf auf eine warmherzige, lebensfrohe Frau.

Miriam Pielhau ist gestorben. Dieser Satz klingt noch ganz unwirklich, denn erst vor wenigen Wochen habe ich sie bei einer Lesung aus ihrem Buch „Dr. Hoffnung“ in Berlin gesehen. Da war sie, wie schon der Titel ihres Buches sagt, voller Hoffnung und Zuversicht. „Sterben ist keine Option“, so lauteten ihre Worte. Schon einmal hatte die Moderatorin den Krebs besiegt: 2008 war sie an Brustkrebs erkrankt, galt danach aber als geheilt. Sogar schwanger wurde sie, was viele Ärzte nach der aggresiven Chemotherapie nicht mehr für möglich gehalten hatten. Im Mai 2012 kam ihre kleine Tochter zur Welt.

„Für meine Tochter will ich leben“
Diesen Satz hat sie sich oft gesagt, als sich der Krebs 2014 plötzlich zurückmeldete. Metastasen in der Leber, düstere Prognosen ihrer Ärzte. Unheilbar – ein brutales Wort, das Miriam Pielhau nicht gelten lassen wollte. Sie hat sich gefragt: „Warum wieder ich? Warum ist dieser blöde Herr K. (oder das K-Ding, wie sie ihre Krankheit auch nannte) wieder zurück?“ Aber dann hat sie beschlossen, zu kämpfen. Für sich, ihre Tochter, ihre Familie, ihre Freunde, ihren neuen Partner.

PielhauBuchcover
Miriam Pielhau: „Dr. Hoffnung – Die Geschichte eines echten Wunders“ (Allegria/Ullstein Verlag)

Mit ihrem Buch „Dr. Hoffnung“ hat sie vielen Menschen Mut gemacht. Bei der Lesung in einem kleinen Saal in Berlin-Friedrichshain saßen im Publikum zahlreiche Frauen, die ihr Schicksal teilten, die ebenfalls an Krebs erkrankt waren und sehr gut kannten, was Miriam da schilderte. Ärzte, die einem wenig Hoffnung machen. Freunde, die nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Kräftezehrende Therapien und schlaflose Nächte, in denen die Angst übermächtig zu werden scheint. Aber Miriam Pielhau wollte leben. Sie hat alles getan, um den Krebs zu bekämpfen. Hat ihre Ernährung umgestellt, um den Krebszellen kein Futter zu liefern. Hat meditiert, sich mit positiven Bildern und Gedanken mental gestärkt, Yoga gemacht, viel gelesen, recherchiert, Informationen gesammelt. „Was wollt ihr wissen? Fragt mich, ich bin inzwischen eine Expertin auf dem K-Gebiet!“, sagte sie lachend. Sie hat die Hoffnung nie aufgegeben, im Gegenteil. „Hoffnung ist meiner Meinung nach das A und O für jeden Heilungsprozess.“ Im Februar diesen Jahres galt sie als krebsfrei. „Ich bin ein Wunder, das kann man so sagen.“

„Empathie ist eine große Gabe und eine wunderbare Kraft“ 

ENDOM_2016_03_PIELHAU15030
Miriam Pielhau war Moderatorin und Buchautorin (Foto: Jennifer Endom)

Bewegende Momente gab es viele während ihrer Lesung. Am anrührendsten war, als aus der hintersten Reihe irgendwann ein lautes Schnarchen erklang. Miriams vierjährige Tochter war auf dem Arm ihres Freundes eingeschlafen. „Das Kind, das da so laut schnarcht, ist übrigens meins!“, entschuldigte sie den Zwischenfall und lächelte. Miriam Pielhau hat viel gelächelt, oft gelacht. Sie war eine sehr warmherzige, liebenswerte, positive Person. Wenn man sie auf Galaveranstaltungen im Abendkleid auf dem roten Teppich traf, merkte man immer: sie macht das gern, aber sie nimmt das alles nicht so ernst. Das Blitzlichtgewitter, das Rampenlicht – im Mittelpunkt zu stehen war gar nicht so ihr Ding. Weil es nicht wirklich wichtig ist. Wichtig waren Miriam ganz andere Dinge. Allen voran ihr Kind, ihre Familie, ihre Freunde. Mit ihrer Tochter wohnte sie etwas außerhalb von Berlin, im Grünen, ein Haus mit großem Garten. „Meine Kindheit war sehr idyllisch. Das möchte ich meiner Tochter auch mitgeben, diese Freiheit und Naturverbundenheit“, hat sie in unserem letzten Interview gesagt. Auch über ihre Mutter, die ihr Vorbild war, hat sie gesprochen. „Meine Mama ist ein sehr empathischer Mensch. Empathie ist eine große Gabe, es ist eine wunderbare Kraft, sich in andere Menschen einfühlen zu können. Dafür bewundere ich sie.“ Miriam Pielhau hatte diese Gabe ebenso. Geduldig hat sie nach der Lesung alle Fragen beantwortet, hat aufmerksam zugehört. Offen und sehr zugewandt. Sie hat betont, wie viel Kraft ihr die Zuschriften und Reaktionen der Leser geben. Auch ihr Glaube hat sie gestärkt und ihr Hoffnung gegeben. Am Ende hat die Kraft nicht gereicht. Miriam Pielhau ist gestorben. Ihre Warmherzigkeit wird fehlen.

 

Slider-Foto: Jennifer Endom