Es geht um die Wurst – Interview mit Silvia Wald von Aufschnitt

Alexandra Brechlin

Ideen muss man haben, um aufzufallen. Das ist der Näherin und bekennenden Vegetarierin Silvia Wald mit ihrem Label “Aufschnitt” gelungen. Sie stellt Wurst und Fleisch aus Stoffen her.

Die studierte Bekleidungstechnikerin gründete 2008 ihr Label “Aufschnitt” und bietet seitdem nach traditionelle Art genähte Accessoires und Deko aus Stoff  im Fleisch-, Wurst- und Aufschnitt -Look an. In der Boxenhagener Straße in Berlin hat sie dazu eine alte Fleischerei umfunktioniert. Wo früher echter Schinken von der Decke baumelte, gibt es nur Stoff-Mortadella zum Kuscheln.
Luna traf Designerin Silvia Wald zum Interview um mehr über ihre ungewöhnliche Idee zu erfahren.

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Silvia Wald in ihrem Laden. Foto: Aviad Tal

Luna: Stoffwürste alleine sind ja schon ungewöhnlich. Sie dann auch noch in einer echten Fleischrei inklusive Wursttheke zu verkaufen ist aber ganz abgefahren …
Silvia Wald: Ja, das war totaler Zufall, dass wir die Möglichkeit bekamen, in ein echtes altes Wurstgeschäft zu ziehen. Das er mal in der Tat eine “Szene Fleischerei” in Friedrichshain war, erfuhren wir erst durch die Anwohner die schon lange Zeit in der Boxhagenerstraße lebten.

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Weisswurst zum Mitnehmen: Hier in Form eines Schlüsselanhängers.

Wie kamst Du auf die Idee mit dem „Aufschnitt“-Projekt und was hat es damit auf sich?
Als ich mich als Schnittmacherin für Bekleidung in Berlin selbstständig machte, brauchte ich dazu einen passenden Namen. Da dieser Berufszweig sehr gewissenhaft ausgeführt werden muss, wird dies meist in sehr konserativen Markennamen ausgedrückt. Bekleidung sollte aber alles andere als konserativ sein, Bekleidung ist ein Lebensgefühl. Daher fiel mir die Wahl für den Namen sehr  leicht. Die Doppeldeutigkeit des Wortes und das Paradoxon zu meinen Essgewohnheiten brachte mich schon damals zum Lachen. Bald kam dann die Idee für das erste Würstchen als eine Art Promotion-Produkt. Seitdem entwickelt sich das Ganze stetig weiter.

Wie sind die Reaktionen auf deine Arbeit?
Sowohl Vegetarier als auch Fleischesser lieben meine Produkte. Auch hier spielt natürlich Humor eine große Rolle. Natürlich ist es vorwiegend witzig sich mit meinen Produkten zu schmücken oder mit einer Schinkenkeule zu kuscheln.

Wurst zum Kuscheln … das ist schon gewöhnungsbedürftig…
Ja, gerade als Vegetarierin habe ich einen besondern Bezug zu Fleisch und Fleischprodukten. Ich esse kein Fleisch, weil es mir nicht schmeckt. Das ist eine sehr bewusste Entscheidung gegen Fleisch, was aber vielleicht das Bewusstsein für Fleisch schärft.
Vielleicht gerade weil Fleisch für mich so eine kontroverse Bedeutung hat, ist es das erste Produkt, was ich entwickelt habe.

Was ist dein Besteller?
Das ist von Kollektion zu Kollektion unterschiedlich. Bei unserer Wurst ist es der Fleischwurstring, beim Fleisch das Schinkenkissen das ein Seitenschläferkissen ist.

Was sind deine Ziele mit der Textilmetzgerei?
Die Qualität und die traditionelle Produzierbarkeit der Produkte liegt mir sehr am Herzen. Ich bin begeistert, wenn ich die Entwicklung meiner Produkte betrachte, die im Laufe der Zeit immer besser werden. Das ist wohl auch mein Ziel: immer besser werden und immer bessere Produkte zu gestalten. Es geht um die Liebe zum Detail und die macht mich glücklich.

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Eine komlete Fleischerei, inklusive Aufschnitt mit Gesicht für die Kleinen. Foto: Aviad Tal
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Seit kurzem gibt es auch die ersten Brezeln zum kuscheln. Foto: Aviad Tal