Welche Helden hattet ihr in eurer Kindheit? Wir haben Steven Gätjen gefragt, der uns mit seinem Helden erklärt: Perfektion ist gar nicht wichtig, sondern Originalität und Fehlbarkeit. Mit einem solchen Helden kann man sich gar nicht falsch entwickeln

„Als ich klein war, hat mein Vater mir oft aus der griechischen Mythologie vorgelesen. Meine Lieblingsfigur war und ist bis heute Homers Odysseus. Mich hat es fasziniert, dass dieser Charakter, ein Nichtgott, keine Angst vor seinen Gegnern hat, egal wie mächtig sie sind. Er hat es unerschrocken mit jeder noch so prekären Situation aufgenommen. Dabei ist Odysseus weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber genau das ist das Besondere: Er ist fehlbar und lebt mit einer gewissen Zerrissenheit. Sein Kampf gilt nicht nur seinen Gegnern, sondern auch der eigenen Inkompetenz und Fehlbarkeit. Die Figur des Odysseus haftet mir bis heute an und hat mich auch als Cineasten immer geprägt. Die Helden, die mich seit meiner Kindheit begeistern, sind immer vom selben Schlag, Indiana Jones etwa. Er ist kein makelloser Typ, aber er ist ein Macher, der in der Notsituation einfach improvisiert und den Mut besitzt, Entscheidungen zu treffen. Waren die Entscheidungen falsch, reagiert er entsprechend darauf und kann damit umgehen. Das imponiert mir.

Odysseus auf einer Briefmarke. Bildcredit: istock.com
Odysseus auf einer Briefmarke. Bildcredit: istock.com

Deshalb gefielen mir als Kind auch die Goonies oder Michel aus Lönneberga: Ihnen sind die abgehobenen Erwachsenen egal. Sie tun einfach, was sie für richtig halten, und richten sich nach ihren eigenen Regeln. Sie handeln mit Leidenschaft. Die Konsequenzen für ihre Entscheidungen tragen sie am Ende auch selbst. So schnitzt Michel unzählige Holzfiguren und man weiß einfach:
Er würde es noch mal genauso machen. Perfekte Helden wie etwa Superman interessieren mich hingegen nicht, die sind viel zu langweilig. Bei ihnen gibt es nichts, woran man sich abarbeiten muss, und deshalb finde ich sie auch nicht spannend. Der Reiz ist es eben nicht, der Schönste, Stärkste oder Beste zu sein, sondern mit den Mitteln, die man zur Verfügung hat, das Beste zu machen. Fehler müssen da unterwegs unbedingt passieren, sonst entwickelt man sich nicht weiter. Am Ende kommt sowieso alles ganz anders, als ursprünglich geplant. Das Geheimnis ist, damit souverän umzugehen.
Vielleicht ist auch das der Grund, warum ich Livesendungen so gerne mache: Es können Dinge schiefgehen, es passieren Pannen und man muss aus dem Bauch heraus entscheiden, was man in dem Moment macht. Das ist lebendig und authentisch. Perfekt ist zu langweilig.“

Steven Gätjen und Andreas Karlström: Die unglaublichen Abenteuer von Wilbur McCloud: Stürmische Jagd. Ravensburger 2016, 14,99 Euro
Steven Gätjen und Andreas Karlström: Die unglaublichen Abenteuer von Wilbur McCloud: Stürmische Jagd. Ravensburger 2016, 14,99 Euro

STEVEN GÄTJEN
wurde am 25. September 1972 in Phoenix/Arizona geboren. Seine Karriere begann Gätjen beim Radio. Von 1999 bis 2015 war er für ProSieben aktiv. Seit 2016 ist er beim ZDF tätig. Gätjen ist ein begeisterter Cineast. In seiner Sendung „Steven liebt Kino“ frönte er bis 2015 seiner Leidenschaft, aktuell führt er diese Sendung auf fredcarpet.com weiter. Mit seinem Bruder Andreas Karlström veröffentlichte er im Ravensburger Verlag dieses Jahr sein Vorlese- und Familienbuch „Die unglaublichen Abenteuer von Wilbur McCloud“.

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild: Johanna Brinckman