Ein Musikvideo für Kinder –
Regisseurin Zora Rux über Kaugummis und Kurzfilme

Silvia Silko

Dass sämtliche Luna-Redakteurinnen Fans der Kindermusik-CDs “Unter Meinem Bett” sind, ist nun wirklich kein Geheimnis. Auf der zweiten Platte des Projekts befindet sich der Song “Gib nicht so an” von der Band Die Höchste Eisenbahn. Regisseurin Zora Rux hat dazu nun auch ein Video gedreht. Es geht hauptsächlich um Kaugummis.

Zora schaut nicht nur durch die Kamera, sondern auch mal zur Seite. Bild: Rebekka Stange
Zora schaut nicht nur durch die Kamera, sondern auch mal zur Seite.
Bild: Rebekka Stange

Die Aushängeschilder der Berliner Band Die Höchste Eisenbahn sind die Sänger und Texter Francesco Wilking und Moritz Krämer. Eigentlich machen sie melancholischen und mitunter verschrobenen Pop für Erwachsene. Für die “Unter meinem Bett”-CDs haben sie jedoch Songs für Kids geschrieben. Auch die sind melancholisch und mitunter verschroben.
Wilking erklärt im Gespräch, dass Schreiben für Kinder sich durchaus vom Schreiben für Erwachsene unterscheidet, er dabei aber grundsätzlich einfach seinem Gefühl folgt. Er singt übrigens auch für seine drei Kinder. Meistens auf Nachfrage. Meistens vor dem Einschlafen. Und meistens jeden Abend.
Moritz Krämer ist noch nicht Papa, aber Regie-Student an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und hat Zora Rux für das Musikvideo zu “Gib nicht so an” mit ins Boot geholt. Das Video ist kindlich geworden, jedoch ganz ohne Glitzer, Lillifees oder Klischees. Wir haben uns mit Zora über ihre Arbeit unterhalten.

Dich kennt man vermutlich wegen des Kurzfilms „Geschützter Raum“. Darin verarbeitest du eher schweren, anspruchsvollen Stoff. Das Video zu „Gib nicht so an“  ist leichtfüßiger. Womit beschäftigst du dich lieber?

Mit beidem. Ich mag es sehr, ein Thema ausführlich zu recherchieren, aber genauso mag ich das Verspielte.

Hast du als Kind auch so gerne Kaugummis gekaut, oder woher kam dir die Idee zum Musikvideo?

Ich konnte tatsächlich nie Kaugummiblasen machen! Ich habe das immer bewundert bei den anderen. Die Idee zum Video war eigentlich ein Teil meines Kurzfilms “What happens in your brain if you see a german word like…?“, in dem es um ein sehr langes, imaginiertes Wort geht, das Stück für Stück mit sehr vielen Filmtricks erklärt wird. Eine Szene des Films sollte mit zwei Personen sein, die sich mit Kaugummiblasen wie mit Sprechblasen unterhalten. Das hat dann aber in dem Film nicht geklappt, weil es viel zu aufwändig war und so lag die Idee quasi noch rum, als Moritz mich gefragt hat.

Empfindest du es als schwieriger, wie in einem Musikvideo eine Geschichte ohne mündliche Dialoge zu erzählen?

Es kommt natürlich ganz darauf an, welche Geschichte! Ein politisches Dilemma wie in “Geschützter Raum” hätte ich natürlich nicht ohne Dialoge als Musikvideo erzählen können. Aber beim Musikvideo gibt es ja auch immer noch den Songtext, der ja schon eine Geschichte erzählt. Was am Musikvideo besonders schön ist: Man kann viel freier experimentieren, weil man nicht unbedingt eine Geschichte erzählen muss. Man muss auch nicht erklären, warum es jetzt nicht realistisch ist – es ist ja schon automatisch abstrakt dadurch, dass es einen Song gibt.

Welchen Projekten widmest du dich aktuell? Sind es wieder eher Filme für Erwachsene?

Aktuell bereite ich meinen ersten Langspielfilm mit dem Titel „ICH ICH ICH“ vor, in dem es auch um Gedankenwelten geht und wie wir sie filmisch darstellen können. Wir drehen im Frühjahr. Der Film wird voraussichtlich irgendwann 2018 fertig werden und ist eher für Erwachsene, obwohl ich auch große Lust habe, mal einen Kinderfilm zu drehen.

Was war als Kind dein Lieblingslied?

Ich habe viel Anne Kaffeekanne gehört. Selbst habe ich aber nie viel gesungen, weil ich eine tiefe Stimme habe und die anderen Kinder mich immer ausgelacht haben. Stattdessen habe ich dann Schlagzeug gelernt.

Zoras Filme auf Facebook: Safe Space und What happens in your brain if you see a german word like…?

Titelbild: unsplash.com/ Markus Spiske