Tillmann Prüfer ist Journalist, Buchautor und Vater von vier Töchtern: Luna (21), Lotta (15), Greta (12) und Juli (6). Wir haben ihn zur Veröffentlichung seines Buches „Kriegt das Papa oder kann das weg?“ über das Zusammenleben in einem Frauen-dominierten Haushalt, über Super-Dads, häusliche Schnappfallen und das Einhalten von Regeln interviewt. Gerade ist Prüfers neues Buch „Jetzt mach‘ doch endlich mal das Ding aus!“ erschienen.

Herr Prüfer, Sie sind Vater von vier Töchtern und schreiben darüber regelmäßig eine beliebte Kolumne im ZEITmagazin, „Prüfers Töchter“. Wie kam die Idee für das Buch zustande?

Tillmann Prüfer: Interessanter ist eigentlich, wie es überhaupt zu dieser Kolumne kam. Eines Tages kam in der Redaktion die Idee auf, eine Elternkolumne zu machen. Vier Eltern mit Kindern in jeweils einer anderen Elternstufe sollten im Wechsel über ihren Nachwuchs schreiben. Ich meinte, man solle mir einfach sagen, welches Kind übrig geblieben sei, weil ich ja ohnehin vier Töchter in vier Altersstufen habe – und schon kam die Idee auf, ich solle doch einfach alle Texte verfassen. Mir hat es von Anfang an Spaß gemacht, über den Alltag mit unseren vier Töchtern zu schreiben. Natürlich habe ich mir davor das Okay von ihnen und meiner Frau geholt. Und die Kolumne kam auch schnell sehr gut an: bei Eltern, bei Großeltern, aber auch bei Lesern ohne Kinder, die gerne etwas über andere Kinder lesen. So kam schließlich die Idee für das Buch zustande. Und ich freue mich, es jetzt vorstellen zu können.

Autor Tillmann Pruefer
Autor Tillmann Prüfer über häusliche Schnappfallen und Prinzengehabe. (@Max Zerrahn, Rowohlt Verlag)

Bei vier Töchtern – haben Sie sich da zwischendurch mal einen Jungen gewünscht? Oder war das kein Thema für Sie?

Natürlich hätte ich mich auch über einen Jungen gefreut. Beim ersten Kind nimmt man es ja  sowieso, wie es kommt. Aber beim zweiten oder dritten war ich vor dem Feinscreening schon ein wenig aufgeregt und dachte mir: „Mal sehen, was es dieses Mal wird!“ Aber ich war nie enttäuscht, im Gegenteil. Als es beim vierten Mal wieder nach einem Mädchen aussah, war ich ganz froh: Zum Schluss noch ein kleiner Prinz, mit drei großen Schwestern – das wäre noch mal eine ziemliche Umstellung geworden. Ich bin ganz glücklich mit meinen vier Töchtern.

Haben Sie denn selbst Geschwister?

Ich habe eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder. Grundsätzlich glaube ich auch, dass es für Jungen ganz gut ist, wenn sie viel mit Mädchen zu tun haben. Allerdings war der Abstand zu meiner Schwester schon etwas groß. Ich durfte da früher manchmal mitspielen mit ihr und ihren Freundinnen. Da durfte ich dann das Pferd sein. Oder ich war einfach nur der kleine Bruder, der genervt hat.

Wie fühlen Sie sich so zu Hause als „Hahn im Korb“?

Also, zunächst ist es ein weit verbreitetes Missverständnis, dass man, nur weil man der einzige Mann im Haus ist, auch von allen beklatscht und bejubelt wird. Das ist definitiv nicht so. Ich würde sagen, ich bekomme von meinen Töchtern stets ehrliches Feedback. Dass ihr Vater keinen Sixpack-Bauch hat oder der Bizeps anderer Väter nun wirklich größer ist – das bekomme ich durchaus zu hören. Auch, dass ich kein Auto fahre, macht mich bei meinen Töchtern nicht unbedingt zum „Super-Dad“. Dafür schätzen sie hoffentlich andere Dinge an mir. Und im Großen und Ganzen finde ich es sehr schön, der Hahn im Korb zu sein.

Gibt es Dinge, die Ihre Frau, also die Mama, besser kann?

Auf jeden Fall. Besonders für unsere jüngste Tochter Juli ist Mama – zumindest im Moment – ausnahmslos die Beste. Wenn ich ihr ein Pausenbrot mache, ist es okay. Wenn ihre Mutter es macht, ist es ein Super-Pausenbrot. Auch Greta will eigentlich nur mit der Mama für die Schule lernen. Bei mir hätte sie Sorge, dass ich ihr Unsinn beibringe. Meine Frau ist besser in Mathe, in Sprachen – und kann außerdem Auto fahren. Dafür kann der Papa, also ich, schlechter mit Geld umgehen. Das nutzen meine Töchter ganz gerne aus, weil es leichter ist, mir Dinge aus der Tasche zu leiern. Ich bin, denke ich, schon ein eher gutmütiger Vater. Obwohl es auch klare Regeln gibt. Zum Beispiel, was die Benutzung des Smartphones, das abendliche Nach-Hause-Kommen oder das Zubettgehen betrifft. Aber diese Regeln treffen meine Frau und ich gemeinsam, und sie gelten auch für alle gleichermaßen. Doch wir verfolgen sicherlich keinen autoritären Erziehungsstil – da glaube ich auch nicht dran. Wir wollen, dass unsere Töchter ein liebevolles und vertrauensvolles Umfeld haben und dass sie sich nicht alleingelassen fühlen mit irgendetwas. Wir wollen vor allem für sie da sein und ihnen zuhören.

Gehen Ihre Töchter trotzdem mit manchen Themen lieber zu ihrer Mutter? Mit Liebeskummer zum Beispiel?

Ich glaube, Liebeskummer ist ein Thema, das viel mit den Freundinnen besprochen wird. Und leider überhaupt nicht mit mir. Die Kinder entscheiden ja selber, was sie mit mir besprechen wollen. Aber es kam wirklich noch nie eine meiner Töchter mit einem Thema zu mir, mit dem ich nichts anfangen konnte. Und ich finde es seltsam, wenn Väter meinen, ein Kind solle irgendetwas besser mal mit der Mutter besprechen. Denn wenn man mit Kindern redet, lernt man ja auch von ihnen.

Ich höre meinen Töchtern in jedem Fall gerne zu. Für mich ist es spannend, zu sehen, in welchem Kosmos sie sich gerade bewegen. Das ist in jedem Alter und bei jeder Tochter wirklich eine ganz eigene Welt, in der sich das Seelenleben abspielt. Wahrscheinlich könnten Männer auch viel Hilfreiches zu Liebeskummer sagen, immerhin wissen sie ja aus eigener Erfahrung, wie Jungs die Welt sehen.

Gibt es etwas, dass Sie im Alltag mit Ihren Mädchen manchmal wahnsinnig macht?

Ja, einiges. Aber ich denke, auch das ist nicht unbedingt geschlechtsspezifisch. Meine Töchter haben, wie viele Kinder, die Angewohnheit, Dinge, die sie nicht mehr unmittelbar brauchen, einfach liegenzulassen. Die Aufmerksamkeitsspanne reicht eben nur so lange aus, wie etwas gebraucht wird. Ob das die Zahnpasta, ein Messer oder die Haarbürste ist. Sobald die aktive Beschäftigung damit aufhört, bleibt es einfach liegen. Was zur Folge hat, dass bei uns zu Hause auf dem Boden ständig etwas rumfährt, in das man dann auch gerne reintritt. Bürsten beispielsweise liegen herum wie Schnappfallen! Aber wenn man dann eine sucht, ist keine auffindbar. Klassiker.

Darüber kann ich mich dann aufregen, oder es ignorieren, oder die Sachen einfach selber aufräumen. Schlechte Laune möchte ich davon nicht kriegen, aber klar: Das nervt manchmal schon. Trotzdem denke ich, die Kinder werden so schnell groß. Und dann sind sie aus dem Haus. Dann sieht es vielleicht wieder eher aus wie bei „Schöner Wohnen“ – aber ist es das wert? Klar möchte ich nicht, dass meine Töchter denken, sie wohnen im „Hotel Mama und Papa“. Aber unnötig Aufbauschen möchte ich das Ordnungsthema auch nicht.

Sie sind ja auch modisch ein bewandter Mann, als Stilredakteur. Wer berät wen in Kleiderfragen? Kaufen Sie für Ihre Töchter ein? Mögen Ihre Kinder Ihren Stil?

Ich wäre natürlich gerne der Stilpapst der Familie. Aber meine Frau kauft mehr Klamotten für unsere Töchter ein als ich. Sie hat einfach den besseren Überblick, was sie gerade brauchen. Außerdem entscheiden sie schon sehr selbstständig, was sie anziehen möchten und was nicht. Ich bringe ihnen gerne etwas mit, wenn ich unterwegs bin. Und manchmal lande ich damit auch einen Treffer. Aber generell sind sie alle sehr selbstbestimmt, was Mode und ihren persönlichen Kleidungsstil betrifft. Dass ich Stil-Chef beim ZEITmagazin bin, beeindruckt sie da herzlich wenig. Als ich vor kurzem einen – wie ich fand – sehr schicken Pullover von J.W. Anderson trug, einem angesagten Designer, sagte eine meiner Töchter: „Papa, zieh mal den Opa-Pulli aus, der macht dich 20 Jahre älter.“ Tatsächlich habe ich den Pulli danach nicht mehr angezogen. Umgekehrt interveniere ich nur selten. Außer einmal, als Lotta mit einer knappen Shorts und einem noch knapperen Oberteil bekleidet war, habe ich gesagt: „So gehst du nicht aus dem Haus!“ Sie antwortete: „Oh Mann, Papa, das ist mein Schlafanzug!“

Ihre älteste Tochter Luna ist schon ausgezogen. Wie gut können Sie loslassen? Fällt Ihnen das schwer?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leicht fällt. Zum Glück wohnt Luna noch in Berlin, und ich sehe sie zwei- oder dreimal die Woche. Natürlich freue ich mich, dass sie eine selbstständige junge Frau ist, die ihren eigenen Weg geht. Aber ein wenig Wehmut verspüre ich manchmal schon. Gerade waren sie alle noch so klein. Man hat ihnen das Fläschchen gegeben und sie auf dem Arm getragen. Dann kommen Kita und Schule – wie jetzt bei Juli, der Jüngsten. Das sind alles schon entscheidende Schritte, und man muss immer wieder loslassen. Deshalb habe ich inzwischen ja auch schon ein wenig Übung. Aber es fällt mir schwer, doch. Muss ich sagen.

Was haben Ihre Töchter für Berufspläne?

Die Älteste überlegt, Physiotherapeutin zu werden. Lotta ist noch offen für Pläne, vielleicht Lehrerin. Greta möchte Ärztin werden. Das kann ich mir bei ihr auch durchaus vorstellen. Mit ihr kann man stundenlang durch das medizinhistorische Museum in der Charité gehen. Und Juli, die Jüngste, hat alle zehn Minuten neue Pläne. Ich glaube, am liebsten würde sie ein Pferd werden (lacht). Aber im Ernst: Ich gebe da keine Ratschläge oder mache Vorgaben. Ich wünsche mir, dass sie alle etwas finden, das sie erfüllt und glücklich macht und von dem sie gut leben können.

Ältere Kinder zu haben hat ja auch Vorteile. Und wer weiß: Vielleicht gibt es irgendwann mal einen kleinen Enkelsohn. Würden Sie sich darüber freuen?

Ich werde mich bestimmt über alles freuen, was da in Zukunft auf mich zukommt. Ob Enkelsohn oder Enkeltochter. Aber damit dürfen sie sich ruhig noch ein wenig Zeit lassen. So alt bin ich schließlich auch noch nicht. Eine klitzekleine Kinderpause wäre nett!

 

Zur Person

Geboren wurde Tillmann Prüfer 1974 in Mainz. Er ist Stil-Chef und Mitglied der Chefredaktion des ZEITmagazins. Dort erscheint seine beliebte Kolumne „Prüfers Töchter“. Zudem hat er bereits mehrere Bücher geschrieben, u. a. über seinen Urgroßvater, den Missionar Bruno Guttmann. Tillmann Prüfer lebt mit seiner Familie in Berlin. Sein aktuelles Buch „Jetzt mach doch endlich mal das Ding aus!“ ist im Rowohlt Verlag erschienen für 12 Euro.

 

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