Die Hauptvoraussetzung für die Aufnahme eines Hundes ist die Liebe zum Tier…. Schön und gut – aber es gibt darüber hinaus noch einige Dinge, die man beachten sollte – besonders wenn man sich zum ersten Mal einen Hund anschafft. Aus diesem Grund haben wir uns an einen Experten gewandt, der uns einige Tipps zu diesem Thema gegeben hat.

Willkommen zu Hause! – Der erste Hund in der Familie

Der Wunsch, die eigene Familie um ein neues vierbeiniges Mitglied zu erweitern, ist in der letzten Zeit zweifellos gewachsen. Deswegen wurden viele Bücher veröffentlicht, in denen sich Experten mit dem Thema der Aufzucht eines Welpen und der optimalen Eingewöhnung in das neue Zuhause beschäftigt haben. Eine der jüngsten Veröffentlichungen, die uns am meisten beeindruckt hat, ist „Die Kunst einen Welpen zu bändigen“. Das Buch entstand aus der perfekten Zusammenarbeit zwischen der Romanautorin Julie Leuze und dem Hundetrainer & Verhaltensberater André Henkelmann, die mit Einfachheit und Professionalität einige der wichtigsten Fragen rund um die Anschaffung eines neuen Welpen lösen. Da uns dieses Thema so begeistert, haben wir uns entschlossen, Herrn Henkelmann zu interviewen und weitere nützliche Tipps einzuholen.

Was sind die Grundvoraussetzungen, um einen Hund in die Familie zu holen?

Herr Henkelmann: Wichtig finde ich, sich im Vorfeld bewusst zu sein, worauf man sich einlässt. Es passiert leider nicht selten das sich Familien spontan für einen Hund entscheiden ohne sich vorab zu informieren. Erst wenn der Hund dann schon da ist und erste Schwierigkeiten auftauchen, wird begonnen sich mit der Materie auseinanderzusetzen und viele erkennen dann, dass sich das Zusammenleben mit einem Hund ganz anders, meist einfacher, vorgestellt haben. Gerade die Anfangszeit mit einem Welpen ist anspruchsvoll und herausfordernd.

Neben den sorgfältigen Überlegungen im Vorfeld sollte man zudem Zeit für den Hund haben, das passende räumliche Umfeld und die finanziellen Mittel. Die Unterhaltung eines Hundes inkl. Arztbesuche müssen im Vorfeld mit einkalkuliert werden und zum persönlichen Budget passen. Ein größerer Hund Beispielsweise ist in der Unterhaltung Kostenaufwendiger als ein kleinerer. Hinzu kommen noch weitere Kriterien wie das alle Mitglieder der Familie Lust auf einen Hund haben, keiner Angst oder Allergien hat sowie die sorgfältige Auswahl der passenden Rasse und ein Basiswissen über den richtigen Umgang mit einem Hund.

Welche zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen sollte man treffen, wenn man Welpe und Baby zusammenbringt?

Das wichtigste in dem Zusammenhang ist Welpe und Baby bzw. generell Hund und Kind nie alleine/unbeaufsichtigt zu lassen. Ein Hund kann mitunter Situationen unbeaufsichtigt anders beurteilen und reagieren als unter Aufsicht. Also selbst, wenn ich großes Vertrauen in meinen Hund habe, sollte ich diese Regel nie vergessen. Speziell Welpen sind häufig wild und ungestüm. Sie benutzen spielerisch ihr Maul und beißen quasi in alles was ihnen vor die Nase kommt. Mal sachte und mal heftiger. Aus diesem Grund sollte man einen Welpen und ein Baby, wenn überhaupt, nur mit größter Vorsicht zusammen lassen. Im Zweifel wartet man lieber bis der Welpe aus der ungestümen Anfangszeit heraus ist. Meist ist das um die 20. – 24. Lebenswoche der Fall. Bis dahin hat man den Hund schon ein bisschen kennengelernt, weiß um seine ruhigen Phasen und kann diese dann für erste sanfte Kontakt nutzen.

Als ersten Hund lieber einen Mischling oder einen reinrassigen Hund?

Das ist egal. Diese Auswahl hat keine Relevanz in Bezug auf den Umstand, das es der erste Hund ist. Man kann nicht sagen das einer von beiden einfacher bzw. schwieriger wäre.
Besser ist es auf die individuellen Rasse-Merkmale zu schauen und darauf zu achten, dass diese zu mir und meiner Familie passen. Dies ist bei einem reinrassigen Hund ebenso wichtig wie bei einem Mischling. Ganz allgemein sagt man Mischlingen nach das sie gesundheitlich ein bisschen robuster sind und älter werden als reinrassige Hunde.

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Woher weißt man, welche Rasse die richtige für die eigene Familie ist?

Hier ist es wichtig, sich Vorfeld gut über die Eigenschaften der einzelnen Rassen zu informieren. Es gibt sportliche Rassen mit großem Bewegungsdrang wie z.B. Hütehunde und es gibt „gemütliche“ Rassen wie z.B. Bulldoggen, die weniger Aktivität einfordern. Dann gibt es Hunde, die für Anfänger geeignet sind wie z.B Golden Retriever und solche, die in erfahrende Hände gehören wie z.B. Schäferhunde. Die Größe und das Gewicht spielen auch eine wichtige Rolle. Diese sollten zur Familie und zur Wohnsituation passen.

Wenn man sich im Vorfeld sorgsam über die einzelnen Rassen informiert, findet man in der Regel leicht einen Hund, der mit seinen Eigenschaften gut zur Familie passt.

Kann Ihrer Meinung nach auch eine Adoption eine gute Lösung zum Thema „erster Hund in der Familie“ sein?

Im Grunde ja. Wichtig ist hierbei aber, im Vorfeld so viel wie möglich über den Hund zu erfahren, um seine Eignung als Familienhund zu gewährleisten. Mitunter ist die Vorgeschichte eines Hundes, der zur Adoption freigegeben ist, problematisch, was dann wiederum die Eignung für eine Familie – und speziell als erster Hund – ausschließt. Hilfreich ist hierbei, einen Experten (professionellen Hundetrainer) zu Rate zu ziehen, um eine evtl. Eignung zu überprüfen.

Empfehlen Sie das Hundetraining generell oder hängt es von der Art des Hundes/der Situation ab?

Ich empfehle definitiv ein Hundetraining bzw. eine Grunderziehung für jeden Hund. Es wichtig, einen Hund in den Grundsignalen auszubilden, um ihn problemlos im Alltag führen zu können. Ein zuverlässiger Abruf beispielsweise befreit den Hund, dort wo es möglich ist, von der Leine. Ein sicher ausgeführtes „Sitz“ und „Platz“ ist in vielen Situationen unglaublich wertvoll, z.B. um den Hund in stressigen Situationen zu sichern oder einfach um Aufregung zu reduzieren. Über das Hundetraining lernt der Hund Impulskontrolle. Das heißt, er folgt nicht ungehemmt jedem motivierendem Reiz wie beispielsweise einem Jogger, Fahrradfahrer oder Kaninchen.

Wann kann man mit dem Training beginnen?

Die meisten Welpen werden in der 8. Lebenswoche vom Züchter übergeben und man kann im Prinzip sofort mit dem Training starten, da ein Hund immer lernt. Wichtig ist, hierbei die Intensität bzw. das richtige Maß. Bei einem so jungen Hund würde man beispielsweise spielerisch 2-3 Wiederholungen in dem Signal „Sitz“ pro Tag trainieren. So lange der Hund konzentriert mitmacht und Spaß an der Übung hat, ist das kein Problem. Richtig interessant wir der Kommunikationsaufbau aber erst circa ab dem 5. Lebensmonat. Dann sind die meiste Hunde stubenrein, haben sich an ihr neues zu Hause gewöhnt und die Konzentrationsspanne des Hundes ist in der Regel soweit gewachsen, um einen aktiven Trainingsplan zu verfolgen.

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Wenn eines der Kinder Angst vor Hunden hätte, würden Sie empfehlen, einen Hund als Angsttherapie zu holen?

Definitiv nein. Das wäre viel zu risikoreich. Einmal könnten sich die Ängste des Kindes verstärken, gerade weil Welpen wild und ungestüm sind. Außerdem wäre es nicht fair dem Hund gegenüber, da er evtl. nach kurzer Zeit wieder abgegeben werden müsste, wenn es nicht funktioniert. Für die Angst vor Hunden gibt es extra ausbildete Therapeuten mit Therapie-Hunden, an die man sich in so einem Fall wenden kann. Wenn dann die Angst überwunden wurde, kann man ja immer noch über einen Familienhund nachdenken.

Wie kann man, Ihrer Meinung nach, Kindern mehr Verantwortungsbewusstsein in Bezug auf die Hundebetreuung vermitteln?

Meiner Meinung nach ist hierbei unsere Vorbildfunktion am wichtigsten und wertvollsten. Wenn wir den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit einem Hund vorleben, werden sie vieles davon übernehmen. Ebenso hilfreich ist es, mit den Kindern Gespräche zu führen, Lern-Videos (z.B. über YouTube) zu schauen und bei Bedarf zu regulieren, wenn sie unverhältnismäßig mit dem Hund umgehen, beispielsweise wenn Mädchen den Hund schminken wollen oder Jungs zu ungestüm mit dem Hund toben.

Welchen letzten persönlichen Rat würden Sie einer Familie geben, die ein neues vierbeiniges Mitglied sucht?

Das A und O für ein glückliches Leben mit Hund innerhalb einer Familie ist, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren. Welcher Hund passt zu uns? Wie finde ich einen geeigneten Züchter oder Adoptiv-Hund? Worauf muss ich bei der Auswahl eines Hundes achten? Viele Informationen findet man heute im Internet. Auf YouTube beispielsweise gibt es mittlerweile sehr gute Rasse-Checks von Profis und vieles mehr zum Thema. Ebenso hilfreich sind natürlich gut recherchierte Blog-Artikel, Fachbücher oder ein Beratungsgespräch mit einem Experten im Vorfeld.

Für mehr Infos könnt ihr auch die Online-Hundeschule besuchen: deine-hundeschule.com

 

Vielen Dank für das nette Interview!

 

Julie Leuze, André Henkelmann:
„Die Kunst, Einen Welpen zu bändigen“,
ca. 18 Euro; GU Verlag 2020

 

 

 

 

Credits: Gräfe und Unzer Verlag/ privat

Teaser- und Sliderbid:@Unsplash