Mal ehrlich: Wer Kinder zuhause hat weiß selbst, wie schnell die Umweltbilanz plötzlich ins Negative ausschlägt. Windeln, halbleer gegessene Teller, Plastikspielzeug, praktische Feuchttücher… Wir haben ein paar Tipps gesammelt, wie ihr ohne Stress als Familie nachhaltig leben könnt.

Nach Bedarf einkaufen

Mit Familie erscheint es wirklich praktisch, einmal in der Woche in den Supermarkt zu gehen und den Wagen voll zu machen. Aber ist das auch nachhaltig? Meistens läuft die Woche dann nicht so wie geplant und vor dem nächsten großen Einkauf landet vieles von dem was nicht verbraucht wurde im Müll. Einfach weil man doch schnell mit den Kindern zum Pizzaessen ist, weil keiner Lust hatte auf das, was eigentlich auf dem Speiseplan stand oder, oder, oder…. Die beste Lösung: Zwei kleinere Einkäufe pro Woche. So bleibt ihr flexibel und es landet weniger Essen im Müll.

Mit Essensresten kreativ umgehen

Pro Sekunde werfen wir in Deutschland 313 Kilogramm Lebensmittel weg. Ja wirklich: Pro Sekunde! In Privathaushalten fallen insgesamt 40 Prozent dieses „Mülls“ an. Solche Zahlen stimmen nachdenklich. Ein Restetag klingt zwar etwas spießig, spart aber definitiv Ressourcen und pflegt außerdem das gute Gewissen. Alles, was die Woche über nicht verbraucht wurde an Lebensmitteln, wird zum Beispiel donnerstags kreativ „verkocht“. Viele Inspirationen findet ihr dazu in dem Buch von Antonia Kögl, die zeigt, wie eine No-Waste-Küche funktioniert (erschienen im Christian Verlag für 19,99 Euro).

Plastik möglichst vermeiden

Ganz klar, dass wir auf Einwegplastiktüten möglichst verzichten und mit mehrfach verwendbaren Taschen einkaufen gehen. Aber was macht man, wenn die regionale Biogurke oder -tomate im Ökomarkt plötzlich in Plastikfolie eingeschweißt daherkommt? 212,5 Kilogramm Verpackungsmüll produziert der Deutsche Verbraucher durchschnittlich im Jahr. Das liegt aber nicht nur an uns, den Konsumenten – auch wenn uns das immer wieder suggeriert wird. Schließlich kann es nicht gerecht sein, dem Verbraucher die Hauptlast der Entsorgung aufzubürden von etwas, das er gar nicht verursacht hat. Hier ist es auch an der Politik endlich die produzierende Industriebetriebe per Gesetz zu verpflichten, damit in Zukunft auf überflüssige Verpackungen verzichtet wird.

Das Biogemüse im Supermarkt wird übrigens deshalb aufwändig in Folie verschweißt oder mit Folienbändern ummantelt, weil so mehr Qualität und dadurch auch mehr Wert suggeriert wird. Die Alternative für unverpacktes Biogemüse ist der Wochenmarkt. Und ein Einkauf dort zusammen mit den Kindern bringt außerdem auch viel mehr Spaß.

Außerdem einfach verzichten kann man im Alltag auf:

  • Einwegkaffeebecher (auch die aus Pappe; sh. unsere Tipps unten)
  • Plastikbesteck oder -geschirr (ist inzwischen auch per Gesetz verboten
  • Pausentüten aus Plastik
  • Plastiktüten an der Gemüsetheke im Supermarkt (es gibt wiederverwendbare Säckchen)

Ein Problem für die Umwelt ist auch Mikroplastik, zum Beispiel Mikroperlen die sich in vielen Kosmetikprodukten wiederfinden. In Großbritannien sind diese bereits seit 2018 in allen Beautyprodukten verboten. In den USA dürfen sie ebenfalls seit mehreren Jahren nicht mehr verwendet werden. Das Problem ist, dass die Mikroperlen direkt über das Abwasser in Flüssen und wiederum im Meer landen. Allein im Ontariosee in den USA wird die Konzentration auf bis zu 1,1 Millionen Mikroperlen pro Quadratkilometer geschätzt.

Wenn ihr herausfinden wollt, ob auch in euren Kosmetikprodukten Mikroperlen enthalten sind, könnt ihr die Inhaltsstoffe nach folgenden Substanzen überprüfen:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyehtylenterephthalat (PET)
  • Polymehtylmethacrylat (PMMA)
  • Polytetrafluorethylen (PTFE)
  • Nylon

 

Mehr zum Thema plastikfrei leben findet ihr auch in dem Buch von Will McCallum: Wie wir Plastik vermeiden (Ullstein Verlag für 12 Euro).

 

Minimalismus im Kinderzimmer

Auch wenn man sich vornimmt weniger zu kaufen, sind die Schränke am Ende doch proppenvoll. Gerade bei jüngeren Kindern die noch sehr schnell wachsen lohnt es sich, pro Quartal die Kinderkleidung auszusortieren, die zu klein geworden ist. Sich von Spielzeug zu trennen ist schon schwieriger. Am besten bezieht man die kleinen Besitzer hier von Anfang an mit ein. Alles, womit mehr als zwei Monate nicht gespielt wurde, kann zur Diskussion gestellt werden.

Und wie wird man das Ganze nachhaltig los? Entweder ihr geht mit den Schätzen zum Flohmarkt oder ihr spendet es zum Beispiel in der Kleiderkammer der Caritas oder bei einer anderen Wohltätigkeitsorganisation, die es in fast allen Städten gibt.

Nachhaltig leben mit Kindern, Plastik
Plastik sammelt sich in Kinderzimmern wie von selbst an. Der Vorteil: Die Spielfiguren haben eine lange Lebenszeit und können getauscht, verschenkt oder weitervererbt werden.

Tauschen statt kaufen

Bringt weniger freien Stauraum im Schrank, hat aber definitiv mehr Event-Charakter: Man lädt sich ein paar Freundinnen mit Kinder ein und tauscht Spielzeug und Klamotten. Die Kinder werden die Tauschparty super finden, denn was die anderen zum Spielen haben, ist ja immer interessanter. Was dann doch noch übrig bleibt, kann schließlich gespendet werden (s.o.).

Auf Feuchttücher verzichten

Ja, sie machen das Leben einfach und sind schnell zur Hand: am Wickeltisch, im Auto, in der Handtasche… Aber sie produzieren auch jede Menge Müll: Feuchttücher. Wer trotzdem nicht auf die praktische „Putzhilfe“ verzichten möchte, sollte zumindest darauf achten, sie im Restmüll und nicht in der Toilette zu entsorgen, denn sie verstopfen die städtischen Abwasserleitungen. Aber geht es nicht in manchen Situationen auch ohne? Wer sie von der Einkaufsliste streicht, bekommt in der Ökobilanz jedenfalls die volle Punktzahl.

Fahrgemeinschaften bilden oder das Auto stehen lassen

Die Kinder müssen zur Schule, zum Fußballtraining, zur Geburtstagsparty, zum Reitunterricht – gerade in ländlicheren Gebieten sind Eltern regelrechte Taxiunternehmen. Fahrgemeinschaften sparen nicht nur Familienzeit, sie sind auch ökologisch. Einer fährt mehrere Kinder zum Termin, einer holt sie wieder ab ist allemal energiesparender als drei Autos die denselben Weg zurücklegen mit je einem Kind an Bord.

Tolle Lastenfahrräder mit denen sich die Kinder und Einkäufe transportieren lassen findet ihr hier.

Mit Kindern pflanzen

Ein paar Kräuter und Tomaten auf dem Balkon zu pflanzen, einen Schrebergarten pachten oder den hauseigenen Gemüsegarten bewirtschaften: All das ist super für die Umwelt. Und wer einmal sonnengereifte, frisch gepflückte Tomaten aus eigenem Anbau gegessen hat, kann sowieso nie wieder andere gut finden.

Auch für die Kinder ist es ein Lehrprogramm, das jeden Schulunterricht zum Thema Nachhaltigkeit übertrifft und das schon Kindergartenkinder begreifen: Man sät etwas, kümmert sich darum während es wächst, erntet es und isst es. Wer kein eigenes Grundstück hat, kann saisonal eines pachten zum Beispiel bei meineernte.de.

Nachhaltig leben mit Kindern
Es muss nicht unbedingt ein großer Garten sein. Selbst auf dem Balkon lassen sich Radieschen und Tomaten ziehen.

Zu Ökostrom wechseln

Es ist keine große Sache, meistens reicht schon ein kurzer Anruf oder eine Mail und ihr seid bei einem Stromanbieter, der euch mit besserem Gewissen schlafen lässt. Fall ihr keine Zeit/ keine Lust/ keinen Nerv habt, euch durch den Anbieter-Dschungel zu schlagen, hat Utopia hier eine hübsche und übersichtliche Liste mit Anbietern.

Weniger Fleisch essen

Das wird kein Plädoyer zum Vegetarismus, aber eines für bewusstes Fleischessen. Gutes Fleisch aus nachhaltiger und artgerechter Tierhaltung schmeckt nicht nur besser, sondern ist auch ethisch vertretbar. Wem das zu teuer ist, der kann ja einfach seltener Fleisch essen. So bleibt das Lebensmittel etwas Besonderes und gleichzeitig wird mehr Kreativität in der Gemüseküche geprobt! Rezeptideen findet ihr zum Beispiel hier:

Kluge Alternativen nutzen

Coffee-To-Go Becher aus Papier und/oder Plastik sind weder schön noch praktisch, zudem sind letztere inzwischen verboten. Besonders schlimm für die Ökobilanz: die Deckel aus Plastik (sh. unser Punkt oben).

Unser Tipp: Legt euch doch einfach mal einen richtig hübschen Kaffeebecher zu. Die sind auf Ewigkeit verwendbar, sehen super aus und der Kaffee bleibt auch noch länger heiß. Und statt einer PET-Flasche für das Getränk unterwegs, kann man in die gleichen Becher auch etwas Kaltes füllen.

Klassiker shoppen

Der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten, zum Anziehen habt ihr dennoch nichts gefunden? Wir kennen diese Morning Routine bestens! Umdenken hilft: Lieber mal einen etwas teureren Klassiker shoppen, von dem man lange etwas hat und der immer gut aussieht. Nicht jeden Modegag muss man mitmachen. Außerdem gibt es inzwischen immer mehr Labels, die bei der Produktion auf Nachhaltigkeit achten. Das gilt auch für die Kindermode. Nachhaltige Labels findet ihr zum Beispiel hier.

Obst und Gemüse regional und saisonal kaufen

Himbeeren im Winter? Ananas aus Thailand? Eine Flugmango? Die Wege mancher Früchte sind wahnsinnig weit und oft unnötig. Das merkt man vor allem, wenn man nach regionalen Früchten Ausschau hält. Äpfel vom Hof nebenan sind durchaus reizvoll… Auf Wochenmärkten lässt sich regionales Gemüse und Obst sehr gut einkaufen. Doch aufgepasst: Regional eingelagerte Äpfel zum Beispiel haben oft eine schlechtere Ökobilanz als frisch eingetroffene aus fernen Ländern.

‚Billig essen‘ ist nicht ‚besser essen‘

Die Milchpreise rutschen in den Keller und ruinieren die Milchbauern. SB-Bäckereien und abgepacktes Discounter-Brot bedroht unsere Brotkultur. Dabei sollten wir uns bewusst machen, dass ein Liter Milch durchaus mehr kosten darf als ein Kaugummi. Wer darüber hinaus schon einmal frisches, echtes Brot vom Traditionsbäcker probiert hat, wird um das fertig aufgebackene „Instant-Brot“ gern einen großen Bogen machen! Gerade in Coronazeiten haben viele angefangen selbst Brot zu backen und sind auf den Geschmack gekommen.

Nachhaltig leben mit Kindern; Brot

Reparieren statt Wegschmeißen

Klar, manche Geräte wie Handys oder Haartrockner haben irgendwann ausgedient. Allerdings ist es oft so, dass wir Dinge viel zu schnell wegschmeißen und neu nachkaufen, statt eine Möglichkeit zu suchen, das Gerät zu reparieren und ihm so zu längerer Lebenszeit zu verhelfen. Behalten wir mögliche Reparaturen im Blick leben wir nicht nur nachhaltig, wir sparen auch noch Geld! Übrigens ist es nicht unbedingt nachhaltiger, ältere Küchengeräte auszutauschen gegen neue, die vielleicht weniger Strom etc. verbrauchen. Am besten die Geräte so lange wie möglich nutzen und erst ersetzen, wenn sie irreparabel sind.

‚Upcycling‘ als nächstes DIY-Projekt

Hier findet ihr schöne Ideen. Janina Sticken: Upcycling. GU, 2015, 14,99 Euro
Hier findet ihr schöne Ideen. Janina Sticken: Upcycling. GU, 2015, 14,99 Euro

Du suchst noch ein cooles DIY-Projekt für den nächsten verregneten Nachmittag mit den Kids? Wie wärs mit Upcycling? Alles was in deiner Wohnung nutzlos herumsteht kann so mit etwas Kreativität in hübsche Unikate umgewandelt werden. Ein toller, nachhaltiger Trend!

 

 

Alles auf einmal zu versuchen, ist ein bisschen viel und wir sollten uns nichts vormachen: Manche Dinge brauchen Zeit. Aber hinter all dem steht, dass wir bewusster und achtsamer durch die Welt gehen können und damit schon Vieles verändern.

Ihr überlegt, wie der nächste Urlaubstrip nachhaltiger aussehen könnte. Wir haben die besten Tipps für nachhaltiges Reisen mit Kindern.

Foto: unsplash; Christian Laballe, PR, Shutterstock, Gettyimages, Foto Slider: Gettyimages