Endlich kein Stress mehr mit den Materiallisten zum Schulanfang, dachte sich Christina Jüptner. Sie gründete das Startup „Pack den Ranzen“ um sich selbst und anderen Eltern Zeit und vor allem Nerven zu sparen.

Es ist zu Beginn jedes neuen Schuljahrs eine ungeliebte Aufgabe, die vor allem eines kostet: Zeit. Die Materiallisten müssen abgearbeitet werden, damit die Kinder mit der nötigen Ausstattung am ersten Schultag starten können. Ein Erlebnis, das bei Christina Jüptner zu einer Initialzündung führte: „Ich habe die Einkaufsliste meiner Tochter bekommen und dachte, ich besorge das mal schnell. Als ich nach drei Stunden mit nur 70 Prozent der Sachen wieder aus dem Laden raus war wusste ich: Es gibt ein Problem!“ erzählt die Gründerin. „Und 26 andere Elternpaare mussten sich ja etwa zeitgleich mit dem selben Thema herumschlagen.“

Schulanfang
Besonders kurz vor Schulanfang wird es für Gründerin Christina Jüptner stressig.

Das Ziel: Stressfreies Besorgen von Schulmaterial

So wurde die Idee zu „Pack den Ranzen“ geboren. „Es war auch eine Portion Selbstschutz dabei, schließlich habe ich vier Kinder!“ meint Christina Jüptner lachend. „Eigentlich wollte ich nur eine Lösung für ein Problem haben, aber das Ganze hat sich dann etwas verselbständigt. Ziemlich schnell habe ich festgestellt: eine Sammelbestellung bringt nichts. Das was ich will, lässt sich nur durch einen Shop abbilden. Und so haben wir angefangen zu programmieren…“

Heraus gekommen ist „Pack den Ranzen„, ein Onlineshop bei dem Eltern das stressfreie Besorgen von Schulmaterial garantiert wird. Doch wie funktioniert das Ganze? „Am einfachsten ist es uns die Materialliste zu schicken. Das geht per Mail, per WhatsApp oder per Upload. Wir machen innerhalb von 24 Stunden einen fertigen Warenkorb daraus und senden einen Link zurück, der an die Eltern der Klasse weitergegeben werden kann. Das Ganze ist völlig unverbindlich.“ Bestellt wird dann individuell – und auch gezahlt. „Das ist ein weiterer Punkt warum Sammelbestellungen meist scheitern. Wer will denn schon in der Klasse das Geld einsammeln und Bestelllisten abgleichen.“ So können Eltern individuell kaufen was sie brauchen, was bereits vorrätig ist aus dem vorgegebenen Warenkorb entfernen und bekommen schließlich ein fertiges Päckchen nach Hause geliefert.

Die optimierte Materialliste erstellen

Ein Service auf den bereits viele vor dem Schulstart gerne zurück greifen, denn die Materialliste werden zudem auf Fehler „untersucht“ und entsprechend korrigiert, also zum Beispiel ob das Heft mit der Lineatur xy überhaupt für die entsprechende Klasse das richtige ist, oder ob es sich einfach um einen Tippfehler handelt. Das erspart viele Nachfragen.

Auf Qualität legt das Startup großen Wert und garantiert sogar eine Rückerstattung, sollte man die Markenprodukte woanders günstiger finden. Keine leichte Aufgabe den entsprechenden Schulbedarf zusammen zu stellen. Während Christina Jüptner anfangs noch in ihrer Wohnung bis in die Nachtstunden Pakete versandfertig gemacht hat, ist sie inzwischen neu organisiert: „Wir arbeiten mit einer Behindertenwerkstatt zusammen, wo die Pakete zusammengestellt und gepackt werden. Außerdem gibt es ein Lager mit Materialien, auf das wir schnell zurückgreifen können.“ Doch die Hauptarbeit erledigt sie, unterstützt von einigen Freelancern, noch selbst. „Das bedeutet vor allem in den Wochen vor dem Schulstart: Stress!“

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Besonders stolz ist die Gründerin auf das Lehrertool, das sie extra hat programmieren lassen. „Anfangs bin ich schier verzweifelt an den Listen, die Lehrer uns geschickt haben. Immer wieder gab es Fragen dazu: Soll es der Hefter sein oder der andere, soll es das kartonierte Heft sein oder das andere. Meine Vision ist, dass es deutschlandweit nur noch verständliche und optimierte Materiallisten gibt. Dafür haben wir ein sehr komplexes und aufwändiges Tool programmiert. Die Lehrer können die Produkte eingeben wie sie wollen, also mit Freitext oder über die Shopkategorie. Aber egal welchen Weg sie wählen: Am Ende kommen sie zu einer Liste, in der es keine Widersprüchlichkeiten gibt, die einkaufsoptimiert sortiert rauskommt und die außerdem produktneutral ist.“ Auf Knopfdruck ist diese Liste auch in Englisch, Italienisch und bald auch auf Türkisch oder Arabisch verfügbar.

Zeit sparen und Fehlkäufe vermeiden

Wo es genau mit ihrem kleinen Unternehmen hingehen soll? „Mein eigentliches Ziel hat nicht einmal einen wirtschaftlichen Hintergrund. Ich habe mir einfach gesagt, ich will diesen Materialwahnsinn an Schulen beenden. Ich habe mal ausgerechnet, dass Eltern in Deutschland jedes Jahr zusammengerechnet ganze 230 Jahre einkaufen gehen nur für Schulmaterial. Das ist mein Ziel: Ich möchte eine Lösung schaffen, die das unnötig macht. Natürlich muss man mit so einem Projekt irgendwann auch Geld verdienen…“ Im Moment wird der Shop um besondere Schultüten und Schulranzen erweitert. „‚Pack den Ranzen‘ könnte ein Kanal sein schöne Dinge anzubieten, die die Zielgruppe woanders nicht oder nur schwer findet“, wagt Christina Jüptner einen Blick in die Zukunft.

pack-den-ranzen.de

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