Egal ob es um das erste Handy, den eigenen Schlüssel, Fernsehen oder ein Haustier geht – für alles gibt es das richtige Timing. Doch wann ist welcher Entwicklungsschritt erreicht? Wir haben eine kleine Anleitung…

Text: Stefanie Rüggeberg

Ab wann ist mein Kind alt genug, um Fernsehen zu schauen?

Medien sind Teil unseres Alltags. Insofern ist es kontraproduktiv, den Fernseher auf den Index zu setzen. Wichtig ist allerdings, dass du dein Kind an die Hand nimmst, wenn es die flimmernden Bilder entdeckt. Beim zeitlichen Rahmen dieser Entdeckungsreise gilt: Für Kleinkinder unter drei Jahren ist es am besten, die Welt kennenzulernen, indem sie Dinge riechen, schmecken, tasten. Fernsehbilder interessieren sie zwar als optische Reizquelle. Wirklich verarbeiten können sie Bild, Ton oder gar Inhalte noch nicht. Deshalb ist Fernsehen so früh wenig sinnvoll.
Ab dem Kindergartenalter wachsen Verständnis und Aufnahmefähigkeit allmählich. Vor allem Dinge, die sie aus dem Alltag kennen, wie Familie oder Freunde zu finden, können sie nun verfolgen. Voraussetzung: Die Handlung wird einfach, kurz und in einem kindgerechten Tempo erzählt.
Damit du merkst, was dein Kind schon versteht, solltest du mit ihm zusammen Fernsehen schauen. Dann kann es all die Fragen stellen, die ihm durch den Kopf schießen – und je geduldiger du selbst bei der fünften Wiederholung der gleichen Frage reagierst, umso besser. Tipp: Nutze von Anfang an die Chance, den Fernsehkonsum mit fixen Regeln zu verknüpfen. Dazu gehört zum Beispiel, wann, wie lange und was geschaut werden darf oder dass ihr nach einer Folge Kinderserie noch mal aktiv seid und auf dem Fußballplatz einige Bälle kickt.

Ab welchem Alter kann mein Kind sich alleine anziehen?

Der Pferderock wird als Poncho getragen, Jeans sind auf einmal doof und selbst im Juli ist noch Strumpfhosenwetter? Wenn dein Kind beginnt, sich seine Kleidung selbst auszusuchen, sieht das nicht unbedingt schön aus und ist oft unpraktisch. Aber darauf kommt es nicht an. Wenige Dinge drücken die Persönlichkeit so gut und selbstbewusst aus wie die Wahl der Kleider. Deshalb solltest du dein Kind genau ab dem Moment entscheiden lassen, ab dem es ein Interesse dafür entwickelt und die von dir ausgesuchten Klamotten wieder zurück in den Schrank stopft. Selbst wenn das heißt, dass du ab jetzt mit einer kleinen Person unterwegs bist, die bunt wie ein Papagei aussieht. Du würdest umgekehrt schließlich ebenso wenig wollen, dass dir jemand deinen Modegeschmack vorschreibt. Und was, wenn die Nachwuchs-Stilikone zu warme oder viel zu luftige Outfits wählt? Dann hilfst du deinem Kind mit einem autoritären Kleider-Diktat wenig. Besser: Lass es ausprobieren, wie sich der Winterpulli im Sommer anfühlt. Die Folge ist wahrscheinlich: Es macht die Erfahrung, dass es dann schwitzt, wählt beim nächsten Mal etwas anderes – und lernt so, Verantwortung für sich zu übernehmen.

In welchem Alter sollte man Kinder aufklären?

Es sind Fragen wie diese, die viele Eltern fürchten: „Gibt es mich, weil ihr geknutscht habt?“ – „Mama, was macht der blaue Faden zwischen deinen Beinen?“ Dabei ist es ganz normal und sehr gesund, dass Kinder schon im Kindergartenalter so unbefangen Fragen zur Aufklärung stellen. Deshalb wäre es sogar schade, die Antworten auf später zu verschieben. Denn sie helfen Ihrem Kind, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln. Dazu gehört übrigens auch, dass es seine Geschlechtsteile kennen und benennen lernt. Je natürlicher es über Sexualität aufgeklärt wird, desto besser.
Das gelingt am besten, wenn du kein großes Aufklärungsgespräch ansetzt, sondern das alles ganz ungezwungen und beiläufig immer wieder in den Alltag einbindest. Und zwar dann, wenn das Thema sich ergibt. Sei es beim Duschen, wo das Kind mit drei fragt, wofür Mama Brüste hat. Oder wenn deine Tochter mit neun weißen Ausfluss bekommt und du die erste Periode erklärst. Enorm wichtig: Blocke Fragen bitte nicht mit „Dafür bist du zu klein“ ab, sondern beantworte alle Fragen so offen wie möglich und altersgerecht. Dann lernt dein Kind, dass Sexualität und die Entwicklung des eigenen Körpers absolut nicht peinlich sind.

Ab wann kann mein Kind mal ein paar Stunden alleine zuhause bleiben?

Eine halbe Stunde vor Ladenschluss wäre es viel fixer, ohne die Tochter in den Supermarkt zu laufen. Oder zum Arzt fahren zu können, ohne den Sohn extra bei Oma vorbeizubringen. Aber ist es überhaupt erlaubt, das Kind vorübergehend allein zu Hause zu lassen? Rechtlich haben Eltern natürlich eine Aufsichtspflicht. Allerdings darf diese sich, um die Kindesentwicklung zu fördern, durchaus dem Alter und der jeweiligen Situation anpassen.
Zur groben Orientierung empfehlen Pädagogen, Kinder unter drei Jahren gar nicht allein zu lassen. Kinder ab vier können 15 bis 30 Minuten allein bleiben, wenn die Eltern in der Nähe sind. In der Grundschule sind ein bis zwei Stunden möglich. Allerdings kommt es hier einmal mehr auf die individuelle Reife Ihres Kindes an. Wenn es ängstlich ist oder oft tollpatschig eine Spur der Verwüstung hinterlässt, warten Sie selbsterklärend.
Der Reifegrad passt und du hast mit deinem Kind besprochen, dass es sich das Alleinsein zutraut? Dann geben klare Absprachen zusätzliche Sicherheit. So sollte dein Kind wissen, wann du wieder da bist, wie es dich im Notfall telefonisch erreichen kann und was es in deiner Abwesenheit nicht darf.

 

Ab wann sollte mein Kind einen eigenen Haustürschlüssel bekommen?

Er ist klein und unscheinbar – und symbolisiert zugleich so viel Freiheit und Vertrauen. Ein eigener Haustürschlüssel ist ein echter Meilenstein und viele Kinder sind mächtig stolz darauf. Als Faustregel für den Zeitpunkt dieses Entwicklungsschritts lässt sich grob sagen, dass dein Kind dafür circa acht Jahre alt sein sollte. Gerade, wenn es etwa nach der Schule mit dem Schlüssel allein zu Hause reinkommen und bleiben soll, geht das nur, wenn es einige Basics kann, wie zum Beispiel: sich Essen in der Mikrowelle warm machen, das Telefon bedienen, die Uhr gut lesen. Und natürlich ist Voraussetzung, dass es den Schlüssel wirklich will. Reagiert es bei dem Thema ausweichend und ängstlich, solltest du es nicht vom Gegenteil überzeugen.
Wichtiger als eine starre Altersgrenze ist generell, dass dein Sohn oder deine Tochter weitsichtig genug mit dem Schlüssel umgeht. Checke deshalb vorab alle Fragen: Ist dem Kind bewusst, wie gut es auf den Schlüssel aufpassen muss und was passiert, wenn es sich aussperrt? Ist es schon in der Lage, den Schlüssel im Schloss umzudrehen? Wo kann es ihn verwahren? Was, wenn jemand klingelt? Besprecht es in Ruhe gemeinsam, wenn du an anderen Dingen merken, dass dein Kind jetzt die nötige Reife hat. Ein guter Hinweis ist hier, dass es gut auf seine Schulsachen aufpasst, nichts verliert und auf die Frage, was es bei einem Notfall zu Hause macht, etwa sofort weiß „Dann klingele ich bei Frau Döbler nebenan und rufe außerdem dich an.“

Welches Alter ist das richtige für die Einschulung?

Es hat schon seinen Sinn, dass der Beginn der Schulpflicht sehr flexible Regelungen umfasst. Jedes Kind ist anders und jedes erreicht die Schulfähigkeit in seinem eigenen Tempo. Dabei spielt es keine Rolle, ob Ihre Kleine mit fünf bereits richtig gut lesen und locker bis 50 zählen kann. Entscheidend ist die Reife und die hat wenig damit zu tun, ob Ihr Kind stets genau wissen will, wie alles funktioniert. Wichtig sind vielmehr Dinge wie: Kann es sich gut konzentrieren und länger stillsitzen? Gliedert es sich leicht in eine Gruppe ein und kann Regeln akzeptieren? Geht es gut mit Konflikten um?
Selbst wenn die Schuleingangsuntersuchung bestätigt, dass das Kind so weit ist, sollten Eltern genau überlegen, noch mal mit der Erzieherin im Kindergarten sprechen und unbedingt das Kind selbst fragen, ob es schon zu den Großen in der Schule gehören will.
Der Trend geht inzwischen wieder weg von der Einschulung mit fünf. Nicht zuletzt, weil Studien gezeigt haben, dass so früh eingeschulte Kinder öfter sitzen bleiben und seltener fürs Gymnasium empfohlen werden. Und weil Pisa-Vorbild Finnland sehr erfolgreich damit ist, Kinder erst ab einem Alter von sieben Jahren zu unterrichten.

Ab wann darf mein Kind alleine zur Schule gehen?

Der Schulweg ist oft der erste Weg, den Kinder komplett ohne Begleitung zurücklegen. Wenn die Schule direkt um die Ecke liegt, ist das natürlich früher möglich, als wenn dein Kind dafür den Bus nehmen muss. Gerade zu Beginn der Grundschule lieben es Kinder außerdem, wenn ein Elternteil sie begleitet. Erfülle ihm diesen Wunsch so lange wie möglich und bereite es dabei gleichzeitig beiläufig auf seinen großen Solo-Auftritt vor. Wie? Indem du über die Gefahren des Verkehrs sprichst oder darüber, warum die Fußgängerampel so wichtig ist. Indem du einfache Verkehrsregeln erklärst und wie dein Kind sich verhalten soll, wenn es auf dem Weg von Fremden angesprochen wird. Indem ihr euch unterwegs erzählt, welches markante Haus als nächstes kommt. Bis du eines Tages ganz die Regie übergibst und sagst „Heute führst du mich“. Wenn Ihr Kind das mehrmals problemlos meistert, können Sie sicher sein, dass es den Schulweg ohne Sie schafft. Im Normalfall wird es nach den erfolgreichen Generalproben sowieso bald das Selbstbe- wusstsein haben, eine Premiere zu fordern.

Ab wann ist mein Kind alt genug, um für ein Haustier zu sorgen?

„Ein Hund wäre soooo ein treuer Freund.“ – „Das Kaninchen ist soooo süß.“ – „Wellensittiche machen soooo viele lustige Sachen.“ Kinder schwärmen von Tieren und tatsächlich ist es ein Gewinn, wenn sie mit einem Haustier aufwachsen dürfen. Schließlich, das belegen Studien, können sie hier lebensnah Verantwortung und soziale Kompetenz erlernen. Allerdings ist entscheidend, dass das entsprechende Tier zum Alter deines Kindes passt. So sind etwa die vermeintlich niedlichen Hamster nachtaktiv und damit frühstens ab dem Teenager-Alter geeignet.
Ein erstes Haustier kann ab etwa vier Jahren bereichernd sein. Allerdings muss dabei klar sein: Noch geben die Eltern bei der kompletten Versorgung Hilfestellung. Allein ist ein Kind damit so jung überfordert. Doch es langsam an die Bedürfnisse des Tieres heranzuführen – das ist eine gute Erfahrung. So lernt dein Kind, dass das flauschige Kaninchen Schmusen gar nicht mag, aber unbedingt regelmäßig Futter und einen sauberen Stall braucht.
Nach und nach können Kinder mehr Aufgaben übernehmen, bis sie mit etwa acht schon vieles allein hinkriegen. Dennoch: Mama und Papa müssen selbst hier weiter kontrollieren, ob das Tier gut versorgt wird. Speziell um einen Hund können sich Kinder erst ab circa zwölf Jahren wirklich allein kümmern.

Wann ist mein Kind alt genug für ein eigenes Handy?

Bei dieser Frage geht es nicht darum, dein Kind generell von der Handynutzung fernzuhalten – sondern, dass es lernt, verantwortungsbewusst damit umzugehen. Dem „Alle in meiner Klasse haben auch eins“ – Argument nachzugeben, ist immer der schwächste Weg. Praktisch gesehen braucht im Grundschulalter fast kein Kind ein Handy. Schließlich werden die meisten dann durchgehend in der Schule oder dem Hort beaufsichtigt. Erst wenn Ihr Kind mit circa zehn Jahren deutlich selbstständiger wird, ist ein Handy sinnvoll. So ist es erreichbar, wenn es allein zum Karateunterricht geht. Oder kann Bescheid sagen, wenn es noch länger bei seinem Freund bleibt.
Laut Statistik des IZI (Internationales Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen) haben 75 Prozent der 10- bis 11-Jährigen dann sogar ein eigenes Smartphone. Hier geht es natürlich um weit mehr als die reine Erreichbarkeit, und damit verbunden sollten Eltern die Nutzung intensiv vorbereiten. Es bedeutet so viel mehr Verantwortung, wenn das Kind mit dem Handy ins Internet gehen, in Chatgruppen oder bei Social Media persönliche Bilder und Informationen teilen kann. Oder wenn es traumatische Erfahrungen wie Cybermobbing machen könnte. Es ist wichtig, das alles zu besprechen, klar festzulegen, dass das Smartphone nur zu bestimmten Zeiten genutzt wird, und das Kind einen (kleinen) finanziellen Beitrag zum Vertrag leisten zu lassen. So bereitest du es optimal darauf vor, alle Aspekte dieses Mediums klug und in Maßen zu nutzen.