Tipps vom Bastelprofi: Andrea Potocki vom DIY-Blog
We like Mondays

Uli Morant

Basteln regt die Kreativität an und fördert die Vorstellungskraft von Kindern. Andrea Potocki liefert mit ihrem Blog We like Mondays nicht nur tolle DIY-Ideen, sondern auch gleich die entsprechenden Materialien dazu.

Andrea, wie kam es zur Gründung des DIY-Blogs „We like Mondays“ und dazu, dass du Bastelprofi wurdest? Kann man das eigentlich so nennen oder gibt es eine bessere Berufsbezeichnung?

Andrea Potocki: Das habe ich neulich auch schon überlegt, als mein Sohn mich interviewt hat für ein Schulprojekt. Also eigentlich bin ich Designerin, Content Creator, E-Commerce-Business-Spezialistin, Entrepreneur … Aber ganz klassisch habe ich angefangen mit einer Ausbildung zur Modedesignerin. Das ist meine Basis und in der Branche habe ich auch viele Jahre gearbeitet.
Als dann die Kinder kamen, habe ich angefangen mich umzuorientieren und überlegt, wie ich Familie und Arbeit besser unter einen Hut bringen kann. So entstand die Idee für den Do-it-yourself-Blog, der ja inzwischen auch schon eine ganze Weile da ist, immerhin schon seit 2014.

We like Mondays
Andrea Potocki, Gründerin des Kreativblogs We like Mondays (@Wlkmdys)

Also war der Wiedereinstieg ins Modebusiness nach der Familiengründung schwierig?

Ich war gleich nach dem Studium und danach immer freiberuflich tätig, habe eigene Unternehmen gegründet, aber ich habe gemerkt, dass das Arbeitspensum sich mit kleinen Kindern einfach nicht so gut kombinieren ließ – und so entstand der Blog. Das war auch der Moment, in dem die Kreativität, die ich eine Zeitlang etwas vernachlässigt hatte, irgendwo „hinmusste“. Ich startete mit den Bastelprojekten für Familien, davon sind viele Sachen bei uns zu Hause entstanden. Das hat einfach besser zu den Lebensumständen gepasst.

Wie förderst du die Kreativität bei deinen drei Kindern?

Ich glaube, Kinder sind einfach von Natur aus kreativ. Ich denke, es geht darum, diese Kreativität nicht zu verlieren, und vor allem auch um den Mut, weiterhin kreativ zu sein. Dadurch, dass bei uns in der Familie schon immer viel selbst gemacht wurde – mein Opa war Schneider, von Möbel bauen über Tapeten kleben wurde auch sonst viel selbst Hand angelegt –, war das schon immer Teil meines Lebens.
Und bei meinen Kindern oder Kindern generell finde ich, dass man denen nur einen Tisch mit ein paar schönen Sachen hinstellen muss dann machen sie bestenfalls ganz von allein kreative Dinge. Aber es kommt natürlich auch aufs Kind an. Manche können besser mit Lego bauen und sind nicht so gut mit Stiften oder überhaupt beim Malen. Ich habe das Kreativsein bei meinen Kinder gar nicht so forciert, aber natürlich regt ein buntes Umfeld voller toller Materialien wie bei mir zu Hause einfach dazu an, selber etwas zu gestalten.

Und die Kinder durften auch immer überall ran?

Ja, das ist natürlich der Vorteil, wenn man eine Mutter hat, die in dem Bereich arbeitet, dass man auch immer eine Vielfalt von Materialien zur Verfügung hat. Während ich an diversen Projekten gearbeitet habe, hat meine Tochter sich gerne mal unter meinem Arbeitstisch mit Fingermalfarben vergnügt.

Ein Eldorado, wenn ständig alle möglichen Bastelmaterialien da sind …

Ja, es gab auch immer eine Kiste mit tollen Bastelpapieren, wo meine Kinder sich bedienen konnten. Teilweise hatten wir auch so viel Material, dass ich etwas davon mit in die Kita gebracht habe – das fanden die Kinder natürlich super …

Basteln mit Kindern
Bastelprojekte für Groß und Klein gibt es auf dem DIY-Blog. (@wlkmdys)

Was gehört deiner Meinung nach in einen Kinderbastelkoffer?

Ein Koffer klingt zwar total schön, aber am coolsten ist ein Bereich oder im besten Fall ein Tisch, an dem man gut arbeiten kann. Das muss nicht zwingend ein Schreibtisch sein. Boxen mit Minischublädchen oder Ähnliches können helfen, etwas Ordnung zu halten. Dann braucht es noch ein wenig Material (sh. unten) und dann einfach die Kinder mal machen lassen.

Manche gucken vorher gern in ein Bastelbuch, lassen sich auf einem Bastelblog inspirieren. Natürlich brauchen sie für bestimmte Projekte auch die Unterstützung der Eltern. Aber es gibt Kinder, die lieben es, aus den vorhandenen Materialien einfach irgend etwas entstehen zu lassen, vielleicht eine Unterwasserwelt oder sie gestalten das eigene Zimmer in einem kleinen Kartonnach … Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Ihr verschickt aber auch ganze Bastelsets zum Nachbasteln, oder? Hat das während der Pandemie, wo jeder auf der Suche nach sinnvollen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder war, zugenommen …

Ja, bei uns ist die Nachfrage enorm hoch. Und dadurch, dass Basteln immer Saison hat – von Ostern über die Einschulung bis zu Halloween und Weihnachten –, gibt es permanent Möglichkeiten, kreativ zu sein. Natürlich ist auch das Thema Kindergeburtstag total groß. Dafür haben wir zum Beispiel lustige Autorennboxen, wo schon kleinere Kinder Pappautos bauen und dekorieren und dann damit Rennen fahren können.

Man ist als Eltern froh über jede Stunde, die die Kinder nicht an einem technischen Gerät sitzen. Geht euch das in eurer Familie auch so?

Ja, aber die Kinder bekommen natürlich auch über die digitalen Medien kreativen Input. Meine Tochter ist durch ihre großen Brüder schon ziemlich weit, was die Nutzung von TikTok und so weiter betrifft. Neulich haben sie eine Anleitung gefunden und Schleim gemacht.

Oder nehmen Sie meinen Sohn: Er hat jetzt angefangen, kleine Videos selbst zu drehen und zu schneiden, nur für sich, weil er es lustig findet und wissen will, wie das geht. Eine gute Mischung ist wichtig, also dass sie mal aus der Hand legen, raus gehen, sich bewegen oder etwas anderes machen. Aber wir sprechen hier von einer anderen Generation Kinder, darum finde ich es wichtig, dass sie in der Schule verstärkt lernen, was Medienkompetenz ist, was real ist und was fake usw.

Basteln
Geduld und Vorstellungskraft können Kinder durchs Basteln lernen. @welkmndys

Veranstaltest du eigentlich auch richtige Bastelworkshops für Kinder?

Im Moment arbeiten wir eigentlich nur über unseren Blog und zeigen da unsere Bastelprojekte, natürlich begleitend bei Instagram und Pinterest. Wir fangen dort auch verstärkt an, Projekte so zu zeigen, wie Kinder sie umsetzen, denn wir hatten einige Hinweise bekommen, dass es beim Nachmachen nicht so perfekt wird wie in unserer Anleitung.
Dabei sage ich immer: Die geschnittene Kante von einem Kind ist doch viel kreativer als die, die wir vorgeben. Es muss nicht alles perfekt sein. Es gibt viel einem Projekt viel mehr Leben, wenn der Sticker ein bisschen schief sitzt oder eben die Schnittkante nicht ganz gerade ist. Dann gibt es auf dem Blog natürlich auch Projekte, die von den Eltern gebastelt werden können, zum Beispiel die Schultüte. Unsere Raketenschultüte war und ist ein Bestseller. Aber auch da sehe ich den Perfektionswillen der Eltern, dass das super aussehen muss, dabei muss es das ja gar nicht. Ein bisschen Unperfektheit macht jede Bastelei doch viel lebendiger, oder?

Andrea Potocki’s Tipps für die richtige Bastel-Grundausstattung:

  • Weißes Malpapier
  • Gute Buntstifte, die nicht ständig abbrechen
  • Anspitzer
  • Buntes Bastelpapier, es gibt z. B. tolle Blöcke mit allen Regenbogenfarben
  • Besonderes Papier z. B. mit Glitter oder Glanzeffekt
  • Sticker zum Dekorieren oder auch Wackelaugensticker
  • Stempel (Damit die Kinder den Stempel nicht immer zu doll ins Kissen drücken gibt es den Merkspruch “Der Stempel küsst das Kissen”)
  • Gute Kinderbastelschere
  • Kleine Pompons, am besten selbst gemacht mit einem Pomponmaker
  • Maskingtapes auf einem praktischen Abroller
  • Buntes Krepppapier und/oder Seidenpapier

Zur Person
Die gelernte Modedesignerin Andrea Potocki startete 2014 mit ihrem DIY-Blog „We like Mondays“. Den Titel „DIY-Queen Deutschlands“ hat sie sich redlich verdient, auch als Autorin einiger Bastelbücher. Mit ihrer Familie lebt sie in ihrer Heimatstadt Berlin. wlkmndys.com

 

Bilder: @welikemondays