Suedtirol mit Kindern

Familienurlaub in Südtirol – Ferien mit Kindern in den Dolomiten

Familie

Majestätische Berge und viele Möglichkeiten mit Kindern etwas zu erleben. Ferien in Südtirol in den Dolomiten sind ein Abenteuer, bei dem alle in der Familie auf ihre Kosten kommen. Spannende Naturerlebnisse, kinderfreundliche Wanderungen und Spaziergänge mit Alpakas … Unsere Autorin Astrid Därr war in den Dolomiten und hat für uns familienfreundliche Unterkünfte, kindertaugliche Wanderwege und viele Freizeittipps recherchiert.

Von Astrid Därr

Nelion ist verliebt. Der Sechsjährige strahlt bis über beide Ohren, und plötzlich gibt es beim Bergauflaufen auch kein Gejammer mehr. An einem Strick führt er Macchiato, der gutmütig neben ihm her trottet. Das flauschige, braun-weiß gescheckte Tier trägt ein Halfter, ist aber viel kleiner und zierlicher als ein Pferd. Ab und zu zupft es an ein paar Grashalmen am Wegesrand.

Das „Kaffeekamel“, wie Nelion es liebevoll nennt, ist eigentlich ein Alpaka. Auf dieser Erlebniswanderung dürfen die Kinder abwechselnd eines der fünf Andentiere führen. Lieblingsalpaka der meisten Kinder ist die weiße Elsa mit den strahlend blauen Augen. Die Tiere sind alle im Family Resort Rainer in Sexten zur Welt gekommen. Einmal in der Woche können Hotelgäste eine kleine Wandertour mit ihnen unternehmen.

Dolomiten mit Kind
Alpakawanderung – Kinder sind begeistert von dem ungewöhnlichen und sehr lieben Begleiter.

Schnitzeljagd und Alpaka-Wanderung – so machen Ferien Spaß

Nach einem kurzen Aufstieg versammeln wir uns auf einer Lichtung. Nun heißt es Mitdenken: Bei einer Schnitzeljagd sollen die Kinder etwas Essbares, etwas Eckiges, etwas Rundes, etwas Glitzerndes und ein paar weitere Dinge im Bergwald aufspüren. Nach der Suche zeigen die Kids stolz ihre gefundenen Schätze – und lernen nebenbei heimische Kräuter, Beeren und andere Pflanzen kennen. Nach der Schnitzeljagd geht es weiter zur nächsten Spieletappe im Wald. So wird es nicht langweilig. Und zum Schluss warten Südtiroler Spezialitäten in der Almwirtschaft Zin Fux auf uns, wo noch mehr Alpakas vor der Hütte grasen.

Familienurlaub Dolomiten
Überall gibt es die Möglichkeit, sich in der Natur auszutoben.

„Uns ist es wichtig, dass die Kinder bei uns etwas lernen und viel Zeit in der Natur verbringen“, sagt die Hotelchefin Verena Rainer, die die Alpakawanderung begleitet. „Deshalb sind die Kinder bei uns auch viel draußen und nicht nur in der Indoor-Spielewelt.“ Neben der Alpakatour gehören Heuspringen in der Scheune und Kletterkurse zum Wochenprogramm. Im Garten haben die Kleinen auf dem Abenteuerspielplatz mit Ritterburg, sowie im Streichelzoo mit Hühnern, Ziegen, Hasen und Meerschweinchen jede Menge Bewegungsfreiraum.

Leider zeigt sich Sexten für uns nicht von seiner sonnigen Seite, sondern eher von seiner feuchten. Wir bleiben an diesem Tag deshalb nicht mehr länger draußen. Den Nachmittag verbringen wir entspannt in der Sauna und im Schwimmbad.

Sexten in den Dolomiten – der ideale Ausgangsort für Familien

Die über 3000 Meter hohen Gipfel der Sextener Dolomiten bilden einen gewaltigen Abenteuerspielplatz für Alpinisten. Während sich Bergsteiger weiter oben auf Klettersteigen oder alpinen Wegen im Fels bewegen, eröffnen sich weiter unten auch für kleine Entdecker gut begehbare Pfade. Genau dieser Kontrast zwischen hochalpiner Kulisse und idyllischen Almwiesen macht den Ort in der Dolomitenregion Drei Zinnen zu einem großartigen Reiseziel für aktive Familien.

Das Dorf selbst ist ruhig und überschaubar, der Alltag folgt dem Rhythmus der Berge. Wiesen, Wälder und Wanderwege für unterschiedliche Ansprüche beginnen direkt vor der Haustür. Es gibt erlebnisreiche Rundwanderungen, Naturspielplätze und Themenwege, um die Gegend spielerisch zu erkunden. Die Bergbahnen verkürzen längere Anstiege und oben warten grandiose Panoramablicke auf die zackige Bergkulisse der „Bleichen Riesen“.

Dolomiten mit Kin

Kinderfreundliche Wanderwege und naturnahe Abenteuer

Mit der Rotwand-Bergbahn schweben wir am nächsten Tag hinauf zu den Rotwandwiesen in 1920 Metern Höhe. An der Bergstation angekommen, rennt Nelion jubelnd zum reichlich mit Sandspielzeug ausgestatteten Spielplatz und zur Kugelbahn direkt daneben. Immer wieder lässt er seine Holzkugel klimpernd durch ein Labyrinth mit Löchern, Schienen und Glocken sausen.

Eigentlich hatten wir uns für heute den Felsengeisterweg mit fantasievollen Stationen rund um Sagenfiguren und Berggeister vorgenommen. Aber Nelion will sich nicht von der Kugelbahn weg bewegen. Dafür lichten sich langsam die Wolken und geben den Blick auf das Almplateau der Rotwandwiesen mit den weiß überzuckerten Gipfeln von Rotwandspitze und Elferkogel (3092 m) frei. Schließlich schaffen wir es doch auf den Felsengeisterweg, der sogar mit Kinderwagen gut befahrbar ist.

Die Holzgeister sehen ganz schön gruselig aus.

„Die sind aber gruselig!“, kommentiert Nelion die aus großen Baumwurzeln geschnitzten Geistergesichter. An den Wegstationen mit Rastmöglichkeiten erfahren die Wanderer viel über die Geschichte und Traditionen in der Region. Mal darf Nelion zwischen klobigen, hölzernen Büchern stöbern, dann einen Unterschlupf für Schmuggler erkunden und in einer Naturwerkstatt Holzbauteile zu Figuren verbinden. Dazwischen führt der Weg durch einen mystischen, goldenen Lärchenwald voller Moose und Blaubeeren.

Nach eineinhalb Stunden mit vielen Stopps sind wir zurück an der Bergstation, wo wir in der kinderfreundlichen Rudi Hütte einkehren. Wer noch mehr Bewegung braucht, steigt von dort zur Talstation in Moos und ins Fischleintal ab, wandert weiter zum Kreuzbergpass oder – für Wagemutige – auf dem Klettersteig bis zur Rotwandspitze (2939 m).

Dolomiten mit Kind
Spielen im Regen – auch das hat seinen Reiz.

Ein Museum zum Anfassen – das Reinhold Messner Haus

Auch am dritten Tag haben wir kein Wetterglück. An der Bergstation am Helm auf rund 2050 Metern pfeift ein kühler Wind. Zum Glück sind es nur ein paar Schritte bis zum Reinhold Messner Haus in der alten Seilbahnstation. Nach der Stilllegung setzte man hier bewusst auf Upcycling statt Abriss: Seilzüge, Betonwände und technische Relikte blieben erhalten. Das Haus versteht sich als Raum für Dialog und Innehalten, in dem zeitgenössische Architektur auf bestehende Bausubstanz trifft.

Am Eingang bekommt Nelion einen „Reisepass“ mit einem nepalesischen Trekking-Permit als Ticket in die Hand gedrückt. Umgeben von tibetischen Masken, hinduistischen Götterfiguren, ausgedienter Expeditionsausrüstung und Kunstinstallationen erleben wir ein ungewöhnliches Bergerlebnis zwischen Kultur, Geschichte und Nachhaltigkeit. Hier dürfen Kinder alles anfassen und selbst erkunden – ganz im Sinne des Montessori-Prinzips des Begreifens.

In der Bibliothek lagert nicht nur Reinhold Messners umfangreiches Bildarchiv, wir können es uns auch auf der Couch gemütlich machen und in Bergliteratur schmökern. Besonders still wird es im rekonstruierten Hindu-Tempel mit Originalbauteilen aus Nepal, wo wir dem Plätschern eines Brunnens und dem klaren Ton einer Klangschale lauschen.

Nach der Besichtigung könnten wir über den Schmugglersteig auf den Helmgipfel aufsteigen, doch bei Dauerregen macht es uns keinen Spaß. Die Yaks und Kaninchen in Olperls Bergwelt – einem Miniatur-Almdorf mit Spiel- und Bewegungsstationen direkt an der Bergstation – lassen wir uns vor der Talabfahrt aber trotzdem nicht entgehen.

Suedtirol Landschaft

Wandertour mit Bergführer – der Wasserfall wartet

Endlich scheint die Sonne! An unseren letzten Tag erleben wir die Dolomiten nochmal von ihrer schönsten Seite. Mit Bergführer Daniel Rogger von der Alpinschule Drei Zinnen wandern wir zur Fanes-Schlucht. Während des 45-minütigen Aufstiegs vom Parkplatz hält Daniel den kleinen Nelion mit Tierratespielen und einer Prinzessinnen-Geschichte an der Ponte Alto bei Laune. Dann sind wir schon am Einstieg zum Klettersteig: Gurt an, Helm auf, kurzes Briefing und los geht´s!

Urlaub in Südtirol
Erst kommt die Sicherheit, dann wird losgeklettert.

Nelion hängt die Karabiner des Klettersteigsets ins Stahlseil und wir laufen auf einem schmalen Band über den spektakulären Steilwänden der Schlucht zu den Cascate di Fanes. „Jetzt wird’s kurz laut, kühl und feucht – einfach weitergehen“, sagt Daniel zu Nelion, bevor sie hinter dem Wasserfall verschwinden. Unter einem Überhang führt der Wanderweg einigermaßen trocken hinter den tosenden Wassermassen vorbei auf die andere Seite des Rio Fanes. Was für ein Erlebnis!

Nach einer kurzen Pause heißt es weiterklettern, inzwischen am kurzen Seil des Bergführers, eine Leiter über eine Felswand hinunter, bis zum Fuß der 90 Meter hohen Wasserfälle, die in mehreren Stufen in ein türkisblaues Becken fallen. Im Zickzack steigen wir wieder bergauf zu einem Aussichtspunkt. Von dort blicken wir auf das schmale Band an der Felswand, das uns als einfacher Klettersteig zu den Kaskaden geführt hat.

Sexten Dolomiten mit Kind
Eine abenteuerliche Tour – gut dass der erfahrene Bergführer mit dabei ist.

Mit italienischem Gelato als Belohnung für den kleinen Kletterer endet unser Bergurlaub in den Dolomiten. Die Drei Zinnen haben wir dieses Mal zwar nicht zu Gesicht bekommen, aber in zwei Jahren ist Nelion sicher fit genug, um den Aufstieg zum Rifugio Comici gemeinsam zu schaffen.

Arrivederci, Dolomiti!

Unsere Tipps für Ferien in den Dolomiten

Anreise

Der Ort Sexten liegt im Hochpustertal in Südtirol. Mit dem Auto geht es über die Brennerautobahn (A13/A22) bis Brixen, weiter über das Pustertal nach Innichen und von dort nach Sexten. Mit der Bahn fährt man bis Innichen, anschließend per Bus oder Taxi nach Sexten.

Beste Reisezeit

Von Frühjahr bis Herbst ist Südtirol für naturnahen Urlaub mit Kindern ideal. Mai bis Juni beginnt die Wandersaison und die Almrauschblüte ist gerade in niedrigen Lagen sehenswert. Juni bis Oktober ist ideal für Familien, denn alle Wanderwege sind jetzt schneefrei, es gibt jede Menge Freizeitmöglichkeiten von Kletterpark bis Sommer-Rodelbahn und die Temperaturen liegen meist bei angenehmen 20-25 Grad.

Übernachten in Sexten

Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten in Sexten, vom Hotel Garni, über Ferienwohnungen bis zu Ferien auf dem Bauernhof.

Unsere Autorin hat im Family Resort Rainer übernachtet. Das familiengeführte Hotel bietet viele naturnahen Aktivitäten für Kinder an im Sommer und im Winter.

Mehr Infos dazu speziell für die Region Sexten findet ihr hier.

Weitere Ausflugstipps in Südtirol und den Dolomiten

Messner Mountain Museum
Mit der Seilbahn geht es hinauf zum Kronplatz. Der ist tatsächlich im Sommer wenig spektakulär – abgesehen von der Aussicht. Aber das Mountain Museum von Messner sollte man gesehen haben. Es ist ins Plateau gebaut und trägt unverkennbar die Handschrift der Architektin Zaha Hadid.

Operls Bergwelt
Olperls Bergwelt wird den Kids gefallen, denn auf dem Rundwanderweg gibt es viele Spielstationen und jede Menge zu entdecken.

Kletterhalle Sexten
Bei schlechtem Wetter könnt ihr euch hier austoben. Das ist auch für Teenager interessant, denn der Schwierigkeitsgrad der Kletterrunden geht von 3 bis 8b+. Das Equipment könnt ihr euch vor Ort ausleihen.

Dolomiten Suedtirol
Brixen ist ein schönes Ausflugsziel.

Brixen
Die kleine Stadt ist einen Besuch wert. Sie liegt ca. eine Stunde von Sexten entfernt. Es gibt einen gemütlichen Domplatz, auf dem Mittwoch und Samstag der Bauernmarkt stattfindet. Ein Eis bei Pradetto (Unter den Lauben) darf man keinesfalls verpassen. Feinschmecker finden alles was ihr Herz begehrt im Pur. Und wenn ihr euch kurz erfrischen wollt, dann ist das Acquarena genau das Richtige: In dem Schwimmbad gibt es nicht nur verschiedene Becken, sondern auch eine Saunawelt, ein Solebad und eine großzügige, gepflegte Liegewiese. Bei Kindern ist die Spaßrutsche der absolute Hit.

Pragser Wildsee
Auch den sollte man gesehen haben – er ist eine Berühmtheit und durch Instagram eine der beliebtesten Hintergrundkulissen von Südtirol. Das wird ihm natürlich nicht gerecht, denn der See ist wunderschön und eigentlich ein Naturdenkmal. Das Wasser ist unwirklich blau und die Lage idyllisch. Allerdings ist es dort inzwischen oft so überfüllt, dass er in der Hauptsaison (von 1. Juli bis zum 15. September) nur noch zu Fuß, mit dem Rad oder über einen Bus-Shuttle erreichbar ist. Dieser fährt alle 30 Minuten. Den Parkplatz fürs eigene Auto sollte man vorab buchen um sicher zu gehen, dass man auch einen bekommt. Infos dazu gibt es hier.



Bildquelle: Astrid Därr, Getty, unsplash