Wenn ein zweites Kind geboren wird, verändert sich die Familie und damit auch die Dynamik zwischen den Geschwistern. Rivalität, Eifersucht und Streit gehören in vielen Familien zum Alltag. Doch Geschwisterkonflikte sind nicht automatisch ein Problem. Entwicklungspsychologin Dr. Martina Stotz erklärt im Interview, wie man Streit zwischen Geschwistern liebevoll begleiten kann, welche Rolle die Eltern bei Konflikten spielen und wie sich die Bindung der Geschwister von Anfang an stärken lässt.
Liebe Frau Dr. Stotz, Sie haben gerade ein Buch über Geschwister veröffentlicht. Ist es wirklich so, dass es zwischen Geschwistern öfter einmal Stress und viele Konflikte gibt?
Dr. Martina Stotz: Ja, wenn man Geschwistereltern befragt gibt es eigentlich alle zehn Minuten Streitigkeiten. Es geht darum wer ist schneller, wer ist besser – Rivalität gehört zum Alltag. Man kann allerdings als Eltern vorbeugen. Es gibt dazu ganz viele Strategien damit die Geschwisterbeziehung trotz dieser Rivalitäten nicht leidet.
Es heißt ja immer, es würde eine große Rolle spielen, welche Position ein Kind in der Familie hat, also ob es Erstgeborene oder Erstgeborener, Mittelkind oder jüngstes Kind ist. Prägt das wirklich so stark?
Das sind Ergebnisse, die aus früheren Studien stammen. Da ging man noch davon aus, dass der Geburtsrang eine ganz entscheidende Rolle spielt. Inzwischen weiß man, dass das Erziehungsverhalten der Eltern und wie das Erziehungsklima zuhause ist – also wie es den Eltern geht, während sie die einzelnen Kinder begleiten – viel entscheidender sind. Ich bringe ein Beispiel: Wenn man Anfang zwanzig ungewollt ein Erstgeborenes bekommt, noch total unerfahren ist, hat das natürlich eine Auswirkung. Wenn eine reife Mutter mit 40 Jahren ein Kind bekommt und es sich um ein absolutes Wunschkind handelt, dann wir dieses Kind ganz anders aufwachsen. Das meine ich damit. An welchem Punkt stehen die Eltern, während sie ein bestimmtes Kind der Geschwisterreihe begleiten.

Also haben die Eltern es in der Hand, ob es zu Problemen zwischen Geschwistern kommt oder nicht?
Wenn Sie sagen „sie haben es in der Hand“, entsteht ein ganz großer Druck. Ich würde eher sagen, es ist ein ganz großer Einflussfaktor – mit der größte, und auch die Bindung, die die Eltern zu jedem einzelnen Kind aufbauen, ist wichtig. Wenn sich die Kinder sicher gebunden an die Eltern fühlen, auch wenn es mehrere Kinder sind, ist es eine super Prävention dagegen, dass ein Kind sich benachteiligt fühlt.
Vielleicht können Sie uns das mit konkreten Beispielen veranschaulichen. Wie bereite ich mein größeres Kind zum Beispiel darauf vor, dass ein weiteres Geschwisterkind, ein Baby, in die Familie kommt?
Wichtig ist dem Kind ganz realistisch zu vermitteln, was es erwartet. Also nicht zu sagen: Oh, das wird toll, dann bist du großer Bruder, große Schwester! Besser ist es klar zu machen, da kommt ein Baby, das wird nachts weinen, das braucht eine Windel und am besten schaut man sich auch noch einmal die Babybilder des großen Kindes gemeinsam an und erklärt, dass man auch ihm die Flasche gegeben hat, es gewickelt hat … Also möglichst ein realistisches Bild vermitteln und die Kinder gerne auch mit einbeziehen in die Vorbereitung auf das Baby. Man sollte dem Kind Gelegenheit geben, sich langsam an das Thema anzunähern. Oft wird ein unrealistisches Bild aufgebaut und die Kinder sind dann enttäuscht, weil es gar nicht so toll ist, wie alle gesagt haben.
Ja, und man kann mit einem Baby als Geschwisterkind erst einmal nichts anfangen…
Ja, genau. Da ist aber interessant, dass ältere Kinder dieses Fürsorgebedürfnis viel mehr haben als jüngere Kinder, die selber noch viel Fürsorge brauchen. Das heißt, wenn die ältere Schwester oder der Bruder so sechs oder sieben Jahre alt ist, gibt es oft wenig Rivalität untereinander. Bei einem Zwei- oder Dreijährigen ist das Baby dagegen die direkte Konkurrenz, weil die Mama oder der Papa mich dann plötzlich weniger tragen kann und ich als Kind zurückstecken muss, obwohl ich ebenfalls noch viel Fürsorge brauche. Das ist natürlich sehr schwer. Da spricht man dann auch von der nachgeburtlichen Geschwisterkrise. Die darf dann liebevoll begleitet werden – doch das ist für Eltern oft eine Herausforderung.
Vor allem weil die Eltern in der Phase mit einem Kleinkind und einem Säugling gestresst sind. Was raten Sie? Soll man dann bewusst mit dem größeren Kind etwas allein unternehmen oder welche Strategie ist hier die beste?
Am wichtigsten ist der empathische Umgang, dass man keine Erwartungen an das ältere Kind hat und ihm sagt „Ich weiß, du würdest so gerne allein mit mir spielen, du vermisst die Zeit, als wir noch ganz viel Zeit hatten … “. Also das Kind sehen, es ernst nehmen und seine Situation anerkennen, das ist eigentlich das Allerwichtigste. Mit welcher Haltung begegne ich dem Kind. Klar kann man durch kleine Exklusivzeiten, sofern das überhaupt möglich ist, ein wenig gegensteuern. Aber das muss auch realistisch sein, denn viele Eltern machen sich heutzutage einen unglaublichen Druck, dass sie stundenlang Exklusivzeit mit ihrem Kind verbringen obwohl sie die Zeit ja gar nicht haben. Es bringt nichts, wenn die Eltern danach noch gestresster sind. Es sind eher die kleinen Momente der Aufmerksamkeit: Sich die Zeit nehmen ein Bild anzuschauen oder ganz bewusst kleine Kuschelzeiten einräumen, so etwas empfehle ich dann.
Stimmt der Mythos, dass es mit mehr Kindern in der Familie eher weniger stressig wird, oder ist das Gegenteil der Fall?
Früher wurde das so gesagt, dass es mit mehreren Kindern einfacher wird. Aber die Frage ist: Welche Unterstützung haben die Eltern? Natürlich sind Eltern mit mehr Kindern gestresster, sie rasten vielleicht öfter aus, sind öfter mal unfair und erklären ihr Verhalten nicht richtig, weil sie einfach keine Kapazitäten haben. Es ist sehr wichtig, dass man Kindern wenn sie etwas älter sind, erklärt, warum man bestimmte Entscheidungen trifft. Die Nachvollziehbarkeit des elterlichen Erziehungsverhaltens ist sehr entscheidend.
Ist es nicht so, dass man Kindern oft viel mehr zumuten kann als manche Eltern glauben oder sich trauen. Würden Sie das aus fachlicher Sicht bestätigen?
Tatsächlich ist es so, dass man mit Kindern recht offen reden kann. Man kann also durchaus sagen: “So jetzt reicht es mir, ich kann nicht mehr! Ich habe den ganzen Tag versucht es jedem recht zu machen und jetzt kann ich einfach nicht mehr! ” Die eigenen Grenzen klar benennen, da bin ich ein großer Fan von. Damit können Kinder sehr gut umgehen.
Eine Frage, die viele Eltern beschäftigt: Gibt es überhaupt den richtigen Zeitpunkt, also den richtigen Altersabstand, für ein zweites oder drittes Kind?
Tatsächlich gibt es bei einem geringen Altersabstand der Geschwisterkinder den Vorteil, dass die Kinder viel miteinander spielen, viel in Interaktion sind und dass sie viel voneinander haben. Sie können sich gegenseitig Sachen beibringen, Vorbild sein und oft ist es eine sehr innige Beziehung. Es kann allerdings auch sein, dass die Rivalität viel größer ist. Je weiter oder größer der Altersabstand ist, desto weniger Rivalität gibt es in der Regel. Viele Forscher raten darum zu warten, bis das ältere Kind die Perspektive des Gegenübers wahrnehmen kann. Dies ist ungefähr im Alter von vier Jahren der Fall. Man kann auch sagen, mit drei bis vier Jahren Altersabstand ist vielleicht das erste Kind nicht mehr so schutzbedürftig, nicht mehr ganz so fürsorgebedürftig, es braucht keine Windel mehr, es muss nicht mehr gestillt werden … Es kann für die Eltern entlastend sein, wenn es einen größeren Altersabstand zwischen den Geschwistern gibt. Es kann also durchaus von Vorteil sein für Eltern so lange zu warten, bis man wieder Kapazitäten hat sich auf ein neues Kind einzulassen.

Spielt es auch eine Rolle, ob die Geschwisterkinder das gleiche Geschlecht haben wie gut es funktioniert in ihrer Beziehung?
Forschungen zeigen, dass es mehr Rivalität gibt bei Jungs, also mehr Kämpfe oder Gerangel als unter Mädchen. Allerdings kann das auch an der genderkonformen Erziehung liegen, also dass Mädchen schon früh beigebracht bekommen, dass sie nicht kämpfen sollen. Da weiß man also nicht genau, wo dieses Verhalten herkommt. Es wird aber auch gesagt, dass Mädchen innigere Geschwisterbeziehungen haben als Jungs. Allerdings stelle ich fest, bei allen Eltern die ich begleitet habe, dass der Faktor Geschlecht immer weniger wichtig wird, weil die Kinder zunehmend genderneutral erzogen werden.
Gibt es denn Phasen in denen Konflikte besonders hochkochen zwischen Geschwistern?
Ja durchaus. Sobald das Erstgeborene sieht, dass das Baby plötzlich Raum einnimmt sind wir in so einer Phase. Am Anfang schläft das Baby viel und ist wenig bedrohlich, doch irgendwann fängt es an den Turm kaputt zu machen, will überall dabei sein und nervt einfach… Das sind dann die Momente, wo Eltern viel Verständnis für das Erstgeborene brauchen und ihm auch Rückzugsräume anbieten sollten. Denn die Erstgeborenen werden vermehrt dazu aufgefordert, dass sie mit dem Baby spielen sollen. Das funktioniert oft nicht. Die Erstgeborenen brauchen ihren Raum und man muss ihnen auch erlauben, dass sie etwas ohne Baby spielen können und nicht immer das Kleine einbeziehen müssen.
Was ist wenn die Kinder älter werden und pubertieren. Wie äußert sich dann Geschwisterrivalität? Oder ist es so, dass bis dahin jeder seinen Platz in der Familie gefunden hat und alles fein ist?
Wenn die Eltern bis dahin gut begleitet haben, ist die Pubertät sogar die Zeit, in der die Kinder sich wieder ganz gut verstehen. Wenn sie 16 oder 17 Jahre alt sind, dann finden sie es vielleicht sogar ganz cool mit dem älteren Bruder oder der Schwester aus zu gehen. Die Voraussetzung ist, dass es schon davor relativ liebevoll abgelaufen ist. Ansonsten kann die Pubertät auch eine Phase sein, in der die Kinder sich noch einmal so richtig entzweien und nichts miteinander zu tun haben wollen weil sie sich abgrenzen und ihre Identität entwickeln.

Gibt es denn Tipps, die Sie allen Eltern empfehlen können oder ist Geschwisterrivalität etwas, wo nur individuelle Rezepte greifen?
Es gibt ein paar Grundregeln, die eine gewisse Allgemeingültigkeit haben. Bei Streit sollte man zum Beispiel keine Partei ergreifen. Man sollte kein Schiedsrichter sein, sondern eher ein Bedürfnisdetektiv. Es ist auch ratsam darauf zu verzichten, die Kinder zu vergleichen. Das ist oft etwas, das man automatisch macht, dass man sagt dieses Kind ist das schlaue, dafür ist das andere sportlich. Dadurch wird oft eine ungute Rivalität geschürt, dass das eine Kind dann denkt „Ich kann ja gar nicht mehr gut in Mathe sein, weil mein Bruder ja schon gut in Mathe ist“.
Man sollte sich auch die Frage stellen, was Geschwisterstreit in einem selbst auslöst. Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist sehr wichtig. Oft passiert es, dass die Kinder benachteiligt werden, weil die Eltern nicht bei sich hinschauen. Vielleicht löst mein Sohn, der ein schwieriges Verhalten zeigt auch etwas in mir aus, wo ich selber ein Thema habe. Ich mache mit Eltern ganz viel „Innere-Kind-Arbeit“ damit sie beim Kern anfangen, bei sich selbst, denn die Selbstregulation zu stärken ist eigentlich das A und O. Statt als weiteres Kind mitzustreiten, ist es wichtig in der Erwachsenenrolle zu bleiben und möglichst ruhig und entspannt zu reagieren wenn die Kinder streiten. Das kann man gut üben.
Sie meinen damit, dass in der Situation Verhaltensweisen bei einem wieder hochkommen, die man selbst als Geschwisterkind erlebt hat und dass man dadurch in eine gewisse Rolle fällt?
Ja genau, man spricht dann von Überidentifikation. Ich gebe ein fiktives Beispiel: Ich bin Mutter und hatte einen älteren Bruder, der mich öfter geschlagen hat. Jetzt habe ich einen einen Sohn und eine jüngere Tochter. Natürlich werde ich mich in einem Konflikt eher auf die Seite der jüngeren Schwester begeben, weil ich ja weiß, wie diese Rolle war.
In meinem Bekanntenkreis stelle ich fest, dass Eltern die mit vielen Geschwistern groß geworden sind oft Familien gründen mit ebenfalls vielen Kindern. Ist das tatsächlich so belegt oder nur ein Zufall?
Das ist wirklich so. Es liegt am sogenannten Wiederholungszwang. Das ist wirklich spannend. Wir Menschen empfinden Dinge als sicher und geborgen, die wir aus der eigenen Kindheit kennen. Und Menschen, die das Prinzip Großfamilie so kennen, haben dann oft auch das Bedürfnis selber eine große Familie zu gründen.
Wann kommen denn Familien am häufigsten zu Ihnen in die Beratung? Wann merkt man, dass man selber nicht mehr zurecht kommt und sucht sich aktiv Hilfe?
Meist dann, wenn das ältere Kind noch ein Kleinkind ist und anfängt das Baby zu schlagen, gewalttätig wird und bei den Eltern dadurch ein großer Schmerz da ist und sie nicht mehr weiter wissen. Oder die Eltern kommen, wenn die Kinder im Alter zwischen fünf und 12 Jahren sind und sich hassen und schlagen und es Feindseligkeiten gibt und eigentlich offensichtlich ist, dass diese Kinder noch einmal andere Erziehungskompetenzen brauchen.
Es kann aber doch nicht sein, dass die Erziehungskompetenz der Eltern abgenommen hätte in den letzten Jahrzehnten. Die Eltern heute sind doch viel empathischer als es viele zum Beispiel in den Sechziger Jahren waren.
Ja, ich glaube früher hat man einfach weggeschaut und es ausgehalten. Oder man hat selbst mit Gewalt reagiert. Und heute möchten die Eltern es liebevoller lösen und das ist großartig, weil sie sich dadurch die Skills holen und der Geschwisterstreit viel entspannter wird. Das war auch ein Ziel des Buchs, dass man durch die Fähigkeiten, die ich vermittle der ein oder anderen Streitigkeit vorbeugen kann.
Es gibt in Familien auch herausfordernde Situationen, in denen es oft zu Streit kommt. Zum Beispiel wenn man in Urlaub fährt, egal ob die Anreise im Auto oder im Flugzeug erfolgt, kann man beobachten, dass es öfter mal zu Auseinandersetzung zwischen Geschwistern kommt. Was raten Sie in solchen Situationen?
Den Eltern kann ich nur raten, sich gut vorzubereiten. Je besser die Eltern vorbereitet sind und je weniger gestresst sie sind, desto weniger kommt es zu Auseinandersetzungen. Denn die Geschwister tragen auch oft den Stress der Eltern in Form eines Geschwisterstreits aus. Wenn die Eltern gut vorbereitet sind, entspannt sind, vielleicht auch noch Spiele dabei haben, dann funktioniert es besser. Und manchmal streiten sich die Kinder auch aus Langeweile, weil sie einfach nach irgend einer Beschäftigung suchen.
Wenn ein Kind in die Schule kommt, ist das auch für die ganze Familie eine Herausforderung, denn automatisch richtet sich die Aufmerksamkeit der Eltern auf den Schulanfänger. Was kann man tun, damit es hier nicht zu einer Disbalance kommt?
Wenn ein Kind eine Zeitlang mehr Aufmerksamkeit bekommt, resultiert daraus öfter einmal Streit. Und es ist auch so, dass die Kinder, die in die Kita oder Schule kommen Themen mit nach Hause bringen, die sie dann als Streit an den Geschwisterchen auslassen, denn das ist das ungefährlichste Ziel. Da kann man alles rauslassen und muss keine Angst haben, dass das Geschwisterchen danach nicht mehr da ist. Das ist leider auch ein Thema, dass die Geschwister einfach vieles abkriegen.

Wie kann man das als Eltern abfedern?
Also erst einmal ist wichtig, dass man dem Kind, das in Not ist durch die Einschulung oder durch den Übergang auf die weiterführende Schule, Strategien anbietet wie man diesen Stress abbauen kann. Das heißt, das Kind kommt von der Schule heim und bekommt erst einmal eine aufbauende Umarmung, vielleicht eine kleine Massage, denn oft führt die körperliche Entspannung dazu, dass es den Stress nicht in Form von Schlagen rauslässt.
Wow, das klingt so, als ob das noch wirklich oft passiert, dass es Handgreiflichkeiten zwischen Geschwisterkindern gibt…
Ja, das ist der Alltag. Es gibt viele Geschwisterkinder die sich schlagen. Ich gebe dazu auch Tipps in meinem Buch, denn es ist wichtig, dass Eltern da sehr konsequent dazwischen gehen und klare Grenzen setzen und das trauen sich viele heute oft nicht mehr. In der Situation braucht es aber Eltern, die ganz klar sagen: “Es reicht jetzt!” Eltern, die ganz klar Position beziehen und sagen: “Gewalt ist in unserer Familie keine Lösung” und die eine große Klarheit reinbringen.
Ein Thema noch, das auch immer häufiger vorkommt: Zwillinge. Wie geht man damit um in der Familie wenn zu den Geschwistern noch ein Zwillingspärchen kommt?
Da ist es tatsächlich wichtig, noch eine weitere Bezugsperson einzubinden. Die Aufmerksamkeit der Eltern ist dann so gebunden, dass es passieren kann, dass das dritte Kind an fehlender Aufmerksamkeit leidet. Da empfehle ich eine Patentante, die Oma oder eine gute Freundin mit einzubeziehen als Betreuung, damit man immer wieder die Möglichkeit hat mit dem Kind, das nicht zur Zwillingsbeziehung gehört, Zeit zu verbringen.
Wie können die Großeltern generell helfen, wenn es Stress in der Familie gibt oder Streit zwischen den Geschwistern?
Also gute Ratschläge würde ich hier ausschließen, denn die führen nur zu noch mehr Stress bei den Eltern. Die Großeltern können helfen, indem sie zum Beispiel ein Kind aus der Situation nehmen oder das Ganze mit Humor moderieren. Auch wenn sie Kinderbetreuung anbieten, kann das eine große Hilfe sein. Ansonsten sollte ich mich als Oma oder Opa raushalten und eher gucken, was kann ich tun, damit der Stress innerhalb der Familie weniger wird. Das ist aber oft schwer für die Großeltern.
Ja, für die Großeltern ist es schwer zu verstehen, dass sie nur Vorschlagsrecht haben bei den Enkeln aber kein Bestimmungsrecht.
Genau, aber auch das Vorschlagsrecht hat enge Grenzen, denn wenn die eigenen Kinder nicht um Rat fragen, dann sollte man auch keine Ratschläge geben. Ungefragte Ratschläge sind alles andere als hilfreich.
Zur Person:

Dr. Martina Stotz ist ausgebildete Grundschullehrerin und examinierte Beratungslehrerin. Sie hat eine Promotion im Bereich der Familienpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität mit dem Forschungsschwerpunkt Geschwister, Partnerschaft, Familiensysteme, Bindungstheorie, Gerechtigkeitserleben von Kindern absolviert. Seit 2016 arbeitet sie als Erziehungs- und Elternberaterin mit Schwerpunkt auf Geschwisterkinder. Ihr Buch “Geschwisterkinder” ist im Gräfe und Unzer Verlag erschienen.
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