In Norwegen ist Naschen ein Ritual. Ähnlich wie in Schweden gibt es dort den Brauch des “Lørdagsgodt”, den sogenannten „Süßigkeiten-Samstag“. Kinder (übrigens halten sich auch viele Erwachsene daran!) dürfen sich traditionell einmal pro Woche an einer bunten Mischung aus Schokolade, Lakritz und Knabbereien bedienen. Die Süßigkeiten kommen meist aus einer riesigen Smågodt-Abteilung im Supermarkt. Klingt für uns etwas streng und ungewohnt, hat aber einen geschichtlichen Hintergrund.
Woher kommt die Tradition des „Süßigkeiten-Samstags”?
Die Tradition des „Lørdagsgodt“, der „Samstagssüßigkeiten“, ist historisch mit dem sozialen und wirtschaftlichen Wandel der 1950er–1970er Jahre verknüpft.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Norwegen kein wohlhabendes Land. Die Bevölkerung lebte hauptsächlich von der Landwirtschaft und der Fischerei. Niedrige Löhne waren eher die Regel als die Ausnahme. Zuckerwaren waren teuer und darum etwas ganz Besonderes, das sich Familien nur an bestimmten Festtagen leisten konnten.
Mit steigendem Wohlstand, der nach den Öl- und Gasfunden in Norwegen etwa in den 1970er Jahren ins Land kam, wurden Süßigkeiten allmählich erschwinglicher – auch für die breite Masse. Aber viele Familien behielten die Tradition bei und nutzten Süßes eher als seltene Belohnung. So entstand die landestypische Gewohnheit, dass Süßigkeiten nicht täglich gegessen werden, sondern als gezielter Genuss am Wochenende, meist am Samstag.

Warum gab es in Norwegen nur am Samstag Süßigkeiten?
Da die Kinder von Montag bis Freitag in der Schule waren, bot sich der freie Samstag an um ihnen kleine Freuden zu erlauben. Die Praxis des “Süßigkeitensamstags” wurde auch aus gesundheitlichen Gründen populär: Zwei norwegische Zahnärztegruppen befürworteten schon früh, den Zuckerkonsum auf nur einen bestimmten Tag zu konzentrieren, um Karies und Zahnschäden zu reduzieren.
So verbanden sich pädagogische, gesundheitliche und traditionelle Elemente – und der Samstag wurde zum Synonym für „Godt“, was so viel wie „Leckereien“ bedeutet. Gleichzeitig wurden die „Smågodt“-Abteilungen oder -Regale in den Supermärkten beliebt. Dort gab es lose Süßigkeiten, die in eine Tüte gefüllt und dann nach Gewicht abgerechnet wurden. Die Zuckertüten wurden Kult und natürlich wurde unter Freunden verglichen, was man so für die eigene Tüte ausgewählt hatte.

Diese norwegischen Süßigkeiten solltet ihr probieren
Wenn ihr in Norwegen Urlaub macht, dann solltet ihr auch ein paar der kultigen Süßigkeiten testen. Ihr werden schnell merken: Hier dominiert ein anderes Geschmacksempfinden als bei unseren typisch deutschen Süßigkeiten. Die Norweger lieben die Kombination aus süß und salzig, haben ein Faible für einen Aufstrich, der bei uns niemals als Nascherei durchgehen würde und sie haben – ähnlich wie die Dänen und die Schweden – einen Heißhunger auf Lakritz.
Hier sind ein paar der bekanntesten Süßigkeiten aus Norwegen:
Kvikk Lunsj – Norwegens Antwort auf KitKat
Was in Deutschland der Müsliriegel für unterwegs ist, ist in Norwegen ganz klar: Kvikk Lunsj. Der Waffel-Schokoriegel sieht zwar aus wie ein KitKat, gilt aber als nationales Kulturgut. Keine Wanderung, Skitour und kein Schulausflug, wo er nicht eingepackt wird. Dem wird auch die Werbung gerecht, wo er nach wie vor mit dem Slogan „Turmat“ (Wanderessen) angepriesen wird. Viele Norweger:innen schwören, dass Kvikk Lunsj besser schmeckt als KitKat. Für Familien mit Outdoor-Affinität ist die Süßigkeit bei Ausflügen im Norwegenurlaub also fast ein Pflichtkauf.

Smørbukk – Karamell mit Kindheitserinnerung
Smørbukk ist ein weiches Karamellbonbon mit feinem Buttergeschmack, das stark an deutsche Sahnebonbons erinnert. Allerdings ist die Konsistenz dieser norwegischen Bonbons noch viel cremiger. Für viele norwegische Eltern steckt in diesen Bonbons ein Stück Kindheit, das sie gern an ihre eigenen Kinder weitergeben. Ein Smørbukk passt in jede Jackentasche und wird bei langen Wanderungen oder Autofahrten gerne mal als kleine Belohnung oder schneller Trostspender ausgeteilt.
Smash! – Schokolade trifft auf Salz und Mais
Smash ist vielleicht die ikonischste norwegische Süßigkeit. Hier treffen salzige, knusprige Maisdreiecke auf eine üppige Schokoladenhülle – eine Kombination, die für deutsche Gaumen anfangs wirklich ungewohnt ist. Bei norwegischen Kindern ist der Snack allerdings der Hit. Die Mischung aus knusprig, süß und salzig ist etwas ganz Besonderes, wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat.

Lakrissnören – salzig, zäh und typisch skandinavisch
Lakrissnören sind dünne, elastische Lakritzschnüre, die in Norwegen in keiner Smågodt-Tüte fehlen dürfen. Während deutsche Kinder oft süßes, zuckerbestäubtes Fruchtlakritz bevorzugen, ist in Norwegen die salzige Variante besonders beliebt. Die zähe Konsistenz sorgt für extra langen Kauspaß – und ist für viele norwegische Kinder ein echtes Nostalgie-Erlebnis. Für uns ist es ein spannender Geschmackstest der durchaus Überraschungspotenzial hat. Also unbedingt ausprobieren, wenn ihr könnt!
Nugatti – Norwegens Antwort auf Nutella
Wer glaubt, in Norwegen würde morgens nur Knäckebrot mit Lachsaufstrich gegessen, kennt Nugatti nicht. Die süße Schoko-Haselnuss-Creme ist das skandinavische Pendant zu Nutella – allerdings gibt es sie mit speziellem Twist: mit Crispy-Stückchen, ohne Zuckerzusatz und sogar mit Karamellgeschmack. Natürlich lieben norwegische Kinder Nugatti! Für Eltern ist die Haselnusscreme eine süße Versuchung, die beruhigenderweise sogar etwas weniger Zucker enthält als die gängigen deutschen Varianten.

Stratos – Luftige Schokolade mit Kultfaktor
Stratos kommt einem beim Testen schon bekannter vor. Es ist eine Schokoladentafel mit luftig aufgeschäumtem Kern – ähnlich wie die britische „Aero“, aber mit norwegischem Twist. Die Textur zergeht auf der Zunge, was sie besonders bei Kindern zu einer sehr beliebten Süßigkeit macht. Stratos ist leicht, süß und ein echter Klassiker für den Lørdagsgodt-Moment. Besonders schön ist auch das blau-rote Retro-Design der Verpackung mit der lustigen Kuh darauf.
Kalles Kaviar – der salzige Aufstrich für Mutige
Weniger süß, aber nicht minder ikonisch ist Kalles Kaviar. Hinter dem lustigen Namen verbirgt sich eine cremige Paste aus geräuchertem Kabeljaurogen, die in Tuben verkauft wird. Für deutsche Kinder geht das wohl eher als ein herzhaftes kulinarisches Abenteuer zur Brotzeit durch, als dass sie es als süße Leckerei akzeptieren würden. In Norwegen ist Kalles Kaviar aber ein beliebter Brotbelag, der auch für die Pausenbox gerne verwendet wird. Der blondgelockte Junge auf der Verpackung ist ähnlich bekannt, wie es bei uns in Deutschland der Junge auf der Kinderschokolade ist.

Leverpostei – Leberwurst mal anders
Auch Leverpostei gehört zur Snackkultur norwegischer Familien. Der Name lässt es schon vermuten: Dahinter verbirgt sich eine streichfähige Leberpastete, die es in kleinen Alu-Schälchen zu kaufen gibt. Was in Deutschland mit deftiger Hausmannskost assoziiert wird, ist in Norwegen Teil des Kinderfrühstücks oder Pausenbrots. Ob’s schmeckt? Das bleibt jedem selbst überlassen. In Kombination mit sauer eingelegten Gurkenscheiben ist die tatsächlich süßlich schmeckende Leverpostei in Norwegen ein echter Pausen-Klassiker.

Diplom-Is Fruitero – Norwegisches Eis mit Fruchtpower
Ein echter Sommerliebling unter norwegischen Kindern (und Eltern) ist das „Fruitero“-Eis von Diplom-Is, die wohl die bekannteste Eismarke Norwegens ist. Fruitero ist ein fruchtiges Wassereis, das ohne künstliche Zusätze auskommt und in den farbenfrohen Varianten Mango, Erdbeere oder Himbeere verkauft wird. Die minimalistischen Zutaten überzeugen auch die meisten Eltern, darum sieht man das leuchtende Eis am Stil im Sommer in Norwegen gefühlt überall – am Fjord, im Freibad, beim Familienpicknick …

Die süße Mode zu den süßen Snacks
Die Fotografin und Kreativdirektorin Alma Rosaz hatte die Idee, die Kinder mit norwegischen Süßigkeiten zu inszenieren. Die Strecke feiert die süßen Snacks, die sie als Kind naschen durfte als sie in Norwegen lebte. Wie viel Spaß die Kindermodelle bei der Produktion hatten, ist wohl klar. Es kommt ja nicht so oft vor, dass man die Deko nach dem Fotoshooting aufessen kann!
Photographer, Creative Director and Retoucher: Alma Rosaz @almarosaz
Stylist: Rhianne @rhianne.stylist
Hairstylist: Timothy Furssedonn @timothyfurssedonn
Models: Matilda Rose, Lina and Kennedy represented by @southcoastkidzltd, Andel represented by
@waywarmanagement, Tommy represented by @zebedeetalent and Aries
Bildquelle: Alma Rosaz









