Pippi Langstrumpf

Pippi Langstrumpf wird 80 – 8 Dinge, die du vielleicht noch nicht über sie wusstest

Bücher, Familie, Freizeit

Das erste Buch mit Pippi Langstrumpf erschien im Winter vor 80 Jahren in Schweden. Auch heute noch hat Pippi, das stärkste Mädchen der Welt, viele Fans. Hier sind zum 80sten Geburtstag der mutigen Heldin acht Dinge über Pippi, die du vielleicht noch nicht wusstest…

Wie kam Pippi Langstrumpf zu ihrem außergewöhnlichen Namen?

Die Idee zu dem Namen Pippi Langstrumpf kam von Karin Nyman, der Tochter von Astrid Lindgren. Die Siebenjährige lag 1941 mehrere Tage krank im Bett und musste eine Lungenentzündung auskurieren. Natürlich war ihr langweilig. Ihre Mutter Astrid versuchte sie mit Geschichten bei Laune zu halten. „Als meine Mutter sagte: ‘Ich weiß nicht, was ich dir jetzt noch erzählen soll’, habe ich einfach irgendeinen Namen gerufen und gesagt: Erzähl mir was von … Pippi Langstrumpf,” erzählte Karin Nyman Jahre später in einem Interview. Die Erzählung des stärksten Mädchen der Welt schrieb Lindgren erst Jahre später nieder, nämlich im März 1944, und schenkte sie ihrer Tochter am 21. Mai 1944 zum Geburtstag. Mit vollständigem Namen heißt Pippi Langstrumpf übrigens Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf. Im Film wurde später in der deutschen Fassung Pfefferminz gegen Schokominza ausgetauscht.

Pippi Langstrumpf
So sahen die ersten Illustrationen von Pippi im Original aus. (The Astrid Lindgren Company/Ingrid Vang Nyman)

Wurde Pippi Langstrumpf gleich zu einem Erfolg als Buch?

Tatsächlich dauerte es eine Weile, bis die erste Geschichte von Pippi Langstrumpf in Buchform erscheinen konnte. Kaum zu glauben, aber der größte schwedische Verlag lehnte das Manuskript der noch unbekannten Autorin Astrid Lindgren ab. Erst als sie bei Rabén & Sjögren für eine andere Geschichte einen Preis bekam, reichte Lindgren danach eine überarbeitete Version von “Pippi Langstrumpf” beim gleichen Verlag ein – und gewann einen weiteren Preis. “Pippi Langstrumpf” wurde endlich als Kinderbuch veröffentlicht.

Wann kam die Geschichte von Pippi Langstrumpf nach Deutschland?

Mehrere deutsche Verlage hatten eine Absage erteilt, als ihnen die Rechte für Pippi Langstrumpf angeboten wurden. Das Mädchen mit den roten Zöpfen passte so gar nicht in die Zeit und zu den damaligen Erziehungsidealen. Die Hauptfigur sei zu aufsässig, was beim Publikum nicht gut ankommen würde, so die Sorge und das Urteil der Verleger. Teilweise stuften sie das Kinderbuch sogar als „jungendgefährdend“ ein, da Pippi Langstrumpf gegen Erwachsene aufbegehrte. Doch schließlich kam der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger und traute sich. Er war fasziniert von der mutigen Pippi und wagte den ungewöhnlichen Schritt, das Programm seines kleinen Verlages für Wissenschaftsbücher um ein ungewöhnliches Kinderbuch zu bereichern. Die Geschichte von Pippi Langstrumpf erschien dann 1949 das erste Mal in deutscher Sprache.

Wer hat sich eigentlich ausgedacht, wie Pippi Langstrumpf aussieht?

Natürlich Astrid Lindgren selbst. Die erste Zeichnung von Pippi Langstrumpf hat sie selber gemacht. Dabei ließ sie sich vom Aussehen von einer Freundin ihrer Tochter Karin inspirieren, die ebenfalls rote Haare und Sommersprossen hatte. Die Illustrationen der Originalausgabe von “Pippi Langstrumpf” schuf Ingrid Vang Nyman, eine dänische Illustratorin. Ihr Zeichenstil war damals schon seiner Zeit voraus und außergewöhnlich.

Pippi Langstrumpf
Das Manuskript der Geschichte von Astrid Lindgren mit der originalen Zeichnung von Pippi Langstrumpf.

Woher nahm Astrid Lindgren die vielen lustigen Ideen in ihren Pippi-Langstrumpf-Geschichten?

Vieles, was Astrid Lindgren in ihre literarische Welten eingebracht hat, hat sie selber erlebt oder stammt aus ihren Kindheitserinnerungen. Der sagenhafte Limonadenbaum in Pippis Garten, in dem die Kinder immer wieder flaschenweise Limonade finden, basiert auf einem Baum aus Astrid Lindgrens Kindheit. Eine alte Ulme auf Näs dient der Autorin hier als Vorbild, die Lindgren und ihre Geschwister als “Eulenbaum” bezeichneten. Das Spiel “Nicht den Boden berühren” hatte Lindgren selbst als Kind gespielt. Lindgrens Bruder Gunnar ermunterte als Kind immer wieder alle zum “Sachen suchen”, was Pippi, Annika und Tommy später auch machen. „Gunnar, Astrid, Stina und Ingegerd, so hießen die Ericssonskinder auf Näs. Es war schön, dort Kind zu sein, und schön, Kind von Samuel August und Hanna zu sein. Warum war es schön? Darüber habe ich oft nachgedacht, und ich glaube, ich weiß es. Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit.“ So erinnert sich Astrid Lindgren, geborene Ericsson, später in ihrem Buch “Das entschwundene Land” an ihre Kindheit. Viel von dieser Freiheit hat sie ihrer Heldin Pippi Langstrumpf mitgegeben.

War Pippi Langstrumpf wirklich in all den Ländern von denen sie erzählt?

Wir wissen es nicht genau. Denn obwohl klar ist, dass Pippi unerschrocken, stark und mutig ist und mit ihrem Papa viel von der Welt gesehen hat, gibt es keine genauen Informationen darüber, was davon wahr ist und was vielleicht nur ihrer blühenden Phantasie entspringt. Denn tatsächlich gibt Pippi selber zu, dass sie sich manchmal Geschichten ausdenkt. Wir können also nicht mit Sicherheit sagen, ob sie mit eigenen Augen gesehen hat, dass die Menschen in Ägypten alle rückwärts gehen und die in Hinterindien sogar auf den Händen durch die Gegend spazieren.

Pippi (Inger Nilsson, r.) lässt ihre Kräfte spielen. Tommy (Pär Sundberg, M.) und Annika (Maria Persson, l.) schauen überrascht zu (ZDF).

Fühlt sich Pippi in der Villa Kunterbunt nicht manchmal einsam?

Manchmal, wenn Pippi allein ist und mit sich selbst oder mit ihrer verstorbenen Mama spricht, wirkt sie auf uns einsam. Allerdings wählt sie in dem Buch “Pippi geht an Bord” die Möglichkeit, allein in der Villa Kunterbunt zu bleiben. Sie geht nicht wie geplant mit ihrem Papa auf große Fahrt mit der Hoppetosse. Sie entscheidet sich also freiwillig dafür, mit ihren Freunden Annika und Tommy zusammen zu bleiben. Wir können wohl mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Pippi sich in der Villa Kunterbunt zuhause und geborgen fühlt. Außerdem hat sie den Kleinen Onkel und Herr Nilsson, ihre treuen Haustiere, als ständige Gesellschaft.

Kennt man Pippi Langstrumpf eigentlich auf der ganzen Welt?

Die Bücher rund um die Abenteuer von Pippi Langstrumpf, dem stärksten Mädchen der Welt, wurden mehr als 170 Millionen Mal verkauft. Die Geschichten wurden außerdem in 106 Sprachen übersetzt. Auch durch die Verfilmungen wurde die Geschichte von Pippi in weiten Teilen der Welt bekannt. Doch bestimmt kennt man Pippi Langstrumpf nicht auf der ganzen Welt – was eigentlich sehr schade ist.

Astrid Lindgren
Die Autorin Astrid Lindgren erzählte ihrer kranken Tochter zum ersten Mal von Pippi Langstrumpf. (© Jacob Forsell)

Die Autorin Astrid Lindgren

Astrid Anna Emilia Lindgren (geb. Ericsson) wurde am 14. November 1907 auf dem Hof Näs in der Nähe von Vimmerby geboren. Die schwedische Schriftstellerin gehört mit einer Gesamtauflage von über 170 Millionen Büchern (Stand 2024) zu einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautorinnen weltweit. In Deutschland ist sie mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen Exemplaren erfolgreich. Aus der Feder von Astrid Lindgren stammen nicht nur die Geschichten rund um Pippi Langstrumpf, sondern auch die von Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Madita, Mio, Kalle Blomquist. Sie schuf außerdem die Kinder aus Bullerbü und die Gebrüder Löwenherz. Astrid Lindgren verstarb am 28. Januar 2002 in Stockholm.

Bildquelle: Astrid Lindgren Aktiebolag, PR, ZDF Studio, Oetinger Verlag