So schlechte Ergebnisse haben Schüler bei einer PISA-Studie noch nie zuvor erzielt. Schwierigkeiten beim Rechnen, in Naturwissenschaften und mangelnde Lesekompetenz sind Probleme, die viele Jugendliche in Deutschland betreffen. Was der Trend für die gesamte Gesellschaft bedeutet, machten die Leiter der Studie in Deutschland und Bildungsministerin Karin Prien in einer Pressekonferenz klar.
Im Jahr 2000 sprach man noch vom “PISA-Schock”, als die deutschen Schüler im internationalen Vergleich schlecht abgeschnitten haben. Seitdem sind die schulischen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen nicht besser geworden.
Laut aktueller Erhebungen der PISA-Studie von 2025, die heute bekannt gegeben wurden, erreicht in Deutschland jeder dritte 15-Jährige beim Lesen und in Mathematik nicht das grundlegende Kompetenzniveau. Auch in den Naturwissenschaften sieht es nicht besser aus: Jeder Vierte bleibt hier unter dem vorgegebenen Grundniveau.
Insgesamt liegen die Leistungen der deutschen Schüler damit in allen drei Bereichen so niedrig wie noch nie seit Beginn der PISA-Studien vor 25 Jahren.

Fehlende Schulbildung: Eine Gefahr für die ganze Gesellschaft
“Immer mehr junge Menschen liegen mit 15 noch unter dem Grundkompetenzniveau. Sie verlieren die Neugier, zunehmend auch den Glauben daran, dass sich Bildung lohnt,” erklärte Francesco Avvisati, OECD-Co-Autor der PISA-Studie. Dabei stellte er vor allem die mangelnde Lesekompetenz als grundlegendes und weitreichendes Problem dar.
“Junge Leute lassen sich leichter in die Irre führen, weil sie zu hastig lesen. Sie überfliegen statt zu verstehen. Sie antworten schnell, aber falsch. Das ist nicht nur ein Problem für die Schule, das ist ein Problem für die Gesellschaft.” In einer Welt voller Fehl- und Falschinformationen sei Lesen nicht nur eine schulische Nebensache, so Avvisati. Und es gebe laut Studie noch einen weiteren Zusammenhang. Die Neugier und das Anerkennen des Wertes einer guten Bildung gingen vor allem in den Ländern zurück, in denen auch die Leseleistung der Schüler gesunken ist.
Schulerfolg in Deutschland ist stark von der Herkunft abhängig
“Wir erzielen in den Naturwissenschaften, im Lesen und in der Mathematik so schlechte Ergebnisse wie noch nie, seit dem Beginn der PISA-Studie”, fasste Samuel Greiff, PISA-Studienleitung der TU München, zusammen. “Insgesamt erreicht Deutschland damit nur noch das Durchschnittsniveau der OECD-Staaten.”
20% der deutschen Schüler mit 15 Jahren hätten keine ausreichenden Basiskompetenzen in allen erforderlichen Bereichen. Greiff machte auch deutlich, wie stark schulischer Erfolg in Deutschland vom familiären Umfeld abhängig ist. “In kaum einem anderen OECD-Staat und damit auch in kaum einem anderen EU-Staat, prägen die familiären Voraussetzungen den Bildungserfolg so stark wie in Deutschland.”
So schafften es von 100 sozioökonomisch benachteiligten Jugendlichen gerade mal zwei, hohe Kompetenzwerte über schulische Bildung zu erreichen. “In Deutschland ist dieser Zusammenhang etwa dreimal so stark wie in Kanada”, so Greiff.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von einem “besorgniserregenden Befund” der PISA-Studie, vor allem weil der Kompetenzrückgang im Trend nach unten gehe und gleichzeitig die soziale Schere beim Thema Bildung immer weiter aufgehe. “Wir schaffen es weder im unteren noch im oberen Leistungssegment, dem Potenzial unserer Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.”
Sowohl auf allen staatlichen Ebenen, aber auch in der Gesellschaft und in den Familien müsse der Bildung allgemein ein höherer Stellenwert zugemessen werden, forderte die Ministerin. “Man muss sich große Sorgen um die Kritik- und Beurteilungskompetenz junger Menschen machen, die nicht richtig lesen lernen.”

25 Jahre PISA: Ideen für bessere Schulbildung in Deutschland
Die Kinder früher fördern (vor allem sprachlich), Schulen in schwierigen Lagen stärker unterstützen, statt knappe Ressourcen im Gießkannenprinzip zu verteilen und die Qualität von Schulen konsequent und anhand von Daten weiterentwickeln, damit Entscheidungen auf Evidenz und nicht auf Bauchgefühl basieren – diese drei Punkte nannte Samuel Greiff als wichtigste Maßnahmen für die nächsten Jahre, um den Abwärtstrend in der deutschen Schulbildung zu stoppen.
Ideen, wie Schule besser werden könnte, gibt es jedoch bereits viele in jedem Bundesland. Die wichtige Frage ist also nicht, was man tun könnte. Vielmehr bleibt abzuwarten, wie viele der Ideen konsequent im Schulalltag tatsächlich umgesetzt werden.
PISA-Studie: Was machen andere Länder besser
Die leistungsstärksten Schulsysteme sind laut PISA-Studie in Singapur, Japan, Estland und Korea zu finden. Diese Länder setzen nicht auf einzelne, große und umfassende Reformen, vielmehr wird hier kontinuierlich nachgesteuert.
Auch Kanadas Schulsystem kann als positives Beispiel gelten. Hier wird früh erkannt, wo Schüler Schwierigkeiten haben. In diesem speziellen Bereich wird dann ganz gezielt unterstützt und zeitnah überprüft, ob die Förderung auch ankommt.
Estland dagegen setzt schon früh auf die digitale Bildung der Kinder. E-Mails schreiben, Robotik und Apps programmieren gehören hier mit zum allgemeinen Schulunterricht. Das ist auch darum nötig, weil dort 99 Prozent der staatlichen Dienstleistungen digitalisiert sind.
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher nannte eine Gemeinsamkeit erfolgreicher Schulsysteme: Es wird weniger Stoff vermittelt, dafür mit mehr Tiefe. Außerdem hätten Lehrkräfte genug Zeit, Konzepte für einen guten Unterricht zu entwickeln und sich um einzelne Schüler zu kümmern.
“PISA liefert keine einfachen Antworten, sondern macht sichtbar, wo ein Bildungssystem steht und wie es sich entwickelt”, erklärte Studienleiter Samuel Greiff. Für Deutschland heißt das: Nachsitzen!
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