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Hausarbeit mit Kindern – mit kleinen Aufgaben zu mehr Selbstständigkeit

Eltern, Erziehung, Familie

Helfen eure Kinder im Haushalt mit? Ob Spielsachen im ganzen Wohnzimmer verteilt herum liegen oder der Geschirrspüler darauf wartet, ausgeräumt zu werden … Eltern kennen das Gefühl, für alles allein verantwortlich zu sein. Dabei kann Hausarbeit dabei helfen, Kinder zu mehr Selbständigkeit zu erziehen. Wie man sie altersgerecht motivieren kann, verraten wir hier.

Es ist immer wieder dieselbe Diskussion: “Warum räumst du deine Schuhe nicht weg?”, “Lass deine Schultasche nicht rumliegen.”, “Mach Ordnung in deinem Zimmer!” Eltern fühlen sich mit heranwachsenden Kindern oft wie in dem Film “Und ewig grüßt das Murmeltier”. Wie kann man kleine und große Kinder motivieren, dass sie regelmäßig und gerne im Haushalt mithelfen? Und welche Hausarbeiten kann man ihnen übertragen?

Warum Hilfe bei der Hausarbeit auch für Kinder wichtig ist

Kinder lernen durch Nachahmung und sie wollen dazugehören. Wenn sie feststellen, dass ihre Mithilfe im Haushalt eine Wertschätzung erfährt, stärkt das ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstwirksamkeit. Durch regelmäßige Aufgaben lernen sie:

  • Verantwortung zu übernehmen
  • Teamwork in der Familie zu verstehen
  • Strukturen und Abläufe zu akzeptieren
  • ihre Selbstständigkeit zu entwickeln

Der Trick dabei ist, dass die Mithilfe im Haushalt nicht als lästige Pflicht vermittelt wird. Viel besser ist es, sie als natürlichen Teil des Zusammenlebens zu sehen. Idealerweise wird die anfallende Hausarbeit so vermittelt, dass sie einen gewissen Spaßfaktor beinhaltet. Das fällt nicht immer leicht, denn oft hat man als Erwachsener selbst keine Lust, die Waschmaschine zu beladen, Betten zu beziehen oder das Bad zu putzen. Statt eines Seufzens (“Jetzt muss ich schon wieder die Spülmaschine ausräumen!”) einfach machen (“Das geht ja doch ganz schnell!”). So gelangen auch die Kinder zu einer positiv-pragmatischen Einstellung den immer wiederkehrenden Aufgaben gegenüber.

Haushalt Kinder helfen
Wenn Kinder im Haushalt mithelfen, entwickeln sie mehr Eigenverantwortung.

Das sagt der Gesetzgeber: So viel müssen Kinder im Haushalt mithelfen

Tatsächlich ist es so, dass Kinder sogar die Pflicht haben im Haushalt mitzuhelfen solange sie bei den Eltern wohnen. So wird die Hilfe bemessen:

  • Kinder im (Schul-)Alter unter 12 Jahren sollen pro Woche 3,5 bis 7 Stunden mithelfen.
  • Für Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren werden 7-8 Stunden für zumutbar gehalten.

Die Kinder können – abgesehen vom Aufräumen des eigenen Zimmers – Einkäufe erledigen, die Geschirrspülmaschine ausräumen, Wäsche waschen, staubsaugen, leichte Putzarbeiten erledigen. Jugendliche können mit dem Hund Gassi gehen, beim Putzen helfen, auf kleinere Geschwister aufpassen, bei der Gartenarbeit mit anpacken …

Hausarbeit als Familienroutine statt Einzelaktionen

Routinen sind der Schlüssel zum Erfolg. Feste Zeitpunkte helfen Kindern dabei, die anstehenden Aufgaben zu verinnerlichen. Ein einfaches Beispiel: Jeden Abend vor dem Schlafengehen werden die Spielsachen gemeinsam weggeräumt. Nur Dinge, mit denen noch nicht fertig gespielt wurde (unvollständige Bauwerke aus Lego oder kompliziert gestaltete Murmelbahnen etc.), dürfen stehen bleiben. Alles andere kommt an seinen Platz. Diese Aufgabe ist schon für die Kleinsten möglich. Wie ihr dazu mit Kisten und Körben für Übersicht sorgt, könnt ihr hier nachlesen.

Familien-Ritual: Eine “Power-Putz-Zeit” am Samstag – jeder hilft 10-20 Minuten (je nach Alter) und im eigenen Tempo mit, das Haus/die Wohnung aufzuräumen und sauber zu machen. Zur Motivation gibt es eine extra Playlist mit energiegeladenen Songs.

Mithilfe im Haushalt – Aufgaben altersgerecht verteilen

Schon Kleinkinder können ab dem Kita-Alter mithelfen bei der Hausarbeit. Doch damit sie sich weder über- noch unterfordert fühlen, ist es wichtig, die Aufgaben altersentsprechend zu verteilen. Denn nur wenn die Dinge leicht von der Hand gehen und am Ende ein Erfolgserlebnis wartet, werden die Kleinen auch in Zukunft noch gerne mithelfen.

Kinder im Haushalt helfen
Schöne Aufbewahrungsboxen, wie die von Poumpoum Kids helfen dabei, Ordnung im Kinderzimmer zu halten.

Kleinkinder (ab 2-3 Jahre)

  • Spielzeug wegräumen in Kisten oder Körbe
  • Schmutzige Wäsche in den Korb legen
  • Bilderbücher ins Regal stellen
  • Malstifte wegräumen
  • Kuscheltiere aufräumen

Kindergartenkinder (ab 4-5 Jahre)

  • Pflanzen gießen
  • den Tisch decken
  • den Tisch nach dem Essen feucht abwischen
  • gewaschene Kleidung in den Schrank sortieren
  • Socken und Unterwäsche falten und wegräumen
  • die Küche fegen
  • Staubwischen

Grundschulkinder (ab 6-10 Jahre)

  • Spülmaschine ein- und ausräumen
  • Mülleimer leeren
  • Karotten oder anderes Gemüse beim Kochen schnippeln
  • Mülleimer leeren
  • ein Haustier versorgen (frisches Wasser geben, füttern)
  • Staubsaugen
  • Wäsche zum Trocknen aufhängen
  • Waschbecken und Spiegel im Bad putzen
  • den eigenen Schreibtisch aufräumen und säubern
  • leichte Gartenarbeiten erledigen

Die Liste lässt sich noch beliebig verändern und verlängern. Welche Aufgaben ihr den Kindern übertragen wollt, liegt auch an deren individuellem Entwicklungsgrad und an der Umgebung, in der sie aufwachsen. Manche Kinder erledigen schon selbstständig kleinere Einkäufe, gehen morgens zum Bäcker oder zum Gemüsehändler. Ihr habt selbst das beste Gefühl dafür, was ihr euren Kindern zutrauen könnt.

Wichtig: Die Aufgaben sollten ganz klar definiert sein. Die Aufforderung “Hilf mal mit!” bringt nichts, weil sie zu abstrakt ist. Also besser so: “Bitte saug das Wohnzimmer und gieße anschließend die Pflanzen.”

Haushalt helfen
Den eigenen Schreibtisch aufräumen und sauber halten – auch das gehört dazu bei Schulkindern. (Bild: Ikea)

Klare Haushaltspläne und kleine Belohnungen

Kinder lieben Strukturen, die sie sehen und nachvollziehen können. Mit einem Haushaltsplan auf dem die wöchentlichen Pflichten visualisiert sind, bekommen sie einen Überblick und ein Gefühl dafür was alles ansteht. Auch für euch als Eltern ist es eine gute Möglichkeit, die einzelnen Aufgaben zu strukturieren.

Tipp: Ihr könnt als gemeinsames DIY einen Plan mit allen Aufgaben gestalten. So kann jeder seine Pflichten erfüllen und danach abhaken. Ein gutes Gefühl!

Extra Motivation: Ein gemeinsamer Filmabend, ein schöner Ausflug, ein extra Eis in der nahe gelegenen Eisdiele… Eine kleine Belohnung hilft weiterer als Anreiz.

Aufgaben gemeinsam starten – und dann machen lassen

Kleine Kinder wollen die Aufgaben in der Regel zusammen mit den Eltern erledigen. Das kostet euch zwar Zeit, doch denkt immer daran, dass genau das den Grundstein legt für später, wenn sie allein ihr Zimmer in Ordnung halten sollen. Mit einem lustigen Aufräum-Song kann das kleine Ritual zu einem gemeinsamen Spaßmoment werden.

Auch Kinder im Grundschulalter brauchen bei den verschiedenen Aufgaben noch etwas Anleitung. Zeig ihnen wie man einen Teller trägt, wie man die Socken faltet oder was beim Gießen der Pflanzen beachtet werden soll. Dann solltest du sie machen und selber ausprobieren lassen. Selbst wenn das Ergebnis am Anfang nicht perfekt ist, wird es mit etwas Übung immer besser.

Tipp: Sag lieber “Lass uns das schnell zusammen machen” statt “Du musst jetzt helfen!”

Hausarbeit
Pflanzen gießen oder neue Pflanzen eintopfen – kleine Aufgaben, die schon Kindergartenkinder erledigen können. (Bild: Kidsconcept)

Gemeinsame Hausarbeit als Teil des Familien-Mindsets

Im modernen Familienalltag geht es nicht nur um das Erfüllen von Pflichten – es geht um Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung. Wir möchten unsere Kinder zu empathischen Menschen erziehen, die gerne mithelfen und mit einem positiven Mindset die alltäglichen Aufgaben erledigen.

Wenn Kinder von Anfang an erleben, dass alle in der Familie ihren Teil beitragen, entsteht eine Haltung, die weit über den eigenen Haushalt hinaus wirkt: Teamgeist, Rücksicht, füreinander da sein. Außerdem gibt es den Kindern ein gutes Gefühl, wenn sie kleinere und später größere Aufgaben selbstständig erledigen können.

Kleine Checkliste – so helfen Kinder gerne bei der Hausarbeit mit:

  • Aufgaben klar definieren
  • Tägliche und wöchentliche Routinen festlegen
  • Mit positivem Mindset an (lästige) Pflichtaufgaben rangehen
  • Eine Spiel- und Spaßkomponente einbauen
  • Visuelle Hilfsmittel nutzen (Timer, Haushaltspläne, Sticker)
  • Geduld zeigen und den eigenen Perfektionismus ablegen
  • Immer wieder loben: “Das hast du toll gemacht!”
  • Kleine Belohnungen organisieren

Bildquelle: Getty, Poumpoum Kids, Ikea, Unsplash, Kidsconcept, PR