Kinderfilme, die emotionale Intelligenz fördern: 10 Filme, die Gefühle sichtbar machen
Filme können ein überraschend wirksames Werkzeug sein, nicht nur weil Kinder durchs Zuschauen automatisch etwas übers Leben lernen, sondern weil gute Filme Emotionen sichtbar machen und damit Gespräche eröffnen. Wenn ihr mit euren Kindern über die Gefühle der Filmcharaktere sprecht und gemeinsam überlegt: Wie wäre es, wenn du in der Situation wärst? Wie würdest du dich fühlen? Was würdest du tun oder auf keinen Fall tun? Dies ist genau die Art von Reflexion, die emotionale Intelligenz fördert.
Die folgenden zwölf Filme eignen sich besonders gut dafür.
Filme für Kinder ab 4 Jahren
Mein Nachbar Totoro (1988)

Ein Klassiker, der in keine Liste über emotionale Intelligenz fehlen sollte. Der Film zeigt zwei Schwestern, die mit der Krankheit ihrer Mutter umgehen müssen. Dabei lernen sie, mit Angst, Sehnsucht und Unsicherheit klar zu kommen. Der Film ist ohne Dialoge und doch voller Gefühl. Allerdings braucht es dafür ruhige Momente. Miyazakis Filme nehmen kindliche Emotionen außergewöhnlich ernst.
Frage danach: Wie hat Satsuki sich gefühlt, als sie nicht mehr weinen wollte, obwohl sie Angst hatte?
Lauras Stern (2021)

Laura findet einen verletzten Stern und kümmert sich um ihn. Doch irgendwann muss sie ihn gehen lassen. Die Verfilmung des bekannten Kinderbuchs von Klaus Baumgart ist eine zarte Geschichte über Fürsorge, Freundschaft und das Loslassen von jemandem, den man liebt. Der Film ist ruhig, liebevoll und emotional sehr zugänglich für kleinere Kinder ohne sie dabei zu überfordern.
Frage danach: Wie hat sich Laura gefühlt, als sie den Stern gehen lassen musste und wann hattest du das schon mal?
EQ-Filme für Kinder ab 5 Jahren
Luca (2021)

Pixars charmante Geschichte erzählt von zwei Meeresmonstern, die an Land Freundschaft schließen und lernen, wer sie wirklich sind – auch wenn sie das vor anderen verbergen müssen. Der Film handelt im Kern von Scham, Akzeptanz und dem Mut, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist. Er spricht ein Thema an, das viele Kinder kennen: das Gefühl, anders zu sein und Angst zu haben, dass andere einen deshalb ablehnen.
Frage danach: Wann habt ihr euch schon mal getraut, etwas über euch zu erzählen, obwohl ihr unsicher wart wie andere es finden könnten?
Vaiana (2016)
Eigentlich ein Abenteuerfilm im besten Sinne. Doch im Kern ist Vaiana eine Geschichte über Identität, das Vertrauen auf die eigene innere Stimme und über den Mut, gegen äußere Erwartungen zu sich selbst zu stehen. Vaiana setzt sich über ein Verbot ihres Vaters hinweg, weil sie ganz genau spürt, dass sie richtig liegt mit ihrer Einschätzung. Und auch wenn sie zunächst Angst hat, steht sie zu dem was sie tut – selbst wenn die Konsequenzen bei ihrem Scheitern unangenehm wären. Für Kinder, die lernen sollen, eigene Gefühle ernst zu nehmen, ist das ein starker Film.
Übrigens: Die Realverfilmung von Vaiana kommt ab 9. Juli in die Kinos.

Frage danach: Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?
Filme für Kinder ab 6 Jahren
Alles steht Kopf (2015)

Dieser Pixar-Film ist beim Thema emotionalen Intelligenz der Film schlechthin. Im Kopf der elfjährigen Riley kämpfen personifizierte Gefühle um die Kontrolle: Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel. Was den Film so besonders macht: Er zeigt, dass Traurigkeit nicht das Gegenteil von Freude ist, sondern eine gleichwertige und sehr notwendige Emotion. So lernen Kinder, dass jedes Gefühl seinen Platz und seine Berechtigung hat. Für Eltern ermöglicht das einen guten Einstieg in Gespräche über schwierige Emotionen.
Frage danach: Welches Gefühl kennst du bei dir selbst am besten?
Encanto (2021)

Auf den ersten Blick ist Encanto ein typischer Disney-Film über eine magische Familie. Auf den zweiten ist es jedoch eine recht genaue Darstellung von Familiendynamiken, emotionalem Druck und davon was passiert, wenn Gefühle aus falsch verstandener Fürsorge unterdrückt werden. Die Hauptfigur Mirabel ist das einzige Familienmitglied ohne übernatürliche Gabe und gleichzeitig zeigt sie sich als die emotional stärkste Person von allen.
Frage danach: Warum glaubt ihr, dass Luisa so müde ist, obwohl sie so stark ist?
Die Schule der magischen Tiere (2021)

Einer der erfolgreichsten deutschen Kinderfilme der letzten Jahre und außerdem ein unterschätztes EQ-Lehrstück. Die Geschichte ist den meisten auch aus der gleichnamigen Buchreihe von Margit Auer bekannt: Jedes Kind an der Wintersteinschule bekommt von Mister Mortimer Morrison ein magisches Tier als Begleiter zugewiesen. Der Film behandelt auf warmherzige Weise Themen wie Einsamkeit, Anderssein, Akzeptanz und echte Freundschaft. Besonders wertvoll ist dabei, dass die Kinder an der Schule sehr verschieden sind. Manche sind eher schüchtern, andere laut und bestimmend, ehrgeizig oder unsicher. Mithilfe der magischen Tiere wachsen sie über sich selbst hinaus.
Frage danach: Welches Tier würde zu dir passen und warum?
Ab 7 Jahren
„Hände weg von Mississippi” (2007)
Emma verbringt die Sommerferien bei ihrer Großmutter auf dem Land und kämpft mit ihr gemeinsam darum, ein Pferd vor dem Schlachter zu retten. Im Film geht es um Mut, Mitgefühl und vor allem um das Eintreten für jemanden, der sich nicht selbst wehren kann. Besonders schön: die Beziehung zwischen Emma und ihrer exzentrischen Großmutter – zwei Generationen, die einander zuhören und voneinander lernen. Der berührende Kinderfilm von Regisseur Detlev Buck gehört zu den Klassikern.
Frage danach: Bist du schon einmal für jemanden eingetreten, der sich nicht selbst helfen konnte?
Ab 8 Jahren
Rico, Oskar und die Tieferschatten (2014)

Und noch ein außergewöhnlicher deutscher Kinderfilm: Die Geschichte über den „tiefbegabten” Rico und seinen hochsensiblen und cleveren Freund Oskar ist charmant, klug und emotional vielschichtig. Die Verbindung der beiden zeigt: Unterschiedlichkeit ist keine Schwäche, sondern eine Stärke wenn man einander ernst nimmt. Der Film nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Andreas Steinhöfel, zeigt auf humorvolle und liebevolle Weise, dass Freundschaft auch bedeutet, die Eigenheiten des anderen zu schätzen.
Frage danach: Was mag ich an meinem besten Freund, das ganz anders ist als ich selbst?
Wunder (2017)

Bei diesem Film müsst ihr unbedingt Taschentücher bereitlegen. Trotzdem er an manchen Stellen herzzereißend traurig ist, ist er einfach wunderbar. Der zehnjährigen Auggie leidet an einer ganz besonderen Krankheit, die unter anderem zur Folge hat, dass er eine Fehlbildung des Gesichtes hat. Trotzdem beschließen seine Eltern, ihn an eine Regelschule zu geben. Dort hat er es anfangs nicht leicht, wird gehänselt und gemobbt – und doch gibt es Menschen, die hinter seinem ungewöhnlichen Gesicht die “schöne Seele” erkennen. „Wunder” zeigt Empathie aus mehreren Perspektiven: wie es sich anfühlt, anders zu sein, wie schwer es ist, fair zu urteilen und was es bedeutet, wirklich hinzuschauen. Einer der stärksten Filme zum Thema Mitgefühl, den es gibt. Und es gibt natürlich ein Happy End.
Frage danach: Wann hast du zuletzt jemanden wirklich gesehen, dem es nicht gut ging?
Rot (2022)

Die 13-jährige Meilin wird ständig von ihrer überfürsorglichen Mutter umgeben, worüber sie sich natürlich aufregt. Doch das ist das Problem, denn wenn sie sich aufregt, verwandelt sie sich in einen roten Panda. Dieser Zauber liegt auf allen Frauen in Meilins Familie, doch man kann ihn bannen. Der rote Panda ist ein perfektes Bild für das Gefühl, die eigenen Emotionen nicht unter Kontrolle zu haben. Das macht den Film besonders stark für Mädchen ab 8 Jahren, aber auch für Jungs ein guter Einstieg ins Gespräch über Scham, Veränderungen in der Pubertät, Selbstakzeptanz und Abgrenzung.
Frage danach: Hast du manchmal das Gefühl, dich verstecken zu müssen und warum?
Soul (2020)

Eigentlich ist dies ein Mehrgenerationenfilm, denn viele Themen betreffen nicht nur Kinder sondern uns alle. Die zentrale Frage im Film ist, was das Leben lebenswert macht und was passiert, wenn man so sehr auf ein Ziel fixiert ist, dass man das Jetzt verpasst. Darum unbedingt gemeinsam mit der ganzen Family schauen.
Frage danach: Was ist dein liebster Moment des Tages und warum?
EQ fördern durch Zusehen und das Gespräch danach
Was emotionale Intelligenz wirklich fördert, ist nicht der Film selbst und das gemeinsame Ansehen. Sondern der Moment, in dem ihr gemeinsam darüber sprecht: Wie hat sich das angefühlt? Kennst du das auch?
Kinder müssen dabei keine perfekten Antworten geben. Es reicht schon, dass darüber gesprochen und diskutiert wird. So bekommen unterschiedliche Gefühle einen Platz in eurem Gespräch. Und die wichtigsten Botschaften sind: Was ich fühle, darf benannt werden. Und: Es geht nicht nur mir so.
IMMER AUF
DEM NEUSTEN
STAND SEIN!
Bildquelle: Getty, PR, Disney Studios, 20th Century Fox, Pixar, Leonine, Studiocanal










