Kinderschuhe kaufen

Kinderschuhe kaufen: Worauf es dabei ankommt

Familie, Fashion, Schuhe

Kinderschuhe kaufen klingt simpel – ist es aber nicht. Denn Kinderfüße merken oft gar nicht, wenn ein Schuh zu eng ist. Was ihr wirklich wissen müsst, bevor ihr das nächste Paar kauft.

Kinderschuhe kaufen: Worauf es wirklich ankommt

Es gibt Dinge, bei denen man als Elternteil irgendwann denkt: Das hab ich doch eigentlich im Griff. Schuhe für die Kinder kaufen gehört eigentlich dazu. Man weiß ungefähr welche Größe das Kind hat, greift zum nächsten hübschen Modell, drückt kurz mit dem Daumen auf die Schuhspitze – passt. Fertig.

Das Problem: Kinder haben in den ersten Lebensjahren kaum Druckempfinden und spüren daher meist nicht, ob Schuhe wirklich passen. Kinderfüße sind noch weich und formbar und passen sich einfach an den Schuh an. Das klingt praktisch, ist aber das genaue Gegenteil davon – denn falsche Schuhe können die Fußentwicklung langfristig beeinflussen, ohne dass das Kind auch nur einmal „Aua” sagt.

Wir haben zusammengefasst, worauf es beim Kinderschuhkauf wirklich ankommt – von der richtigen Größe über das richtige Material bis zur Frage, ob Secondhand-Schuhe wirklich tabu sind.

Wie schnell wachsen Kinderfüße überhaupt?

Schneller als man denkt. Zwischen drei und sechs Jahren wachsen Kinderfüße durchschnittlich zwei bis drei Schuhgrößen pro Jahr. Im Schulalter sind es immer noch ein bis zwei Größen jährlich. Das bedeutet: Ein Schuh, der im September perfekt passt, kann im Januar schon zu klein sein – auch wenn man es von außen nicht sieht.

Die Empfehlung lautet daher, die Füße bei Kindern im Alter von drei bis sechseinhalb Jahren alle vier Monate zu überprüfen – und nicht erst dann, wenn das Kind anfängt zu hinken oder die Schuhe am Abend sofort auszuziehen, sobald es durch die Tür kommt.

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Die richtige Schuhgröße: Nicht allein auf die Aufschrift verlassen

Hier liegt einer der häufigsten Fehler. Schuhgrößen sind nicht genormt – bei der gleichen Fußlänge kann bei einem Hersteller Größe 27 passen und bei einem anderen wegen Breite und Form Größe 28. Die Zahl auf der Schachtel ist also nur ein grober Anhaltspunkt, kein verlässliches Maß.

Was wirklich zählt, ist die Innenlänge des Schuhs – und die sollte man selbst nachmessen. Als Faustregel gilt: Nach vorne bei den Zehen sollten etwa 12 Millimeter Platz sein. Wer sichergehen will, kann sich zu Hause eine einfache Schablone basteln: Kind auf die Pappe stellen, Ferse und längste Zehe markieren, ausschneiden, 1,5 Zentimeter Spielraum dazugeben – fertig. Diese Schablone in den Schuh stecken und schauen ob sie passt. Klingt vielleicht ein wenig altmodisch, funktioniert aber besser als jede App.

Noch ein wichtiger Hinweis: Immer beide Füße messen – und immer am Nachmittag oder Abend, im Stehen und mit Socken. Die Füße sind dann am größten. Und beim Schuhkauf immer den größeren Fuß als Maß nehmen, denn es ist völlig normal, dass beide Füße nicht identisch groß sind.

Nicht nur die Länge zählt – auch die Breite ist wichtig

Ein Punkt, der beim Schuhkauf oft vergessen wird: Viele Schuhhersteller bieten Kinderschuhe mittlerweile in schmal, mittel und weit an. Das macht einen erheblichen Unterschied, besonders bei Kindern mit breiten Füßen, die in einem Standardmodell zwar von der Länge her Platz hätten, aber seitlich eingeengt werden.

Das Deutsche Schuhinstitut hat dafür das WMS-System entwickelt – ein Qualitätsmerkmal, das nicht nur die Länge, sondern auch das Ballenvolumen berücksichtigt. Schuhe mit WMS-Zertifizierung sind im gut sortierten Fachhandel erkennbar und lohnen sich besonders für Kinder, deren Füße von der Normbreite abweichen.

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Eine griffige Sohle, die sich gut biegen lässt und ein gutes Fußbett sind bei Kinderschuhen wichtig: Sneaker von Falcotto

Was einen guten Kinderschuh ausmacht

Abseits der Größe gibt es einige Qualitätsmerkmale, auf die ihr beim Kauf von Kinderschuhen achten könnt, damit wirklich alles passt und ihr mit dem richtigen Paar nach Hause geht:

Biegsame Sohle. Der Fuß muss beim Gehen abrollen können. Ein Schuh, dessen Sohle sich kaum biegen lässt, behindert diese natürliche Bewegung. Einfacher Test im Laden: Schuh an Zehen- und Fersenbereich greifen und biegen – er sollte sich leicht durchbiegen lassen.

Kein vorgeformtes Fußgewölbe. Kinder haben am Anfang platte Füße – das ist ganz normal. Erst mit etwa sechs Jahren richtet sich das Fußgewölbe auf. Bis dahin ist man mit einer glatten Innensohle bestens bedient. Einlagen mit vorgeformtem Gewölbe brauchen kleine Kinder nicht – und können sogar kontraproduktiv sein.

Geringes Gewicht. Schwere Schuhe ermüden kleine Füße schnell. Ein Kinderschuh sollte so leicht wie möglich sein, damit das Kind natürlich und ungehindert laufen kann.

Atmungsaktive Materialien. Kinderfüße schwitzen viel. Leder oder atmungsaktive Synthetik-Materialien sind besser als vollständig geschlossene Kunststoffe, die keine Luft durchlassen.

Stabiler, aber nicht starrer Fersenbereich. Die Ferse braucht Halt – aber sollte nicht eingeengt werden. Der hintere Teil des Schuhs sollte sich beim Drücken kaum eindrücken lassen, aber trotzdem nicht so hart sein, dass er an der Ferse scheuert.

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Die Materialien sollten bei Kinderschuhe atmungsaktiv sein: Sneaker Victory.

Barfuß laufen ist oft das beste für Kinderfüße

Etwas, das viele Eltern überrascht: Barfuß laufen ist für Kinderfüße das Beste, denn es stärkt die Muskeln. Wann immer Wetter und Untergrund es erlauben, also ruhig auf Schuhe verzichten. Und auch zu Hause gilt: Socken oder Hausschuhe mit dünner, flexibler Sohle sind besser als festes Schuhwerk. Dies sagt übrigens auch Dr. Wieland Kinz, Sportwissenschaftler der Universität Salzburg. Er forscht ausgiebig zum Thema Kinderfüße und Kinderschuhe.

Der erste echte Schuh kommt übrigens nicht gleich beim ersten Schritt, sondern erst wenn das Kind sicher und selbstständig läuft – und das auch regelmäßig draußen tut.

Sogenannte Lauflernschuhe braucht es dafür nicht: Der Begriff suggeriert es nur – sie fördern nicht das Laufen lernen, sondern schützen die Füße vor Verletzungen durch Scherben, Schmutz und ähnlichem.

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Kinderschuhe Second-Hand kaufen: Nachhaltige Alternative oder No-Go?

Hier gibt es eine gute Nachricht für alle, die beim Thema Kinderkleidung auf Nachhaltigkeit achten: Dass Kinder keine Secondhand-Schuhe tragen dürften, ist laut Sportwissenschaftler Kinz ein Mythos. „Schon aus Gründen der Nachhaltigkeit und um Kosten zu sparen, empfehlen wir, gebrauchte Kinderschuhe zu kaufen” – solange sie nicht abgelaufen sind.

Der einfachste Check: Schuhe auf einen geraden Untergrund stellen und schauen ob sie gerade stehen. Neigen sie sich zu einer Seite, haben sie schon zu viel Profil verloren und sollten nicht mehr getragen werden. Wer diesen Test macht, kann guten Gewissens zu gut erhaltenen Secondhand-Schuhen greifen – und spart dabei nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen.

Onlinekauf oder Fachhandel: Was ist besser?

Für den ersten Schuh und bei Unsicherheit über die richtige Größe oder Breite empfiehlt sich der Fachhandel – dort können Füße professionell vermessen werden und das Personal kennt die Modelle. Gerade bei Kindern mit besonderen Fußformen (sehr breit, sehr schmal, hoher Spann) ist die Beratung Gold wert.

Für Folgekäufe, wenn man die Marke und das Modell bereits kennt und die Größe sicher ist, ist der Online-Kauf absolut möglich – vorausgesetzt man kennt die genaue Innenlänge des Schuhs und vergleicht sie mit der Fußlänge des Kindes plus Spielraum.

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Das Wichtigste zum Kinderschuhkauf auf einen Blick

Kinderschuhe kaufen ist keine Raketenwissenschaft – aber es lohnt sich, einmal genau hinzuschauen. Die Größe der Füße regelmäßig messen, auf die Innenlänge achten, biegsame Sohlen bevorzugen und die Kinder so oft wie möglich barfuß laufen lassen. Der Rest ergibt sich.

Und wenn man sich unsicher ist: lieber einmal mehr in den Fachhandel, als einen Schuh zu kaufen, der zwar gut aussieht, aber nicht gut passt. Denn gerade kleine Kinder können oft noch gar nicht richtig äußern, wo sie der Schuh drückt.

Bildquelle: Getty, PR, Unsplash