Text und Fotos: Astrid Därr
Der Motor des Zodiacs ist kaum warmgelaufen, da schneidet plötzlich eine lange, schwarze Rückenflosse vor dem Beiboot durchs kühle Wasser des Pazifiks. So schnell sie aufgetaucht ist, verschwindet sie wieder – nur um kurz darauf noch näher wieder aufzutauchen. „Ein Orca!“, ruft unser Guide Edwin. „Er jagt einen Seelöwen.“

Galápagos mit Kind: Es gibt viel zu entdecken
Gerade erst haben wir zum ersten Landausflug der Inselkreuzfahrt abgelegt, da halten wir schon gespannt nach Walen Ausschau. Wenige Minuten später zieht ein schwarz-weißer Schatten unter dem Boot vorbei. Dann taucht der Schwertwal mit einem lauten Schnauben direkt neben dem Zodiac wieder auf. „Schau, da!“, ruft der fünfjährige Nelion mit großen Augen. Inzwischen flattern Dutzende Fregattvögel kreischend über dem Wasser, in der Hoffnung, etwas von der Beute abzubekommen. Noch einmal zeigt sich der Orca, dreht sich auf den Rücken, schlägt zum Abschied mit den Flossen auf die Wellen und verschwindet in die Tiefe.
Wenig später empfangen uns dösende Seelöwen am Sandstrand der Isla Sombrero Chino, wo wir mit dem Zodiac anlanden. Vom Wasser aus erinnert die Silhouette der winzigen Insel mit einem erodierten Vulkankegel an einen traditionellen chinesischen Hut. Auf einem kurzen Rundweg spazieren wir durch eine wilde Vulkanlandschaft zwischen Kakteen, erstarrten Lavaströmen, weißem Korallensandstrand und dem türkisblauen Meer. Seelöwen säugen ihre Babys direkt neben dem Pfad und lassen sich auch von Nelion nicht aus der Ruhe bringen, der in zwei Metern Abstand im Sand buddelt. Pelikane segeln tief über unsere Köpfe und Pinguine flitzen durchs Wasser.
Nach dem Inselspaziergang hüpfen wir noch mit Taucherbrille und Schnorchel ins Wasser, wo uns junge Seelöwen zum Spielen auffordern. Zurück an Bord der Yacht La Pinta erwartet uns wie nach jedem Ausflug eine Überraschung: Eine aus Handtüchern gefaltete Schildkröte sitzt auf dem Bett. Emilio vom Room Service ist ein Meister im Handtuch-Origami: Mal baumelt ein Affe am Kleiderbügel, dann empfängt uns ein Pinguin oder Elefant.
Vor dem Abendessen hält Expeditionsleiter Edwin Alvar Martinez in der Bibliothek noch einen Vortrag über die Ökologie der Korallen. Das leise Vibrieren des Schiffsmotors schaukelt uns später in den Schlaf. Schon am ersten Tag haben wir so viel erlebt, dass wir zufrieden die Heimreise antreten könnten.

Das Inselparadies im Pazifik ist ein lebendes Klassenzimmer
Nur zwei Flugstunden vom ecuadorianischen Festland entfernt, fühlen wir uns wie auf einem anderen Planeten – in einer surrealen Mondlandschaft voller Tiere. Das Galápagos-Archipel, etwa 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors im Pazifik gelegen, umfasst 13 Hauptinseln sowie über 200 Felsen und Eilande. Zum Schutz der Artenvielfalt sind 98% des Gebiets als Nationalpark und UNESCO-Weltnaturerbe ausgewiesen. Berühmt sind die Inseln für ihre außergewöhnliche Tierwelt: Schildkröten, Meerechsen, Landleguane, Blaufußtölpel, Pinguine und Seelöwen zeigen kaum Scheu vor Menschen. Auf den bewohnten Inseln Santa Cruz, San Cristóbal und Isabela leben sie sogar hautnah und friedlich miteinander.
Für Kinder ist Galápagos ein lebendes Klassenzimmer, in dem sie ganz nebenbei lernen, wie Korallenriffe und Vulkane entstehen, dass Riesenschildkröten über 100 Jahre alt werden und warum Seelöwen Säugetiere und Pinguine Vögel sind.

Santa Cruz: Riesenschildkröten auf Augenhöhe
Während einer fünftägigen Kreuzfahrt erkunden wir an Bord der familienfreundlichen Yacht La Pinta die nordöstlichen Inseln des Archipels. Auf der bewohnten Hauptinsel Santa Cruz besuchen wir ein Schildkrötenreservat im grünen Hochland. Auf Galápagos leben zwölf Riesenschildkröten-Arten auf sechs Inseln. Die runzeligen, bis zu 250 Kilogramm schweren Giganten trotten schwerfällig durchs Gras und zupfen hin und wieder ein paar Halme ab. Von den fotografierenden Touristen lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Nächste Station ist Puerto Ayora, der touristische Hot-Spot auf Galápagos mit Gästehäusern, Hotels, Restaurants und Shops. Dort halten Seelöwen selbstverständlich ein Nickerchen auf den Parkbänken oder in den Booten am Landungssteg. Im Wasser unterhalb des Docks schwimmen Meeresschildkröten. Meerechsen sonnen sich wie kleine schwarze Drachen auf den Felsen am Ufer.
Von Puerto Ayora aus können Familien auch landbasiert einige Highlights der Galápagos-Inseln entdecken: weiße Traumstrände wie Tortuga Bay, eindrucksvolle Lavatunnel und die Zwillingskrater Los Gemelos im Hochland. Das echte Galápagos jenseits der Menschenwelt lernt man jedoch nur beim Inselhopping während einer Kreuzfahrt kennen.

Bartolomé: Ein Spaziergang auf dem Vulkan
Am zweiten Tag wachen wir mit Blick auf eine markante Felsnadel vor der Insel Bartolomé auf. Mit dem Zodiac gehen wir an Land und marschieren auf einem Bohlenweg Stufe für Stufe hinauf zu einem spektakulären Aussichtspunkt: Eine Mondlandschaft aus rostroten Lavafeldern und erodierten Vulkankegeln erstreckt sich bis zum Horizont. Dazwischen helle Sandbuchten und der Pinnacle Rock, der wie ein steinerner Finger aus dem Meer ragt.
Nach einer Verschnaufpause an Bord ist der kleine Nelion bereit für seinen ersten Schnorchelausflug: Mutig traut er sich nahe der Küstenfelsen ins kühle Nass – und hat Glück, dass genau in diesem Moment ein flinker Galápagos-Pinguin an ihm vorbei zischt. „Mama, da sind ganz viele Seesterne!“, ruft er begeistert, kaum hat er den Kopf wieder an der Oberfläche.
Sullivan Bay: Galápagos aus Lava
Am Nachmittag landen wir, wie einst Charles Darwin, in der Sullivan Bay an der Ostküste von Santiago. Vor uns liegt ein gewaltiger, tiefschwarzer Lavastrom, dessen Oberfläche wirkt wie ein gefrorenes Meer: Aufgeworfene Wellen, hohle Lavatuben und aufgeplatzte Blasen reichen bis an den weißen Sandstrand. „Dieser Strom stammt von einem Ausbruch im Jahr 1897 und zählt zu den jüngsten vulkanischen Landschaften von Galápagos“, erklärt Guide Edwin. „Die Inseln wachsen mit jeder neuen Eruption.“ „Warum sind die Strände dann so weiß?“, fragt Nelion. Edwin schmunzelt: „Das ist das Kaka der Papageienfische, die an den Korallen knabbern.“
Wieder an Bord bleibt den Rest des Tages genug Zeit zum Entspannen. Wir haben viel Bewegungsfreiraum, sowohl über als auch unter Deck. Ein mitreisender Arzt kann sich auch gleich um die kleinen Wehwehchen der Kinder oder auch der Erwachsenen kümmern, sollte etwas sein.

Genovesa: Die Insel der Vögel
Am nächsten Morgen wachen wir mit Blick auf die schwarzen Steilwände der hufeisenförmigen Darwin Bay auf, einer vom Ozean gefluteten Caldera vor der Insel Genovesa. Beim Landspaziergang beobachten wir zahllose Vögel, die direkt neben dem Weg nisten: Nazcatölpel, Rotfußtölpel, Fregattvögel und Schwalbenschwanzmöwen. „Der hat ein schönes Gesicht und ein blaues Ei!“, freut sich Nelion, als er das Nest eines Rotfußtölpels in den Mangroven entdeckt.
Beim nachmittäglichen Schnorcheln im kräftigen Wellengang entlang der Steilwände, die sich unter Wasser noch weiter in die Tiefe fortsetzen, bleibt der kleine Entdecker lieber an Bord. Zwar lassen sich die erhofften Riffhaie nicht blicken, dafür beobachten wir Meeresschildkröten, Adlerrochen und einen großen Schwarm Thunfische.
Die Reise endet auf der Flughafeninsel Baltra. Schweren Herzens lassen wir Galápagos hinter uns, doch das Tierparadies bleibt für immer in unseren Köpfen. Noch ein Jahr später sagt Nelion: „Galápagos ist mein Lieblingsland“, und erzählt immer wieder von den Seelöwen und Schildkröten, die sich von der Nähe der Menschen nicht beeindrucken lassen.

Galápagos mit Kindern: Die wichtigsten Reiseinfos
Anreise
Per Flugzeug geht es von Quito oder Guayaquil (Ecuador) zur Insel Baltra (Galápagos). Vom Flughafen mit dem Shuttlebus (10 Min.) zum Itabaca-Kanal, kurze Überfahrt mit der Personenfähre zur Isla Santa Cruz, dann per Taxi (45 Min.) weiter nach Puerto Ayora auf. Bei gebuchten Kreuzfahrten ist der Transfer in der Regel im Reisepreis enthalten.
Reisezeit
Die Galápagos-Inseln lassen sich das ganze Jahr über bereisen. In der warmen, feuchteren Zeit von Dezember bis Mai liegen die Lufttemperaturen bei etwa 26–30 °C, das Meer ist ruhig und angenehm warm (ca. 23–26 °C) – ideale Bedingungen zum Schnorcheln.
Von Juni bis November ist es etwas kühler und trockener (22–26 °C), das Wasser frischer, dafür ist besonders viel Leben im Ozean: In dieser Zeit steigen die Chancen, Wale, Delfine und große Fischschwärme zu beobachten.

Nationalparkgebühren
Der größte Teil der Inseln gehört zum Galápagos-Nationalpark. Die Nationalparkgebühr wird bei der Ankunft auf Galápagos bezahlt (derzeit liegt sie bei 200 US-Dollar für Erwachsene, 100 US-Dollar für Kinder). Eine extra Transitkontrollkarte muss bereits vor dem Abflug in Quito oder Guayaquil erworben werden (20 US-Dollar).
Familienfreundliche Galápagos-Kreuzfahrten
Unsere Autorin war mit der Yacht La Pinta unterwegs, die ideal für Familien ist: Die komfortablen Kabinen haben ein eigenes Bad, einige lassen sich zu größeren Familienkabinen verbinden. An Bord gibt es viel Bewegungsfreiraum, einen Hot Tub zur Entspannung, eine Bibliothek mit Büchern, Spielen und Puzzles sowie einen mitreisenden Arzt für den Notfall.
Die Küche ist sehr gut auf Kinder eingestellt. Die Kreuzfahrten (4–7 Nächte) kombinieren kurze Wanderungen an Land mit vielen Aktivitäten wie Schnorcheln, Kajak, SUP, Glasbodenboot und Küstenerkundungen per Zodiac.
Unterkünfte auf den Galápagos Inseln
Casa Gangotena, in Quito, Ecuador ist ein elegantes Boutiquehotel in einer restaurierten historischen Stadtvilla, direkt an der Plaza San Francisco. Ideal für eine Übernachtung vor oder nach dem Galápagos-Flug und als Ausgangspunkt für Touren durch Quitos UNESCO-geschützte Altstadt.
Finch Bay Galápagos, in Puerto Ayora, Santa Cruz. Eco-Luxushotel in ruhiger Lage direkt am Strand (per Boot erreichbar). Großer Pool und Spa, großzügige Zimmer und viel Platz im Freien. Ideal zum Akklimatisieren vor oder Entspannen nach einer Galápagos-Kreuzfahrt.
Transparenz-Hinweis: Unsere Reisen werden zum Teil von Fluggesellschaften, Veranstaltern und Hotelbetreibern unterstützt.
IMMER AUF
DEM NEUSTEN
STAND SEIN!
Bildquelle: Astrid Därr











