Grundschule: Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind?

Mit dem Schulanfang beginnt sowohl für das Kind als auch für die Eltern ein neuer aufregender Lebensabschnitt. Doch die bange Frage lautet: Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Spätestens mit dem ersten Schulbrief geht es los. Ganz unschuldig liegt er im Briefkasten und weist darauf hin, dass jetzt „der Ernst des Lebens“ beginnt. Auf dem nichtssagenden Blatt Papier wird im Regelfall die Einzugsschule des Kindes vorgestellt, inklusive der Bitte, sich dort anzumelden, damit zur Einschulung dann auch alles klappt. Die Anmeldung zum kommenden Schuljahr erfolgt in den meisten Bundesländern im Oktober.

Viele Eltern sind sich nicht sicher, ob die Einzugsschule auch wirklich das richtige Lernumfeld bietet für ihr Kind. Wer in der Stadt wohnt hat natürlich mehr Auswahl, auch an alternativen Schulmodellen. Wer ländlicher wohnt, dem bleibt oft nur die Grundschule, in die alle Kinder gehen – doch auch das kann von Vorteil sein. Doch wie findet man die richtige Schule fürs Kind? Was gibt es dabei zu beachten?

Diese Fragen solltest du dir bei der Wahl der Grundschule stellen:

  • Ist die Schule in der Nähe oder grundsätzlich gut zu erreichen?
  • Auf welche Schule gehen die Freunde und Spielkameraden deines Kindes?
  • In welcher Schulform ist dein Kind mit seinen Talenten und Vorlieben optimal betreut (öffentliche Grundschule, Privatschule oder Modellschule, wie z.B. Montessori- oder Waldorfschule)?
  • Wie sind die Betreuungszeiten an der Grundschule (Halbtags- oder Ganztagsschule, angrenzender Hort)?
  • Gehört die Schule zu einer bestimmten Konfession (z. B. katholische oder evangelische Grundschule)?
  • Folgt die Grundschule einem bestimmten pädagogischen Konzept?
  • Gibt es an der Schule zusätzliche Angebote (Arbeitsgruppen, Sportkurse, Kunstkurse, Musikunterricht)?

Ist die Einzugsschule die richtige Schule für mein Kind?

Grundsätzlich ist diese Einzugsschule immer die dem eigenen Wohnort nächstgelegene öffentliche Grundschule. Diese muss die Grundschüler-in-spe aus ihrem Einzugsgebiet aufnehmen, denn in Deutschland ist die Schulpflicht immer noch gesetzlich vorgeschrieben. Kann die Schule das aus welchen Gründen auch immer nicht gewährleisten, muss sie für einen adäquaten Ersatzplatz sorgen.

Doch was, wenn man mit der Einzugsschule nicht zufrieden ist? Amely Schadewald unterrichtet in einer Grundschule in Hessen Erstklässer in Sachkunde und Mathe. Sie bekommt häufig mit, dass Eltern verunsichert und oft auch überfordert von dem Angebot an Schulen und deren Erziehungskonzepten sind.

Freie Schulwahl: Passen Schulkonzepte wie Montessori und Co. besser zu unserem Kind?

„Von Montessori bis hin zur privaten katholischen Schule ist die Auswahl inzwischen riesig geworden. Das ist natürlich eine tolle Sache – kann aber für Eltern auch zur Belastung werden. Denn falsch machen will natürlich niemand etwas“, sagt Amely Schadewald. Grundsätzlich rät sie jungen Eltern darum, für alles offen zu sein und sich die verschiedensten Schulkonzepte in Ruhe anzusehen, ehe sie sich entscheiden.

„Wichtig ist, dass die Eltern Initiative zeigen, selbst handeln und sich informieren. Man muss sich überlegen, welche Kriterien einem am Wichtigsten erscheinen. Ist es die Nähe zum Elternhaus? Oder vielleicht eine Ganztagsbetreuung, oder aber ein besonders innovatives Konzept? Auf jeden Fall sollte man sich die Schulen auch immer ansehen. Dazu bieten eigentlich alle Einrichtungen in Deutschland immer einen Tag der offenen Tür oder ganze Schnuppertage an. Nach Möglichkeit kann man hier sogar das Vorschulkind mitnehmen und dann am Ende gemeinsam entscheiden. Ich finde es wichtig, dass man auch dem Kind ein gewisses Mitspracherecht einräumt.“

Die richtige Schule finden: Auch die Kinder sollten Mitspracherecht bekommen.(Bild: gettyimages)

Anmeldung an einer freien Schule: Was muss ich beachten?

Fällt die Entscheidung auf eine Grundschule, die nicht im Einzugsbereich liegt, muss muss man seinen Wunsch schriftlich äußern. Gleichzeitig meldet man sich in jedem Fall an der zuständigen Grundschule an, auch dann, wenn das Kind doch an eine Privat- oder andere staatliche Grundschule gehen soll. Häufig müssen Gründe angegeben werden, warum man sich für eine andere Schule entscheidet. Hier reicht es, einfach ein anderes Schulkonzept zu nennen oder aber auf Freunde aus dem Kindergarten des Kindes zu verweisen, die ebenfalls auf diese Schule gehen werden.

Übrigens: Es ist nicht so entscheidend für die Eingewöhnung, dass Kinder mit ihren Kindergartenfreunden auf die gleiche Schule gehen oder sogar in die gleiche Klasse kommen. Im neuen Klassenverbund finden sie schnell Anschluss – selbst wenn sie anfangs schüchtern sind.

Die erste Woche an der neuen Schule: Was müssen wir beachten?

„Wir erleben es in den Einführungswochen gar nicht so selten, dass sich selbst erklärte beste Freunde im gemeinsamen Lernen gar nicht guttun und gegenseitig nur ablenken“, sagt Lehrerin Amely Schadewald. „Aber am Ende heißt es auch hier: Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Ebenso wenig, wie es die eine richtige oder die eine falsche Schule gibt. Man darf nicht vergessen, dass die Lehrziele egal in welcher Schule in jedem Bundesland gleich sind. Die richtige Schule ist also am Ende immer diejenige, die zu den individuellen Lebensumständen der Eltern und ihrer Kinder passt.“

Was tun, wenn wir uns doch für die falsche Schule entschieden haben?

Wenn es trotzdem einmal vorkommen sollte, dass sich Eltern und Kind in der ausgewählten Schule überhaupt nicht wohlfühlen oder einleben können, rät Schadewald auf jeden Fall immer erst das Gespräch mit den Lehrern und der Schulleitung zu suchen. „Es erfordert eine ganze Menge Behördengänge und Papierkram, bis man es schafft, das Kind mitten im Schuljahr in eine andere Schule wechseln zu lassen. Und dieser ganze Stress ist auch nicht gut für das Kind, das sich vielleicht gerade langsam in eine neue Gemeinschaft einlebt.“

Oft hilft es, beide Seiten zu verstehen. „Das klingt jetzt ein wenig hart, aber wenn nichts wirklich Gravierendes in dieser Schule passiert ist, sollte das Kind zuerst lernen, sich an die Schule und damit an einen neuen Lebensabschnitt zu gewöhnen.“

Eine gute Schule: Nicht immer ist ein sofortiger Schulwechsel notwendig.(Bild: unsplash)

 

Und hier sind die Eltern gefragt, denn Vorbereitung ist das A und O. Gemeint ist weniger das Üben der ersten Zahlen und Buchstaben, sondern auch das Beibringen von ganz grundlegenden Sachen wie: das regelmäßige frühe Aufstehen, das lange Sitzenbleiben im Unterricht und das konzentrierte Zuhören – oder einfach nur die Fähigkeit, sorgfältig mit den eigenen Sachen umzugehen. Als einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Kindes ist die Schule nämlich die erste Stufe in Richtung Erwachsenenwelt und damit tatsächlich in den „Ernst des Lebens“.

Eine Grundschullehrerin erklärt, was Schulanfänger können sollten.

Bilder: Gettyimages

Einschulung: Das sollten Schulanfänger können

Jetzt steht für zahlreiche Kinder ein großes Abenteuer ihres Lebens bevor: der Schulstart. Eine Grundschullehrerin erklärt, wie man die Kinder optimal auf die neuen Erfahrungen vorbereiten kann und was Schulanfänger vor der Einschulung können sollten.

Von Marion Brugger

„Hilf mir, es selbst zu tun. Tue es nicht für mich. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen“, formulierte vor etwa hundert Jahren die Italienerin Maria Montessori die wesentlichen Kernziele ihrer Pädagogik. Sie war damit Vorreiterin für eine Erziehung, die sich den Bedürfnissen des Kindes zuwendet und das Kind in seiner Entwicklung als einzigartig und als schöpferischen Gestalter seiner eigenen Zukunft versteht.

Was sollen die Kinder lernen?

Im Wesentlichen sind das auch jene Ziele, die sich im Lehrplan wiederfinden. Unter den allgemeinen Bildungszielen definiert man die „Entfaltung und Förderung der Lernfreude“, die „Stärkung und Entwicklung des Vertrauens der Schüler in die eigene Leistungsfähigkeit“, den „Aufbau einer sozialen Handlungsfähigkeit“ sowie die „Entwicklung einer entsprechenden Lern- und Arbeitshaltung“. Das sind riesige Entwicklungsschritte und ein Meer an neuen Herausforderungen für unsere Kleinen.

Der wichtigste Lehrer: die Eltern!

Oftmals befürchten Eltern, ihr Kind wieder ein Stück weit ziehen lassen zu müssen. Viel zu schnell werden die Sprösslinge erwachsen, stehen mit ihren Schultüten vor dem großen Schultor und grinsen breit in die Kamera. Aber hier kommt die gute Nachricht: Dein Kind braucht dich! Du bist für einen guten Schulstart mindestens ebenso wichtig, wie die Lehrer deines Kindes. Dabei ist es besonders bedeutsam, dass du mögliche negative Erfahrungen der eigenen Schulzeit und vermeintliche Lebensweisheiten, wie das Philosophieren über den „Ernst des Lebens“ der ab nun beginnen soll, für dich behältst. Schließlich sollen die Schulanfänger nicht schon vor dem Schulstart verschreckt werden.

Hier gibt es noch mehr Tipps für einen entspannten Schulstart.

Selbstvertrauen vor der Einschulung üben

Sinnvoller ist es, das Kind in seinem Selbstvertrauen zu stärken und ihm bereits jetzt kleine Aufgaben zuzuteilen, die es verantwortungsbewusst übernehmen soll. Das können die Mitarbeit im Haushalt, das Versorgen einer Pflanze im Kinderzimmer oder kleine Suchaufgaben im Supermarkt („Bring mir bitte 5 Karotten“) sein. Räume mit deinem Kind gemeinsam die Schultasche aus und ein und zeige ihm, wie es darin Ordnung halten kann. Es wird nach und nach selbstständig diese Aufgabe übernehmen müssen.

Kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen stärkt das Selbstvertrauen | Bild: Getty

A little toddler in the garden, watering plants with can.[/caption]

So lernen Kinder Ordnung halten

Öffne das Federmäppchen und übe mehrmals den Unterschied zwischen Bleistift, Buntstift und Filzstift zu erkennen. Lass dein Kind dabei die verschiedenen Stifte hochhalten und wieder an den richtigen Platz im Federmäppchen einsortieren. Vergiss nicht, dass auch der Umgang mit dem Spitzer gelernt sein will. Die Ordnung und Organisation der eigenen Schulutensilien und des Arbeitsplatzes ist eine der wesentlichsten Kompetenzen, die sich dein Kind im Laufe des ersten Schuljahres mit deiner Hilfe aneignet. Diese unterscheidet es ganz klar von einem Kindergartenkind.

Lernziel zum Schulstart: Körperwahrnehmung

Eine weitere grundlegende Fähigkeit, die vom Schulanfänger erwartet wird, ist die Körperwahrnehmung. Dein Kind wurde vielleicht schon bei der Schuleinschreibung gebeten, ein Bild von sich selbst zu zeichnen. Bei diesem klassischen Test achtet die zukünftige Lehrerin/der zukünftige Lehrer oder die Direktorin/Direktor des Kindes nicht nur auf die Stiftführung. Sie prüfen auch, ob der zukünftige Schüler bereits Schultern, Arme, Hände, Finger, Beine und das Gesicht zeichnen kann. Auch das lässt sich vorab üben.

Mach es dabei auf die einzelnen Körperteile aufmerksam und lass diese von deinem Kind benennen. Spielerische Aufgaben schulen dabei gleichzeitig die Grob- und Feinmotorik. Du kannst dein Kind zum Beispiel bitten, ein Taschentuch mit den Zehen vom Boden aufzuheben, ein Stück Zeitungspapier mit der Fußsohle zu einem Ball zu rollen oder ohne Hilfe der Hände ein Kuscheltier von einer Box in die andere zu räumen.

Bewegung ist wichtig für Kinder

Baue Bewegungsübungen auch immer wieder in den Alltag ein. Lass dein Kind auf den Zehenspitzen, auf allen Vieren oder rückwärts gehen, schnell wie ein Gepard laufen und auf ein Signal hin plötzlich stehen bleiben. Spaß kann es auch machen, die Bewegungen von Mama oder Papa zu spiegeln oder Rhythmen nach zu klatschen. Dabei schult dein Kind ganz nebenbei seine Beobachtungsgabe und Konzentration, beides ganz bedeutsame Fähigkeiten, die beim Erlernen der ersten Buchstaben und Zahlen gefragt sein werden.

Bewegung ist wichtig für Kinder, denn sie fördert die Motorik | Bild: Getty

Aufmerksam bleiben

Apropos Konzentration: Höchstens 20 Minuten können sich Schulanfänger im Durchschnitt laut einer Kölner Studie konzentrieren. Gefordert wird hingegen vor allem in der Schule in diesem Alter bereits eine viel längere Aufmerksamkeitsspanne. Auch wenn Lehrerinnen und Lehrer die Schulstunden durch Entspannungsübungen und vielfältiges Programm aufzulockern versuchen, so ist doch ein vier- bis fünfstündiger Schulvormittag, den das Kind bald schon bewältigen muss, eine enorme Herausforderung. Es zahlt sich daher aus, wenn du schon jetzt versuchst, dein Kind auf diese Zeit vorzubereiten.

Konzentration fördern funktioniert schon mit einfachen Malübungen | Bild: Getty

Kleine Übungen für die Konzentration

Lass es den Weg durch ein Labyrinth nachzeichnen oder ein Muster fortführen. Achte dabei darauf, dass das Kind während der gesamten Arbeitszeit am Tisch sitzen bleibt und versuche Ablenkungen von ihm fernzuhalten. Lobe es, wenn es sich dabei besonders bemüht und es geschafft hat, sich eine gewisse Zeitspanne lang zu konzentrieren. Sei aber auch geduldig und nachsichtig, wenn es mit der Aufmerksamkeit einmal nicht so läuft, wie geplant. Meide dabei Sätze wie „Du musst in der Schule auch stillsitzen können“ oder „Jetzt zappel doch nicht so herum“, um den Erwartungsdruck von den Schultern deines Sprösslings zu nehmen. Positive Verstärkung trägt um ein Vielfaches mehr Früchte, von denen jedes Kind später profitieren wird.

Wenn du mehr darüber wissen willst, wie Gespräche mit Kindern klappen, findest du hier einige Tipps dazu.

Das kann ich alles schon alleine!

Bevor dein Kind in die Schule kommt, sollte es sich allein an- und ausziehen können. Beschrifte möglichst alle Kleidungsstücke mit dem Vor- und Nachnamen. Denn oftmals erkennen die Kleinen im Gewusel der Turnsaalgarderobe ihre eigene Hose nicht wieder. Das Schleifenbinden wird im Laufe der ersten Klasse von vielen Pädagogen eingefordert. Allerdings reicht die Zeit im Schulalltag für das Erlernen oft nicht aus. Übe daher jetzt schon immer wieder diese Fertigkeit mit deinem Kind.

Ganz wichtig ist, dass ihr all der Aufregung und Begeisterung aber auch den Ängsten des Nachwuchses mit Verständnis begegnet. Lass dein Kind davon erzählen, wie es sich die Schule vorstellt. Und vor allem: freue dich gemeinsam mit deinem Kind auf diesen wunderbaren neuen Lebensabschnitt!

Zur Person: Marion Brugger arbeitet als Grundschullehrerin in Österreich.

Seid ihr noch auf der Suche nach einer Schultüte? Hier haben wir noch ein paar Tipps – auch Last Minute!

Bild: Aaron Burden 

Bin gleich da, Schatz! – Darum können Kinder nicht warten

Es ist ein Widerspruch in sich: Wir Eltern sollen unserem Nachwuchs etwas beibringen, was wir selbst nicht gut finden. Denn beim Thema Warten sind sich Große und Kleine in der Abneigung ziemlich einig. Warum es trotzdem wichtig ist, den Kindern das Warten nahe zu bringen, wie sie in ihrer späteren Entwicklung davon profitieren und was die vielbeschriebene Resilienz damit zu tun hat, lest ihr hier.

Alle sitzen am Tisch, das Essen wird ausgeteilt. Jetzt heißt es Geduld haben, denn es darf erst gegessen werden, wenn alle etwas haben und ein kleiner Spruch aufgesagt wurde. So sieht es mittags in den meisten Kindergärten aus. Was die Erzieherinnen den Kleinen damit beibringen (außer natürlich guten Manieren) ist Selbstkontrolle.

Auch wenn der Hunger groß ist, jedes Kind muss den Impuls sich schnell etwas in den Mund zu stecken so lange unterdrücken, bis alle so weit sind. Selbstkontrolle ist eine Fähigkeit, die sinnvoll und wichtig ist. Experten wissen: Wer sich in bestimmten Situationen kontrollieren kann, kriegt sein ganzes Leben besser in den Griff.

Warten lernen und Resilienz

Herausgefunden hat man das im sogenannten Marshmallow-Test. Dabei wurden Kinder vor die Wahl gestellt: Sie durften entweder ein Stück Marshmallow sofort essen oder liegen lassen und eine Weile warten. Schafften sie das, gab es zur Belohnung ein zweites Stück dazu.

Dieses Experiment initiierte der New Yorker Psychologe Walter Mischel in den 1960er-Jahren mit circa 500 Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren.
Viele Jahre später stellte Mischel Nachforschungen an, was aus seinen kleinen Probanten geworden war. Das Ergebnis war ebenso einleuchtend wie vorhersehbar: Diejenigen, die auf eine größere Belohnung hatten warten können, waren als Erwachsene entschlossener und als Folge davon auch erfolgreicher. Außerdem bescheinigte Mischel ihnen nach seinen Untersuchungen eine höhere soziale Kompetenz, ein realistisches Einordnen von Rückschlägen und eine geringe Suchtgefährdung. Warten ist also eine wichtige Fähigkeit, die unseren Kinder viel mehr beibringen kann als nur Geduld.

So können Kinder das Warten lernen

Jetzt aber bitte, mit Blick auf den eigenen, ungeduldigen Nachwuchs, nicht gleich panisch werden. Was Entwicklungspsychologen nämlich auch sagen ist, dass Kinder das Warten lernen können.

Das kann man schon Kleinkindern angewöhnen. Sobald Kinder anfangen zu krabbeln, erweitert sich ihr Radius. Das heißt aber auch, sie können überall hin und nach Sachen greifen die mitunter ungeeignet für sie sind. Gefährliche Treppen sind ein Anziehungspunkt für viele kleine Kinder, denn Klettern macht den Kleinen Spaß. Zudem haben sie einen ganz natürlichen Bewegungsdrang und sind neugierig.

„Nein!“ wird in dieser Entwicklungsphase zu einem wichtigen und oft gebrauchten Wort – und natürlich verstehen Kinder egal wie jung sie sind sofort, was es bedeutet. Jetzt ist Konsequenz bei den Eltern gefragt. Wenn die Treppe verboten bleibt, dann fordert das von begeisterten Krabblern schon eine gewisse Frusttoleranz. Ablenken durch Spielzeug oder durch Trösten hilft bei kleinen Wutanfällen wahrscheinlich nur bedingt, ist aber immer einen Versuch wert.

Wer jetzt Nerven bewahrt und liebevoll immer wieder darauf beharrt, dass die Treppe nicht erlaubtes Gebiet ist, der hat viel gewonnen. Das Kind lernt dabei nämlich, mit der eigenen Frustration fertig zu werden und dass nicht jeder Impuls (Ich will da jetzt hin krabbeln!) erfüllt werden kann. Die Treppe ist dabei übrigens austauschbar mit gefährlichen Gegenständen oder ähnlichen Dingen, an die das Kleinkind nicht ran soll.

Mit dieser liebevollen Konsequenz fördern Eltern die Resilienz der Kinder. Diese ist, aufgebaut in mehreren Kernkompetenzen, später wichtig um in schwierigen Situationen positiv zu bleiben und Probleme zu meistern.

Einfache Regeln und geduldige Eltern

Bei Kleinkindern gilt bei den ersten Erziehungsschritten: Je einfacher die Regel, umso leichter wird sie verstanden und befolgt. Kinder ab einem Alter von drei Jahren können dagegen schon komplexere Zusammenhänge verstehen.

Was im Kindergarten so schön beim Mittagstisch geübt wird, das Warten bis alle so weit sind und gemeinsam essen, kann Zuhause konsequent fortgesetzt werden. Die Familie sitzt beim Abendbrot und natürlich will ein Kleinkind lieber aufstehen und herum toben, sobald es satt ist. Jetzt kann man erklären, wie schön es ist noch einen Augenblick zusammen sitzen zu bleiben. Fällt schwer, aber die tägliche Wiederholung hilft, die Regel zu verstehen und umzusetzen. Wenn es danach von Mama oder Papa ein Lob gibt, weil so geduldig durchgehalten wurde, klappt es beim nächsten Mal bestimmt noch ein klein wenig länger.

So lange können Kinder wirklich warten

Trotzdem sollten Eltern beim Thema Warten von ihren Kindern nicht zu viel erwarten. Das Zeitempfinden ist bei den Kleinen ganz anders gelagert als bei Erwachsenen und eine Minute ist für einen Dreijährigen gefühlt so lange wie für uns 5 Minuten.

Beim Marshmallow-Test des Psychologen Walter Mischel hielten die geduldigeren Kinder übrigens ungefähr 15 Minuten durch. Laut Erfahrung von Psychologen können 18 Monate alte Kinder gerade mal 30 Sekunden warten, 2 bis 2,5-Jährige schaffen es schon volle zwei Minuten und mit 3 bis 5 Jahre alten Kindern kann man 15 Minuten Wartezeit erreichen, wenn es gut läuft.

Bild: Danielle MacInnes; @unsplash

Montessori zu Hause – Tipps von der Pädagogin Jutta Bläsius

Kinder zur Selbstständigkeit erziehen, ist für Eltern eine große Erleichterung. Aber auch den Kindern kommt ihre eigene Selbstständigkeit zu Gute – Erfolge im Alltag stärken das Selbstbewusstsein und ganz nebenbei werden bei vielen kleinen Alltagsaufgaben Dinge wie Grob- und Feinmotorik oder die Fähigkeit zur Problemlösung trainiert.

Die Philosophie „Hilf mir, es selbst zu tun“ steht auch hinter der Montessori-Pädagogik.  Wir haben mit der Autorin und Pädagogin Jutta Bläsius darüber gesprochen und um Tipps gebeten, wie man das Montessori-Prinzip zu Hause anwendet.


Luna: Was genau steckt denn hinter der Montessori-Lehre?

Jutta Bläsius: Die Montessori-Pädagogik ist ein Erziehungskonzept, dass bei der Geburt beginnt und Kinder bis ins Jugendalter begleitet. „Hilf mir es selbst zu tun“ ist der grundsätzliche Ansatz.
Mit entsprechenden Angeboten und Materialien werden die Kinder darin unterstützt sich aktiv am Leben ihrer Umgebung zu beteiligen, sich spielerisch Wissen anzueignen, soziale Umgangsformen zu lernen und sich somit Stück für Stück die Welt zu erobern um schließlich selbstständig und unabhängig vom Erwachsenen zu werden.

Dabei spielen einzelne Entwicklungsstufen, die Montessori als sensible Phasen bezeichnet, eine bedeutende Rolle. Es sind Zeitfenster, in denen das Kind von einer bestimmten Sache gefesselt und besonders aufnahmefähig dafür ist. Es fällt ihm dann sehr leicht, entsprechende Dinge zu lernen. Von 0-6 Jahre spricht Montessori z.B. von der sensiblen Phase für Ordnung, Bewegung und Sprache.

Damit ein Kind sich gemäß seiner sensiblen Phasen entwickeln und seine Individualität aufbauen kann, müssen nach Montessori verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Dazu zählt z.B. die vorbereitete Umgebung, die freie Wahl der Tätigkeit und die Unterstützung durch den Erwachsenen. Seine vorrangige Aufgabe ist es, zu erkennen, dass nicht er es ist, der die Persönlichkeit des Kindes aufbaut, sondern das nur das Kind selbst in der aktiven Auseinandersetzung mit seiner Umwelt dazu in der Lage ist.

Niedrige Regale mit Kisten, die Kinder einfach selber aufräumen können, sind ideal für eine Umgebung nach Montessori | Bild: Gettty

Eine wichtige Umgebung für die Kinder ist natürlich ihr eigenes Zimmer. Wie sieht dieses idealerweise nach Montessori aus?

Die vorbereitete Umgebung ist eines der tragenden Prinzipien der Montessori-Pädagogik. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass das Kind aktiv sein kann und sich so mehr und mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erobert.

Im Kinderzimmer besteht sie z.B. darin, dass alle Möbel und Gebrauchsgegenstände wie Regale, Tische, Stühle, usw. der Größe des Kindes angepasst sind. Das Bett ist so niedrig, dass es alleine ein- und aussteigen kann. Die Türklinke und Schränke haben einen zweiten, tiefer angebrachten Griff oder können mit einer Kordel am Griff vom Kind selbst geöffnet werden. Die Kleidung des Kindes befindet sich in Körben auf Regalen oder in Schubladen im unteren Bereich des Schrankes. Somit kann er oder sie sich selbstständig anziehen und seine Kleidung wegräumen.

Sorgen Sie für abwechslungsreiches, hochwertiges Spielzeug aus Naturmaterialien, dass dem Interesse (Montessori spricht von sensiblen Phasen) des Kindes entspricht. Alles sollte seinen festen Platz haben, denn dies erleichtert es dem Kind, Ordnung zu halten. Körbe oder Holzkisten mit Fotos des jeweiligen Inhalts helfen beim aufräumen. Vermeiden Sie allzu viele Spielsachen und zu grelle Farben. Achten Sie darauf, Bilder nicht zu hoch aufzuhängen! Begeben Sie sich am besten einmal auf Augenhöhe des Kindes und betrachten Sie aus dieser Perspektive das Kinderzimmer.

Diese Produkte machen den Alltag zu Hause kindgerecht:

Spielzeug nach Montessori besteht vorrangig aus Holz und natürlichen Farben | Foto: Getty

Der Alltag eines Kindes findet darüber hinaus ja auch in der gesamten Wohnung statt. Wie können Eltern andere Teile der Wohnung entsprechend gestalten?

Auch hier gilt: alle Gegenstände, die zu täglichen Verrichtungen nötig sind, müssen auf Kindergröße abgestimmt sein und griffbereit in niedrigen Schubladen, auf niedrigen Regalen oder im unteren Bereich von Schränken aufbewahrt werden. So können Kinder sich schon früh aktiv und sehr selbstständig am Familienleben beteiligen und sich in dieser vorbereiteten Umgebung z.B. in der Küche eine kleine Zwischenmahlzeit zubereiten, im Bad alleine die Zähne putzen, im Flur Jacke und Schuhe ohne Hilfe eines Erwachsenen nehmen und anziehen.

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Gespräche mit Kindern – So kommuniziert ihr richtig

Viele Gespräche mit Kindern verlaufen relativ einseitig: Eltern fragen, Kinder blocken oder antworten einsilbig. Christine Weiner arbeitet als Kindercoach und erklärt in ihrem Buch „Erzähl doch mal von dir!“ ebenso einfache wie einleuchtende Grundregeln für einen guten Dialog mit Kindern. Wir haben uns von ihr ein paar Tipps geholt …

Wie bringt man Kinder zum Reden?

Christine Weiner: Das klingt jetzt völlig unspektakulär, aber ich glaube, es funktioniert, indem man Kindern die volle Aufmerksamkeit schenkt. Viele Erwachsene, und damit meine ich nicht nur die Eltern, sprechen zwar mit dem Kind, aber sind gar nicht wirklich dabei. Und Kinder merken das. Kinder haben – wie wir alle – feine Sensoren dafür, ob sich jemand wirklich für sie interessiert oder nicht.

Gerade nach der Schule oder dem Kindergarten will man doch wissen: Wie war es heute?

Ja, aber dabei ist wichtig, nicht einfach draufloszureden, sondern abzuwarten und mit dem Kind zu besprechen, ob es Zeit hat oder ob es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Wir würden ja auch nicht einfach auf einen Erwachsenen zugehen und anfangen zu reden, sondern vorab fragen, ob er oder sie zu einem Gespräch bereit ist. Wenn das passiert, dann ist die Chance auch relativ hoch, eine Antwort zu bekommen. Ich glaube, die meisten Abfuhren, die Eltern sich holen, haben damit zu tun, dass ihre Frage zum verkehrten Zeitpunkt kommt oder es beiden Seiten an Konzentration fehlt.

Woran kann es noch liegen, wenn Kinder nicht reden wollen?

Ich beobachte, dass viele Erwachsene und Eltern das Gespräch mit Kindern vor allem dann suchen, wenn sie etwas klären wollen. Also wenn etwas „so nicht geht“ oder „anders zu gehen hat“. Die Sätze beginnen dann auch oft mit „Wir sollten mal“ oder „Wir müssten“. In jedem Fall wird dem Kind schnell klar, dass damit keine positive Nachricht verbunden ist. Es kommt in meiner Praxis leider ganz selten vor, dass Erwachsene auf ein Kind zugehen und sagen: „Du, ich will mal mit dir reden, weil ich dir schon die ganze Woche sagen wollte, wie süß ich dich finde.“
Wenn Kinder mitbekämen, dass eine Rückmeldung auch positiv sein kann, dann würden sie auf Gespräche allgemein nicht so ablehnend reagieren. Warum aber sollen sie sich freudig darauf einlassen, wenn es dabei  mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit um ein Maßregeln, ein Verbot, eine Zurechtweisung geht? Natürlich hört man da weg, schaltet ab oder reagiert grummelig.

Manchmal wollen Kinder über Sachen nicht sprechen, zum Beispiel wenn die typischen Elternfragen über die Schule kommen. Sollen Eltern das akzeptieren oder versuchen, die Kinder umzustimmen?

Umstimmen wird nicht so einfach gehen. Und ich finde es auch wichtig, Kindern den Freiraum zu geben, Situationen in der Schule erst einmal mit sich selbst auszumachen. Denn daran wachsen sie. Aber wir haben natürlich auch die Verpflichtung, unseren Kindern beizubringen, wie das Zusammenleben funktioniert. Und es gibt immer wieder Situationen in Beziehungen, wo man über bestimmte Dinge nicht reden möchte, aber das Gegenüber – später ist es vielleicht der Partner, der Kollege oder der Vorgesetzte – zu Recht sagt: Ich muss das aber wissen, ich möchte es wissen, weil auch ich davon betroffen bin. Statt als Eltern zu bohren und nachzufragen, ist es besser, seinem Kind zu erklären, warum man es wissen will. Also: Geht es bei Fragen nach der Schule und den Noten um Kontrolle oder nur darum, gefragt zu haben? Oder will man es wissen, um an einer Entwicklung teilzuhaben?

Das heißt, Eltern sollten nicht einfach aus Gewohnheit „Wie war’s in der Schule?“ fragen.

Genau. Bevor ich einem Kind eine Frage stelle, sollte ich mich als Erwachsener erst einmal selber fragen: Warum will ich das wissen? Was ist meine Motivation? Wenn ich nur möchte, dass ein Kind abnickt und sagt, es sei alles okay, damit ich mich möglichst nicht damit beschäftigen muss, dann kann ich mir die Frage auch sparen. Wenn es aber so ist, dass ich mein Kind wachsen sehen möchte, auch in seinen Entscheidungsspielräumen, dann kann ich ihm klarmachen, warum es mich interessiert. Ich kann mit ihm zusammen herausfinden, wie wir das am besten lösen: Ich will gern wissen, wie es dir geht. Ich verstehe, wenn dir das unangenehm ist und du meine Fragen nicht beantworten möchtest, sondern bestimmte Dinge für dich behalten willst, weil du „groß“ werden willst. Was können wir da machen? Können wir es vielleicht so lösen, dass ich dich nur zwei- oder dreimal die Woche anspreche und du mir dann etwas erzählst? Oder dass du vielleicht auch einmal von dir aus erzählst, weil du weißt, dass es mir wichtig ist?

Um so eine „kleine“ Situation wirkungsvoll zu verändern, braucht es vielleicht sogar mehrere Gespräche mit dem Kind. Sie erfahren eine ganze Menge von den Kindern, wenn Sie so ins Gespräch gehen, und bekommen viel wertvollere Informationen als nur die, ob die Hausaufgaben gemacht sind oder nicht.

In Ihrem Buch widmen Sie ein ganzes Kapitel den negativen Glaubenssätzen. Wie kann man diese bei Kindern umpolen?

Wenn ein Kind in der Schule keine guten Noten hat, ist es nicht hilfreich, ihm einzureden, es sei ein Bombenschüler. Wenn ein Kind sich unsicher fühlt, ist es auch wenig sinnvoll, es vom Gegenteil überzeugen zu wollen. Der Kniff für Situationen, wo ein Kind eine Annahme über sich selbst hat,
die nicht förderlich, nicht unterstützend, nicht wohlwollend ist, besteht darin, einen Anknüpfungspunkt zu finden, also: Wo hast du dich schon einmal sicher gefühlt? In welchem Fach in der Schule bist du gut?

Wenn ein Kind sagt: „Keiner spielt mit mir!“ und Sie dazu fünf Ausnahmen finden, dann stimmt der Satz nicht mehr. Dann lautet der Satz, den das Kind eigentlich sagen will: „Ich möchte, dass noch mehr Kinder mit mir spielen“, und den können Sie positiv aufnehmen, indem Sie fragen: Okay, wie könntest du das schaffen?

Können Sie uns drei Grundregeln nennen für Gespräche mit Kindern?

Präsenz, Respekt und eine wohlwollende Betrachtung der Situation. Letzteres bedeutet etwa, anzuerkennen, dass jeder Mensch in der Situation, in der er ist, schon das Beste gibt. Eine wohlwollende Betrachtungsweise meint auch, nicht das Kind zu maßregeln, wenn es vielleicht gerade trotzig ist und mit Sachen um sich wirft. Vielmehr sollte man erkennen, dass dem Kind in der Gefühlssituation, in der es gerade steckt, keine andere Möglichkeit bleibt, als so zu reagieren. Anstatt also zu sagen: Mein Kind ist trotzig und ungezogen, sollte man sich fragen: Wie kann ich meinem Kind zu einem größeren Handlungsrepertoire verhelfen, um solchen Situationen anders zu begegnen?

 

Reden mit Kindern, Christine Weiner
@ Timo Volz

Christine Weiner lehrt Kindercoaching und leitet Mentoring-Projekte an der Hochschule Mannheim. Daneben berät die erfahrene Pädagogin auch Eltern im Umgang mit ihren Kindern und begleitet als versierter Persönlichkeits- und Erfolgscoach viele Menschen bei ihrer Karriere und der Suche nach Erfüllung. Sie ist Autorin mehrerer Bücher. Zuletzt erschien von ihr „Erzähl doch mal von dir!“ (Ariston Verlag 2017, 16,99 Euro)
Mehr Erziehungstipps findet ihr hier.

Fotos: Getty

Uhr lesen: So hilfst du deinem Kind, die Uhrzeit zu lernen

Die Uhr lesen zu lernen ist ein wichtiger Schritt für Kinder. Wenn sie euch ständig fragen „Wie viel Uhr ist es?“, ist es Zeit ihnen zu zeigen, wie sie die Uhr selber lesen. Hier kommen ein paar Tipps und Helfer, die nützlich sind, um mit euren Kindern zu üben.

Ab wann kann mein Kind Uhr lesen lernen?

Für alle die Eltern kommt irgendwann die Zeit, um den eigenen Kindern die Uhrzeit zu erklären. Sie wissen ja schon, dass es alles andere als einfach ist, aber ist es am Ende fast ein Muss, um das Kind zu mehr Selbständigkeit zu zu erziehen. Wann erkenne ich den richtigen Zeitpunkt? Eine die Grundvoraussetzungen zum Erlernen der Uhr ist das Erkennen der Zahlen von 1 bis 12. Dies ist von Kind zu Kind unterschiedlich, aber die meisten Kinder erreichen diese Fähigkeit erst zwischen dem 6. und 7. Lebensjahr. Auch entwickeln sie dann erst ein gewisses Zeitverständnis. Man kann trotzdem schon kurz vor dem Schuleintritt probieren und gucken ob es mit unseren Tipps klappt! Eine erste Armbanduhr ist also zur Einschulung das perfekte Geschenk.

Lernuhr selber basteln

Am Besten beginnt man damit, ein großes Ziffernblatt mit Zeigern zu basteln. So könnt ihr Uhrzeiten einstellen und eurem Kind die Einzelteile der Uhr erklären. Für eine DIY Lernuhr  benötigt ihr festes Papier, Stifte, Schere und eine Musterklammer. Wenn ihr das Papier in Form von einem Kreis und von zwei Zeigern ausgeschnitten habt, dann könnt ihr die Zahlen von 1 bis 12 malen. Am Ende müsst ihr die Zeiger mit der Musterklammer befestigen… Et voilà, das Ziffernblatt ist fertig!

Lernuhr basteln

Lernuhr  kaufen

Wenn Euch (oder Euren Kindern) die kreative Ader fehlt, könnt ihr natürlich auch eine Lernuhr kaufen. Die folgenden sind nicht nur funktional, sondern auch sehr dekorativ.

Hier oben findet ihr unsere Favoriten in Thema Lernuhr. Mit einem coolen Design und einer Hingucker Optik passen in allen der modernen Kinderzimmer. Die einige mit Tafel sind natürlich einen Schritt voraus!

Uhr lernen in zwei Schritten

1. Der Unterschied zwischen großem und kleinem Zeiger

Zuerst wird erklärt, was die zwei Zeiger bedeuten. Der große Zeiger zeigt die „volle Stunde“, während der kleine Zeiger die Teile von dieser vollen Stunde anzeigt – die Minuten. Wichtig ist am Anfang bei dem 12 Stunden-Konzept zu bleiben, damit es für die Kinder nicht zu unübersichtlich wird.

2. Uhr lesen in halben Stunden und Viertelstunden

Wenn das Kind die „volle Stunde“ verstanden hat, dann ist es Zeit weiter mit Halb- und Viertelschritten zu arbeiten. Mit der Hilfe von dem gebastelten Zifferblatt zeigt ihr mit dem großen Zeiger auf die 2 und belasst den kleinen Zeiger auf der 6. So erklärt ihr, dass es immer „die halbe Stunde“ ist, wenn der kleine Zeiger auf der 6 steht. Dann lasst ihr es euer Kind selber machen und auch ansagen – erst „halb“ sagen, und dann die Zahl auf die der große Zeiger zeigt. Funktioniert auch in gleicher Weise für die Viertelstunden: erst zeigt ihr auf die 9 oder 3 und dann auf die Stunde. Mit dem Zusatz „vor“ oder „nach“ lernt euer Kind dann die Viertelstunden.

Sobald das Kind dies alles verstanden hat, lasst es die Uhr selbst einstellen und die Zeit ablesen. Es braucht bestimmt mehrere Tage um zu üben und wahrscheinlich verliert es auch mal die Lust. Wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Kind alles im Griff hat, dann könnt ihr euch an die Minuten machen. Es muss aber natürlich bis 60 zählen können!

Die Uhrzeit zu lernen: coole Helfer

Natürlich kann der ganze Prozess auf spielerische Art und Weise viel mehr Spaß machen. In der Tat kommen Bücher, Spielzeuge und sogar Apps zur Hilfe. Hier kommen unsere Lieblinge um die Uhr lesen lernen zu unterstützen!

Lern die Uhr mit Büchern

Diese Bücher bieten anschauliche Unterstützung auf dem Weg, die Uhrzeit zu lernen. Mit tollen Bildern und deutlichen Erklärungen sind sie geeignet für Kinder unterschiedlichen Alters.

Mit Spielen die Uhrzeit lernen

Noch unterhaltsamer wird das Lernen der Uhrzeit, wenn es auf spielerische Weise passiert. Zum Glück gibt es diese Spiele! Zwischen Puzzle und Lernspielen werden auch schon Kinder im Kindergartenalter an das Thema Uhr herangeführt.

Kinder und Handy – Unser Leitfaden für das erste Smartphone

Ob man es will oder nicht, immer mehr Kinder kommen mit ihrem Handy in Kontakt. Und es ist kein Geheimnis, dass selbst die jüngsten Kinder mit diesen Gereten sehr vertraut sind. Aber in welchem Alter wäre es richtiger, sie sie problemlos nutzen zu lassen? Und welche sind die richte Modelle? Folgend findet ihr alles, was ihr rund um das Thema wissen braucht.

Ab welchem Alter ist ein Handy für Kinder geeignet?

Das Handy ist ein Gerät, das einfach ein Teil unserer Zeit ist. Es ist daher schwierig, seine Verwendung einem Kind zu verweigern, das dieses Objekt immer in den Händen der Eltern sieht. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Technologien, die mit Kleinkindern in Kontakt kommen, nicht immer zu positiven Ergebnissen führen können. Eltern müssen daher in der Lage sein, das Smartphone mit Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit in das Leben ihres Kindes zu bringen. Ausgehend von der Annahme, dass Kinder bereits in jungen Jahren mit eurem Handy in Kontakt kommen, entsteht später eine erhöhte Nachfrage nach dem eigenen Smartphone. Sobald euer Kind anfängt, selbstständiger zu sein, stellt sich die schicksalhafte Frage: „Wann kann ich mein eigenes Handy haben?“.

Kein Handy für Grundschulkinder

Sicherlich wird die Frage von Kindern zu früh gestellt, denn ehrlich gesagt –  Grundschüler brauchen in der Regel kein Handy. Das Smartphone kann in der Tat eine riesige Ablenkung sein, nicht nur beim Lernen, sondern auch beim Wachstum. Wenn man zu viele Stunden mit dem Handy in der Hand verbringt, verliert man die Verbindung zur Realität und lebt nicht vollständig die Erfahrungen, die die Kindheit so schön machen. Wenn Eltern sich sicherer fühlen, wenn sie ihr Kind im Notfall erreichen können, ist ein „Notfallhandy“ sinnvoll.

Was ist ein Notfallhandy?

Diese Art von Mobiltelefon ist perfekt für kleine Kinder, da es robust mit großen Tasten und mit wenigen Funktionen ist. Notfallhandys können via GPS geortet werden, und sind mit einer Notfalltaste ausgestattet. Anrufen kann man diese Handys wie jedes andere aber für die Kinder stehen nur die von den Eltern gespeicherten Rufnummern zum Wählen zur Verfügung.

Handy für Kinder ab 10 Jahren

Wenn Kinder im Alter von 10, 11 oder 12 Jahren sind, kann man sich ein Handy ganz für sie allein vorstellen. Das Smartphone kann, wie das Tablett und der Computer, dank der speziell für Kinder entwickelten Apps ein hervorragendes Lernprogramm sein. Wichtig ist, dass man versucht, die Nutzungsdauer dieses Geräts zu begrenzen. Tatsächlich unterstreichen viele Studien, dass der verlängerte Gebrauch von elektronischen Geräten bei Kindern zu Konzentrationsschwächen, Gedächtnisverlust, Schlafstörungen und Aggressivität führen kann.

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Kindersicherung Apps

Sobald man einem Kind ein Handy gibt, entstehen tausend Zweifel und Fragen von den Eltern. Wie kann ich kontrollieren, was es tut? Welche Seiten wird es besuchen? Mit wem wird es online spielen? Die Welt der Technik ist spannend und beängstigend zugleich.  Um sicherzustellen, dass auch die kleinsten Kinder sie ohne Gefahr genießen können, sind Apps und Sicherheitssystemen eine gute Lösung. Hier sind einige von ihnen.

Spyzie

Spyzie hilft euch, auf eure Kinder aufzupassen und sie vor Pornografie, Online-Verbrechern, Cybermobbing und anderen Bedrohungen zu schützen. Ihr könnt iOS-Geräte überwachen und Anrufprotokolle, Nachrichten, soziale Aktivitäten und mehr speichern.

spyzie.com

Famisafe

Mit dieser App war die Überwachung des Smartphones eures Kindes noch nie so einfach. Ein einfacher Download reicht aus, um eine Echtzeit-Ortungsverfolgung, einen Web-Content-Filter, und eine Bildschirmzeitsteuerung zu erhalten.

famisafe.com

Salfeld

Dieses Betriebssystem ist sowohl für PC als auch für Handys erhältlich und ermöglicht es Ihnen, die Kleinsten mit Leichtigkeit zu schützen. Mit der Salfeld Android Kindersicherung könnt ihr euren Kindern eine sichere Surfumgebung innerhalb bekannter Browser Apps bieten. Ihr seid auch in der Lage ferner Zeitlimits und Sperrzeiten für das Gerät, für Apps oder Gruppen von Apps zu definieren.

salfeld.de

Apps zum Lernen

@the Good Evil GmbH (Squirrel&Bär)

 

Wer hat gesagt, dass Lernen kein Spaß macht? Mit dem Smartphone könnt ihr Kindern in der Lernphase mit Hilfe von bunten Anwendungen helfen, die einfach zu bedienen und auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind. Hier ein paar Beispiele.

Slice Fractions

Ein kleines Mammut spaziert durch die Welt, doch sein Weg wird immer wieder von Eis- und Lavablöcken versperrt. Aufgabe ist es, dem Tier den Weg frei zu machen. Dieses Problemlösungsspiel bietet eine spaßige Form zum Erlernen von Bruchrechnung. Dank der wissenschaftlich belegten Wirksamkeit des Spiels entwickeln Kinder Spaß an grundlegenden Mathekonzepten.

Die kleine Waldfibel

Diese App ist ein kostenloses Angebot des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Die Kinder können hier Spannendes und Wissenswertes über den Wald erfahren. Sie können auch dann Tiere und Pflanzen anhand gezeichneter Illustrationen bestimmen, Tierstimmen anhören und Baumhöhen messen.

Squirrel & Bär

Ist es Zeit, eine neue Sprache zu lernen? Kein Problem! Verpackt in eine liebevolle Abenteuergeschichte bietet Squirrel & Bär eine erste spielerische Kontaktaufnahme mit der englischen Sprache.

Außerdem haben uns die Autorinnen des Blogs Ene Mene Mobile noch 4 Lernapps für Kinder von Kleinkind bis Schulkind empfohlen.

Slider- und Teaserbild: @Unsplash

Entspannt bleiben: 10 Tipps für den Elternalltag

Unabhängig vom Alter der Kinder kann der Familienalltag sehr herausfordernd sein. Wir kommen an unsere körperlichen Grenzen und stehen auch mal kurz vor einem Nervenzusammenbruch – oder es passiert genau das. Wir geben 10 Tipps, die uns helfen, entspannte Eltern zu bleiben.

10 Tipps, wie Eltern im stressigen Alltag mit Kindern entspannt bleiben

Du bist nicht alleine

Es gibt keine Familie, in der die Kinder sich jeden Tag benehmen. Jede Familie hat ihre Höhen und Tiefen im Alltag und jedes Kind testet sich auf seine Weise aus. Beruhigend zu wissen, dass man nicht allein ist!

Langsam bis 10 zählen

So einfach, so gut! Wenn man merkt, dass man in der nächsten Sekunde explodieren möchte – innehalten und langsam bis 10 zählen… oder bis 20 🙂

Sauerstoff tanken

Wenn ihr ein Baby oder Kleinkind zu Hause habt und gerade niemand zu Hause ist, der auf das Kind aufpassen kann, schnappt euch den Kinderwagen und dreht eine Runde an der frischen Luft. Tief ein- und ausatmen wirkt manchmal Wunder!

 

So schön aufgeräumt sieht es mit Kindern selten aus… Bild: Getty

Perfektion gibt es nicht

Es ist wichtig, sich von dem Fakt zu verabschieden, dass der Alltag perfekt ablaufen oder dass die Wohnung glänzen muss. Es gibt viele Dinge, worauf wir im Alltag großen Wert legen, die letztlich eigentlich nur zusätzlichen Stress bedeuten. Perfektion ist ungesund und unnötig! Es ist okay, wenn etwas rumliegt, der Tisch nicht immer ordentlich ist, oder eine Ecke mal etwas unaufgeräumter ist. Das Kinderzimmer ist ein Kinderzimmer, Chaos ist okay!

Ausgeruhter, dank mehr Schlaf

Ha – und da müssen sicher viele Eltern von kleinen Kindern lachen. Und ja zugegeben, es klingt leichter, als es oftmals umzusetzen ist. Aber:

Fakt ist, Schlaf ist wichtig, das wissen wir alle. Versucht, ihn euch zu organisieren. Wenn man einen Partner an der Seite hat, kann man sich am Wochenende abwechseln und der eine schläft mal länger aus. Wenn man alleine ist, am besten mit dem Kind hinlegen. Klar, Wäsche und Co machen sich nicht von selbst, aber wichtig ist, gut ausgeruht zu sein um all das (inkl. dem restlichen Tag mit dem Kind) über die Bühne zu bekommen. Dann kann man abends auch mal eine Stunde Hausarbeit ranhängen, wenn man sich ausgeruht fühlt und ist in gewissen Situationen entspannter und nicht sofort gereizt.

Sich eine kinderfreie Zone schaffen

Wenn einfach nichts mehr geht, ist es wichtig ein Rückzugsort zu haben. Ein Ort, an dem kein Spielzeug rumliegt, wo Ordnung herrscht und man sich zurückziehen kann, um wieder runterzufahren! Da kommt auch wieder das Ein- und Ausatmen ins Spiel ;).

Eine Umarmung schafft vieles aus der Welt! Bild: Getty

Unsere Kinder sind Kinder

Wir müssen uns in die Lage unserer Kinder versetzen. Unsere Kinder sind Kinder. Sie sind Wesen, die nicht von alleine wie Erwachsene handeln. Nicht mal wir Erwachsene verhalten uns ausnahmslos korrekt miteinander, oder? Kinder müssen lernen, sie wollen lernen und dabei müssen sie Grenzen austesten. Wenn wir das annehmen, fällt uns auch leichter zu akzeptieren, wenn das Kind das nächste Mal Quatsch macht.

Musik an und lostanzen!

Bei vielen klappt es wirklich: Dreht eure Lieblingsmusik auf und tanzt los. Das befreit und zaubert bestimmt auch euren Kids wieder ein Lächeln ins Gesicht. Vielleicht ergibt sich daraus auch ein toller Moment für die ganze Familie und ihr tanzt plötzlich alle zusammen durch die Wohnung. Mal einen Moment alle Sorgen vergessen!

Zeit zu zweit und Zeit für sich allein einplanen

Je ausgeglichener man ist, desto mehr kann man in stressigen Situation entspannter reagieren. Wichtig ist, sich selbst und den Partner nicht zu vergessen. Zeit für sich selbst, auch wenn man Eltern von einem Baby ist, ist enorm wichtig. Wir sprechen hier nicht von einem Wochenende am anderen Ende der Welt. Es geht vielmehr darum, sich kleine Pausen im Alltag für sich einzuräumen, wenn das Baby sich kurz allein beschäftigt, das Kleinkind anfängt im Zimmer allein zu spielen. In dieser (wenn auch kurzen Zeit) einen Kaffee oder Tee machen, sich vorher im Kiosk die Lieblingszeitschrift besorgen – ein paar Minuten Zeit für ein anderes Thema, das nichts mit Mama- oder Papasein zu tun hat.

Abgesehen davon, auch während der Stillzeit, Hilfe von Freunden und Familie annehmen und Zeit zu zweit verbringen (wichtig: Hilfe annehmen!!!). Für diese Zeit Milch abpumpen. Ein paar Stunden draussen tun so gut. Erfahrungsgemäß braucht es Zeit, bis man mit den Gedanken wirklich nur bei sich und dem Partner ist. Anfänglich denkt man viel an das Kind zu Hause. All das ist ein Prozess, aber es tut gut, auch mal Hand in Hand allein durch die Strassen zu laufen.

Eine Umgangliste mit größeren Kindern erstellen

Wenn ihr größere Kinder habt, kann es helfen, gemeinsam eine Liste zu erarbeiten. Alle sammeln sich zusammen und reden darüber, was man sich von dem anderen im Umgang miteinander in einer Streitsituation wünscht bzw. was man nicht möchte. Die Liste wird aufhängt und bekommt einen Platz, wo sie immer gesehen wird.

Lesetipp!

„Der erste Schritt ist zu erkennen, was sich gerade in dir abspielt. Und dann: Surf die Welle!“ Zitat aus dem Buch „Mama, nicht schreien!“ @Jeannine Mik, Sandra Teml-Jetter /Kösel Verlag

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, sich Zeit für neue Impulse für das eigene Verhalten zu nehmen und sich selbst zu hinterfragen. Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter schreiben in ihrem neu erschienen Buch „Mama, nicht schreien!“ darüber, wie man in Stresssituationen und Wutausbrüchen bei Kindern liebevoll bleiben kann. Sie geben Tipps, woran wir als Eltern arbeiten müssen. Es liegt auf der Hand, ein liebevoller Umgang miteinander beugt stressigen Situationen vor.

Impulse für einen liebevollen Umgang in herausfordernden Situationen

Das Buch enthält zahlreiche Impulse, Übungen und zeigt Gedanken auf, die von der Leserin und dem Leser durchdacht und reflektiert werden sollen. Es hilft dabei, dass Eltern letzlich so reagieren, wie sie es sich eigentlich von sich selbst wünschen und nicht so, wie sie es gegenteilig zu dem aus ihrer Wut heraus oftmals tun.

-„Mama, nicht schreien!“ von Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter ist im Kösel-Verlag für 16,00€ erhältlich.

ISBN: 978-3-466-31113-2

Slider/Teaserimage: @Gettyimages

 

10 Möglichkeiten, deinem Kind ein positives Körpergefühl zu vermitteln

Wie bringt man seinem Kind ein positives Körpergefühl bei? Mit dem Einfluss von sozialen Medien wie beispielsweise Instagram, ist diese Frage wichtiger denn je geworden. Wir zeigen dir 10 Tipps, wie dein Kind lernt sich wohl zu fühlen und seinen Körper zu akzeptieren.

Viele Studien zeigen, dass eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper sowie ein gutes Körpergefühl zu einem erfüllten Leben beitragen. Doch wie ist das möglich, mit dem Einfluss von Werbung und sozialen Netzwerken? Bilder von vermeintlich perfekten Menschen zeigen uns jeden Tag, dass wir entweder zu dick, zu dünn, zu klein oder zu durchschnittlich sind. Konsumenten werden mit utopischen Anforderungen und Erwartungen konfrontiert, an denen auch wir Erwachsene scheitern – wie sollen dann Kinder und Jugendliche damit umgehen?

Als Eltern möchte man sein Kind am liebsten davor schützen. Ab einem bestimmten Alter wird es jedoch schwierig, es ganz von Werbung und Internet fernzuhalten. Neue Medien sind Teil unseres Alltags geworden, so sind präventive Maßnahmen, wie das vermitteln von Medienkompetenzen für den verantwortungsvollen Umgang der beste Schutz davor. Beispielsweise könnt ihr das körperliche Bewusstsein eurer Kinder stärken und sie auf verzerrte und meist realitätsferne Bilder im Fernseher und Internet vorbereiten. Genauso wichtig wie es ist, Kindern frühzeitig beizubringen „Dein Körper gehört dir!“, so ist es ebenso wichtig Kindern zu zeigen, dass sie sich selbstbewusst, stark und wohl in ihrer eigenen Haut fühlen dürfen.

Hier sind 10 Tipps, wie du deinem Kind ein positives Körpergefühl vermittelst:

1. Sprich nicht schlecht über den Körper anderer

Wenn Kinder hören, wie Erwachsene schlecht über den Körper anderer Menschen reden, dann projizieren sie das ganz schnell auf sich selbst. So zeigt der Blick in den Spiegel meist nur ihre körperlichen Defizite. Du solltest dir immer bewusst sein, wie du vor deinen (und allen anderen) Kindern über Körper redest, denn Worte haben ganz schön viel Macht. Abschätzige Kommentare sollten vermieden werden und das Thema bestenfalls nicht zu Hause besprochen werden.

2. Kritisiere nicht deinen eigenen Körper

Den eigenen Körper vor Kindern schlecht zu reden kann schädlich sein. Wer ständig an sich zu mäkeln hat, vermittelt kein gesundes Körpergefühl an das Kind. Als Mama oder als Papa solltest du zeigen, dass jede Körperform es wert ist, respektvoll behandelt zu werden.

Unterschiede zu erkennen und als normal zu empfinden, ist ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einem positiven Körpergefühl. | Bild: Gettyimages

3. Zeig, dass es nicht nur die eine Körperform gibt und dass Vielfalt gut ist!

Egal ob groß, klein, breit, schmal, dick oder dünn – uns Menschen gibt es in allen Körperformen und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Sprich positiv mit deinen Kindern über alle Körperformen. So erlaubst du ihnen und dir selbst sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Und wenn man mal ehrlich ist: meistens findet man Menschen schön wegen ihrer Ausstrahlung, dem Humor oder ihrem Lächeln unabhängig von Größe oder Körperform.

4. Lege den Fokus auf innere, nicht auf äußere Werte

Klingt logisch, ist es auch: Wenn man ständig über Aussehen und Äußerlichkeiten spricht, lernen Kinder, dass es auf die äußeren Werte ankommt. Die Frage ist nur, ob man das auch vermitteln möchte, denn es gibt weitaus wichtigere Dinge im Leben. So ist es wichtig mit Kindern über Werte zu sprechen, die nichts mit ihrem Körper zu tun haben, wie beispielsweise verantwortungsvoll oder empathisch zu sein.

5. Sprich darüber, was unser Körper alles kann

Anstatt sich auf das Aussehen unseres Körpers zu konzentrieren, sollten wir darüber nachdenken, zu was er eigentlich fähig ist. Zähle mit deinem Kind all die Dinge auf, die unser Körper für uns tut und dir wird selber wieder bewusst wie wertvoll er ist.

6. Sei ein Vorbild bei gesunder Ernährung und Bewegung

Für deine Kinder bist du ein Vorbild, deshalb lebe deine eigenen Werte bewusst vor. Mache dir nicht ständig Gedanken um die Essgewohnheiten deiner Kinder. Sie lernen von dir und deinem Partner wie man isst und sich bewegt. Was in deiner Macht liegt: ihnen einen gesunden Lebensstil vorleben und sie zu Hause mit gesundem Essen versorgen.

7. Setze auf intuitives Essen statt Verbote

Ermutige dein Kind dazu, auf die Bedürfnisse seines eigenen Körpers zu hören. Wann bin ich voll? Wann habe ich Hunger? Worauf habe ich Lust? Schreibe deinen Kindern nicht vor, was sie nicht essen und wie oft sie sich bewegen sollen. Wenn ein Kind lernt auf seinen Körper zu hören und obige Fragen selbst beantworten kann, dann ist es nicht mehr notwendig das Essen in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen. Dein Kind soll mit einem gesunden Essverhalten aufwachsen und sich nicht große Gedanken machen müssen.

8. Sprich mit Freunden und Familienmitglieder über Body-Positivity

Je mehr, desto besser, desto effektiver. Tausche dich mich Freunden und Familie aus, wie man Kindern ein positives Körpergefühl vermitteln kann.

9. Achte auf den Medienkonsum deiner Kinder

Kinder werden ständig mit Medien konfrontiert, welche die heutigen Schönheitsideale wie „Kim-Kardashian-Po“, Oberschenkellücke und co. zeigen.  Schaut euch Fernsehprogramme oder Serien an, welche die Vielfalt der Körperformen zelebrieren und vermeidet Programme, die sich auf das Aussehen reduzieren.

10. Rede über erfolgreiche Menschen, die nicht einem Schönheitsideal entsprechen

Zeige deinem Kind Persönlichkeiten, die Großes geleistet haben, sei es in Wissenschaft, Politik oder Sport. So lernt es, dass es nicht auf bestimmte Schönheitsideale ankommt und dass man alle Menschen wertschätzen sollte, unabhängig von ihrem Aussehen.

 

Dein Kind fragt schon nach den Blumen und den Bienen und vielleicht ist es Zeit für die Aufklärung, aber wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt?

Aufklärung – Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Dass Kinder im Alltag unzählige Fragen stellen und über alles und jeden Bescheid wissen wollen, ist bekannt. Gerne gebe ich tagein, tagaus zu jedem Thema Auskunft und freue mich über die Wissbegierigkeit meiner Kleinen. Dass meine vierjährige Tochter mich auf dem Weg zum Einkaufen ohne ersichtlichen Grund fragt, wie denn die Babys in den Bauch kommen, hat mich das erste Mal seit langem zögern lassen.

Selbstverständlich ist das eine ganz natürliche und legitime Frage, doch ehrlich gesagt habe ich erst später damit gerechnet und mir war nicht sofort klar wie ausführlich ich darauf antworten sollte. Aber wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt für die Aufklärung und wie detailliert sollte man dabei vorgehen? Experten raten, möglichst früh mit der Aufklärung anzufangen – doch was heißt das?

Je früher desto besser

Zuerst sollte man damit beginnen, Aufklärung nicht als einmaliges Gespräch anzusehen, sondern als ständigen Bestandteil der Erziehung. Und auch, wenn Fragen rund um die Sexualität vielleicht seltener sind als andere und bei dem ein oder anderen Befangenheit auslösen, verdienen sie genauso wahrheitsgemäß beantwortet zu werden. Aufklärung kann von Anfang an beiläufig geschehen. Eine offene Gesprächskultur innerhalb der Familie ist die perfekte Basis dafür.

Wo komme ich her?

Ab zwei Jahren beginnen Kinder körperliche Unterschiede wahrzunehmen. Ab circa drei Jahren werden alle Themen rund um Zeugung, Geburt und Sexualität spannend. Sexualität hat auch immer etwas mit Herkunft zu tun. Genau deshalb ist dieses Thema für kleine Kinder schon so interessant. Da in dieser Zeit oft auch das erste Geschwisterchen unterwegs ist, fragen sich natürlich schon Kindergartenkinder, wie das funktioniert und stellen entsprechende Fragen. Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um mit einer altersgemäßen Aufklärung zu beginnen.

Spätestens, wenn ein Geschwisterkind unterwegs ist, stellen Kinder die ersten Fragen | Foto: Getty Images

Dem stimmen auch Almut Weise und Andreas Ritter, Diplom Sozialpädagogen & Sexualpädagogen bei pro familia, zu: „Kinder entdecken ihren Körper und die Welt. Unterstützt die Neugier eurer Kinder mit Informationen und altersgerechten Büchern und überlegt, welche Themen ihr mit euren Kindern besprechen möchtet, bevor sie Informationen von anderen erhalten. Kinder interessiert das Thema mit all seinen Facetten: Wo komme ich her? Wie kann ich ein Geschwisterkind bekommen? Warum haben die Eltern Haare im Intimbereich? Was ist der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen? Warum hat ein anderes Kitakind zwei Mütter oder Väter? Kann ich selber später Mutter oder Vater werden? usw.“

Kinder haben von Natur aus ein entspanntes Verhältnis zu ihrem Körper und zu Sexualität, weshalb man sie problemlos mit den wichtigen Informationen füttern kann. Das Beantworten der Fragen sollte nicht vertagt werden, da sonst das Gefühl entsteht, dass solche Themen unangebracht sind. Eltern dürfen dabei ihre Erwachsenensexualität nicht mit der kindlichen Sichtweise auf das Entdecken des Körpers vergleichen und sollten offen und ehrlich reagieren.

Wissen schafft Sicherheit und Vertrauen

Aufklärung dient nicht nur dazu, Kindern wichtige Eckdaten zum Thema Fortpflanzung zu vermitteln. Es geht viel mehr um einen selbstverständlichen Umgang mit Liebe und Sexualität und ein positives Körpergefühl. Es ist wichtig, dass Kinder frühzeitig einen selbstbewussten Umgang mit ihren Gefühlen und ihrem Körper lernen. Dieses Erfahren von dem was einem gefällt und was nicht, ist besonders relevant, um auch klare Grenzen festlegen zu können. Gerade bei Kleinkindern ist dies der perfekte Zeitpunkt um wichtige Werte zu vermitteln und auch Gefühls- und Liebesaspekte mit einzubringen.

Weise fordert Eltern auf, sich ausführlich mit der Thematik Selbstbestimmung zu beschäftigen: „Das Thema Grenzen ist oft schwer zu vermitteln. Es ist gut, Kinder auch im Alltag immer wieder zu bestärken ihre eigenen Grenzen zu wahren und nein sagen zu dürfen (dies gilt z.B. auch für das „Küsschen für die Oma“). Auch Kinder immer wieder aktiv zu ermutigen ihre Gefühle und Empfindungen zu benennen, trainiert sie in ihrer Wahrnehmung von Situationen. Wichtigster Aspekt in der Prävention ist es also ihre Kinder selbstbewusst, stark und mündig zu erziehen. „

Spielerisches Entdecken mit gleichaltrigen gehört dazu

Das Vorschulalter ist auch das Alter der „Doktorspiele“. Diese gehören zur natürlichen Entdeckung des Körpers – auch den von anderen – dazu und können gelassen hingenommen werden. Ist einmal alles erkundet, sind diese meist auch wieder uninteressant. Dieses Erforschen ist Zeichen einer gesunden psychosexuellen Entwicklung. Zusätzlich lernen Kinder dabei ihre eigenen Grenzen kennen und die der anderen zu respektieren, da sich im Alter zwischen drei und sechs Jahren auch das Schamgefühl beginnt zu entwickeln.

Kinder haben von Natur aus ein entspanntes Verhältnis zu dem Thema | Foto: Getty Images

„Kinder merken in ihrer Entwicklung, dass es erstmal zwei Geschlechter gibt und das macht sie neugierig. Manche Kinder befriedigen ihre Neugier durch Bilderbücher, andere finden Körpererkundungsspiele interessanter. Dieses Untersuchen unter gleichaltrigen Kindern ist Teil einer normalen Entwicklung. Wie immer gilt, wenn ich mir als Eltern Sorgen mache, kann ich wie bei jedem anderen Spiel auch, mit Kindern Regeln vereinbaren“, empfiehlt Ritter.

Was ist, wenn man vom Kind in flagranti erwischt wird?

Auch auf diese Frage wissen die Experten eine Antwort: „Beim Sex erwischt zu werden kann ganz schön peinlich sein. Kinder verstehen aber meist nicht was da überhaupt passiert und können die Situation nicht einordnen. Gut ist es mit Kindern danach das Gespräch zu suchen und ihnen zu vermitteln das alles in Ordnung ist und es eine schöne Situation für die Eltern war (je nach Alter z.B., dass sich die Eltern lieb gehabt haben).“

Aufklärungsbücher für Kleinkinder sinnvoll

Aufklärungsbücher sind sehr gute Hilfsmittel um mit seinen Kindern das Thema zu besprechen. Diese ermöglichen dem Kind das Tempo vorzugeben und in direktem Dialog mit den Eltern alle aufkommenden Fragen zu besprechen. Wichtig ist ehrlich und richtig zu antworten und auch Unklarheiten dem Kind gegenüber zuzugeben. Schon 4-jährige dürfen wissen, dass der Penis in die Scheide der Frau gesteckt wird, damit ein Baby entstehen kann.

Anhand von Bilderbüchern lassen sich viele Fragen anschaulich beantworten | Foto: Getty Images

Almut Weise meint dazu: „Kinder brauchen kurze und kindgerechte Informationen. Zu viele Details sind für Kinder oft eine Überforderung. Überlegen sie was eine möglichst einfache Antwort ist. Auf die Frage wie ein Kind in den Bauch kommt kann man z.B. einfach antworten, dass dies passiert wenn sich ein Mann und eine Frau ganz lieb haben. Kinder mit mehr Interesse werden zu einem anderen Zeitpunkt oder direkt nachfragen. Falls man gerade keine gute Antwort parat hat, ist es auch in Ordnung zu sagen, dass man sich etwas überlegt und später eine Antwort nachliefert.“

Bei der Auswahl für das richtige Buch empfiehlt Ritter in einen Buchladen zu gehen und das Angebot zu sichten: „Das Buch muss zur jeweiligen Familie und deren Bedarf passen. Es gibt Bücher die sehr direkt sind, andere sind bildhafter und gerade bei Kleinkindern müssen sich ja auch die Eltern beim Vorlesen oder erklären der Bilder wohl fühlen.“

Aufklärung ist nicht nur Elternsache

Das Aufklärung etwas natürliches ist, zeigen eindrucksvoll auch unsere Nachbarn in Dänemark. Jedes Jahr findet dort eine ganze Woche der Sexualaufklärung statt, die als „Sex Woche“ für alle Altersgruppen bezeichnet wird. Eltern und Lehrer erhalten Informationen, die ihnen helfen, mit ihren Kindern zu kommunizieren und werden bei der Aufklärungsarbeit unterstützt.

Weise hält es für wichtig, dass Kinder verschiedene Anlaufstellen haben: „Aufklärung findet nie in einem Aufklärungsgespräch statt, sondern ist ein Mosaik aus ganz verschiedenen Informationen. Kinder lernen viel durch Beobachtung von Männern und Frauen im Alltag. Gut ist es wenn Kinder verschiedene Ansprechpartner*innen haben und viele Kitas haben bereits ein Konzept zum Thema Sexualaufklärung. Auch in den Lehrplänen der Schulen findet sich dieses Thema wieder. Dies ermöglicht es den Kindern vielfältige Lebensmodelle kennen zu lernen und kann auch Eltern, denen das Sprechen über Sexualität schwer fällt entlasten.“

Was tun bei Befangenheit?

„Gehen Sie authentisch mit Ihrer Unsicherheit um. Kinder merken sofort, wenn etwas „seltsam“ ist. Kinder, die keine Antworten bekommen oder merken, dass die Stimmung schlecht wird, werden in Zukunft nicht mehr fragen. Bücher für die Kinder können eine Unterstützung sein oder auch ein Beratungsgespräch für die Eltern bei einer Fachstelle wie pro familia kann helfen Unsicherheiten abzubauen“, raten die Pädagogen.

Allgemein gilt: Wenn Eltern ihren Kindern vermitteln, dass ein offener Umgang mit der Thematik normal ist, werden diese auch später keine Hemmungen haben, mit ihren Fragen auf die Eltern zuzukommen. Gerade zu Beginn der Pubertät, wenn viele Fragen rund um Sexualität und Verhütung aufkommen, ist dann eine gute Basis vorhanden, um alle relevanten Themen miteinander besprechen zu können.

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Bilder: Getty

Erziehung in Frankreich – Sind Französinnen die besseren Mütter?

Haben französische Eltern ein Geheimrezept? Oder ist es nur ein moderner Mythos, dass Erziehung in Frankreich besser funktioniert? Unsere Autorin lebt mit Mann und Tochter seit langem in Paris und räumt mit einigen Vorurteilen auf.

Von Doris Barbier

Als die ehemalige Justizministerin Rachida Dati vier Tage nach der Geburt ihrer Tochter in High Heels und gertenschlank durch das Eingangsportal des Élysée-Palastes zur Ministerratssitzung stolzierte und lächelnd vor der Fotografenriege posierte, schwirrten mir ganz plötzlich unzählige völlig unkontrollierbare Gedanken durch den Kopf. Ich stellte mir kurz die Frage: „Sind Französinnen vielleicht doch die besseren Mütter?“ Und genauso schnell schoss mir eine – vorsichtig formulierte – Antwort durch den Kopf: „Ich wage es zu bezweifeln!“

Erziehung in Frankreich
Rachida Dati, ehemalige Justizministerin und Sprecherin von Nicolas Sarkozy, sorgte 2009 für Schlagzeilen als sie nur vier Tage nach der Geburt ihrer Tochter Zohra an ihren Arbeitsplatz zurückkehrte. @gettyimages

Auch in Frankreich sinkt die Geburtenrate

In Frankreich, wo die Geburtenrate seit Jahren europaweit weit vorne liegt, herrscht leichte Panikstimmung: Seit 2015 werden weniger Kinder geboren, heute liegt die Rate bei 1,88 Kindern pro Französin. Trotzdem gilt es hier immer noch als absolut normal, dass frau drei Monate nach der Geburt – 87 Prozent aller Französinnen entbinden übrigens mit Periduralanästhesie – wieder am Schreibtisch sitzt und das Baby abgestillt ist. Dass der frischgebackene Erdenbürger mit Petit-Bateau- oder Bonton-Höschen ausgestattet ist, gehört ebenso zum normalen Szenario wie die Tatsache, einen bilingualen Babysitter für abends engagiert zu haben, um mit seinem Chéri, dem Kindesvater, genau wie vor der Geburt einmal wöchentlich ein neues Gourmetlokal zu testen (ich spreche für Paris!).

Ersteres habe ich geschafft, bei Punkt zwei bin ich gescheitert. Was auch noch absolviert werden muss, bevor man in den Berufsalltag zurückkehrt: ein Thalassotherapieaufenthalt am Atlantik (Bretagne oder Normandie) mit Beauty-Treatments für junge Mütter. Auch da musste ich persönlich passen, ich fand den Alltag mit meinem Baby viel spannender und hätte Schlammpackung & Co. vor Sehnsucht und wegen tiefer Schuldgefühle ohnehin nicht genießen können. Generell gilt: Schuldgefühle sind der Französin fremd.

Erziehung in Frankreich: Wo liegt der Unterschied?

Die in Paris lebende amerikanische Schriftstellerin Pamela Druckerman hat vor ein paar Jahren mit ihrem amüsant geschriebenen Erlebnisbericht „French Children Don’t Throw Food“ einigen Staub aufgewirbelt. Die ehemalige Wallstreet-Journal-Korrespondentin lebt mit ihrem britischen Ehemann und drei Kindern in Paris. In ihrem autobiografischen Buch lobt sie den Erziehungsstil à la française, der ihrer Meinung nach am heimischen Küchentisch beginnt. Warum werfen französische Kinder im Restaurant nicht mit Essen um sich, schlürfen mit fünf Jahren Austern, sagen immer höflich „Bonjour!“ und lassen auch ihre freiberuflich tätigen Mütter in Ruhe telefonieren? Und warum schlafen die Babys schon mit zwei oder drei Monaten durch?

Laut Druckerman machen französische Eltern einiges anders und manches besser. Die Realität sieht ein bisschen anders aus und Pamela Druckerman ist womöglich auf einen Mythos hereingefallen: Auch in Paris sind Krippenplätze rar, zwei Drittel aller Kinder unter drei Jahren werden zu Hause betreut, von der Oma, der Mutter (gilt für alle Freiberuflerinnen) oder einer Tagesmutter. Die Hausarbeit wird in Frankreich in 90 Prozent aller Fälle von den Frauen verrichtet, 62 Prozent aller Französinnen mit Kindern unter sechs Jahren arbeiten Vollzeit, trotzdem ist noch heute die Kluft zwischen den Geschlechtern beim Gehalt besonders groß.

Im Gender Gap Index schneidet Frankreich noch schlechter ab als Deutschland

Der vom Weltwirtschaftsforum erstellte Gender Gap Index beweist: 2012 landete die „Grande Nation“ auf dem 57. Rang, Deutschland hingegen auf Platz 13. Die „neuen Väter“, die Windeln wechseln, Meetings vormittags ansetzen, zum Kinderarzt gehen oder gar abends kochen, gibt es kaum, und zwar aus einem ganz banalen und ziemlich unromantischen Grund: Die Working Dads bringen mehr Geld nach Hause als ihre Frauen. Ich wage sogar zu behaupten, was der Starphilosoph Bernard-Henri Lévy auch gerne ungeniert öffentlich postuliert: Frankreich ist eine Machonation. Frankreichs Paradeemanze Simone de Beauvoir („Memoiren einer Tochter aus gutem Hause“) hat offensichtlich gewusst, warum sie kinderlos geblieben ist.

Die Erziehung der Kinder übernimmt ab dem dritten Monat der Staat

Die Geheimnisse der Erziehung à la française kann ich dagegen etwas entzaubern. Französische Eltern lassen ihre Kinder auch mal schreien, um am nächsten Tag für den Arbeitsalltag fit zu sein, und bringen sie gezwungenermaßen auch mit Fieber in die crèche (Krippe), um ihren Job nicht zu verlieren. Was auch zum Kulturgut gehört und folglich, ohne mit der Wimper zu zucken, akzeptiert wird: Die Erziehung übernimmt im Alter von drei Monaten der Staat – zuerst das Personal in der Krippe oder die Tagesmutter, dann die Lehrer.

Französische Eltern haben wenig Zeit, Helikoptermütter sind rar

Meine Tochter war zehn Monate alt, als ich, damals noch im Angestelltenverhältnis und nicht wie heute freiberuflich tätig, wieder in den beruflichen Alltag einstieg und sie jeden Morgen schweren Herzens bei ihrer Tagesmutter ablieferte. Ich galt als Exot. Meine Freundinnen aus der Geburtsvorbereitung saßen schon längst alle wieder french manikürt im Büro und waren etwas besorgt um mich. Nur meine schwedische Freundin klopfte mir aufmunternd und solidarisch auf die Schultern. Fazit: Im Park sitzen wochentags nur Tagesmütter, wer etwas länger zu Hause bleiben will, fühlt sich schnell isoliert. In einem Land, wo der Satz der berühmten Kinderärztin und Psychoanalytikerin Françoise Dolto „Es ist nicht wichtig, wie viel Zeit man mit seinem Kind verbringt, sondern wie“ zum Evangelium gehört, sind Helikoptermütter rar.

Françoise Dolto ist es wiederum auch zu verdanken, dass in Frankreich auf den Dialog mit Kindern viel Wert gelegt wird. Konversation wird nicht nur bei Tisch großgeschrieben, sondern auch beim Arzt oder beim Kinderfriseur. Noch bevor sie sprechen können, werden Kinder in der Gesellschaft als vollwertige Gesprächspartner angesehen. Dolto, die den französischen Erziehungsstil in den 1970er-Jahren revolutioniert hat (alle meine französischen Freundinnen haben zumindest ein Buch von ihr im Regal stehen) und noch heute als DIE Referenz gilt, pflegte schon mit Neugeborenen heilende Gespräche zu führen und zu predigen: „Hört den Kindern zu, nehmt ihre Wünsche ernst.“

Erziehung in Frankreich
Bereits mit drei geht es in Frankreich in die Schule. Hier werden vor allem gutes Benehmen und Disziplin groß geschrieben. @Jay Boivin, gettyimages

In die Schule geht es bereits mit drei Jahren

Auch das französische Schulsystem unterscheidet sich vom deutschen. Im zarten Alter von drei Jahren heißt es in Frankreich erstmals „Schluss mit lustig“. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Esprit der École maternelle liegt Lichtjahre vom deutschen System entfernt. Der einzige gemeinsame Nenner ist die Tatsache, dass auch in der École maternelle Kinderlieder gesungen werden. Kleine Frenchies lernen mit fünf lesen, schreiben, rechnen. Für Eltern lautet die Devise generell „Eintritt verboten“. Sie müssen ihre lieben Kleinen am Eingangstor abgeben (um die Trennung zu vereinfachen). Meine Tochter konnte dem herkömmlichen System entrinnen. Wir (mein französischer Mann und ich) haben uns für die Montessorischule einige Straßen weiter entschieden. Eine weitere Kompromisslösung, die man als Ausländer in Frankreich zu schätzen weiß.

Der Alltag der Kinder in Frankreich ist komplett verplant

Franzosen sind Individualisten, eine zusätzliche Folge der frühen Abnabelung. Wer schon mit drei Monaten lernen muss, sich von Montag bis Freitag zwischen 8 und 18 Uhr gegen eine Horde anderer quäkender Leidensgenossen durchzusetzen, hat spätestens im zarten Alter von 18 genug vom Leben in der Gemeinschaft, wo man bekanntlich zurückstecken muss. Kann man irgendwie keinem übel nehmen, oder? Wenn man einen Blick auf den Stundenplan eines 14-jährigen Schülers wirft, bekommt man Schwindelgefühle.

Der Durchschnittsalltag eines Collégiens beginnt um 8 und endet um 18 Uhr, an manchen Tagen ist den Schülern nur eine halbe Stunde Mittagspause vergönnt. Am Nachmittag stehen nicht Sport oder Werken, sondern Deutsch, Physik oder auch eine Doppelstunde Geschichte auf dem Programm. Am Freitagnachmittag beispielsweise ist bei meiner Tochter eine Doppelstunde Mathe von 16 bis 18 Uhr angesagt. Und als Dreingabe stehen am Samstag jede Woche von 8 bis 12 Uhr Klausurarbeiten auf dem Stundenplan.

Wochenende bye-bye. Um Punkt sieben Uhr früh sitzen mein Mann und ich jeden Samstag startbereit und, ich gestehe, nicht immer voller Tatendrang mit ihr am Frühstückstisch. Ein bisschen elterliche Solidarität muss schon sein. Meine gut informierten deutschen, französischen und österreichischen Freundinnen wissen schon, dass ich notgedrungen zum Frühaufsteher geworden bin, und lassen ihre Handys beinhart abgeschaltet, nachdem ich einige Male naiv versucht hatte, mit der einen oder anderen morgens gegen halb acht Dinge zu besprechen.

Französische Eltern schätzen Disziplin und gute Noten

In die Schule meiner Tochter, eine stinknormale katholische Privatschule im historischen Maraisviertel, die abgeriegelt ist wie ein Gefängnis für Schwerverbrecher, kommt man übrigens nur rein, wenn der Pförtner das Carnet de Correspondance (Mitteilungsheft) gegengezeichnet hat. Die letzte Austauschschülerin meiner Tochter kam aus Berlin und war gelinde gesagt ein bisschen schockiert. Noch schockierter war allerdings meine Tochter beim Gegenbesuch, nachdem sie die Gepflogenheiten an der Berliner Schule entdeckt hatte. Ein helles, weit offen stehendes Gebäude, in das jeder, egal ob Lehrer oder Schüler, raus- und reindurfte, wie es ihm gefiel, ein Schulhof mit Rasen und echten Bäumen und eine Kantine, in der es Bioessen gab.

Das französische Schulsystem zeichnet sich durch seinen autoritären Charakter aus. Ziel ist nicht die Entfaltung der Fähigkeiten oder Talente des einzelnen Kindes (die Klassen sind groß, oft doppelt so groß wie in anderen OECD-Ländern), sondern das Erlernen sozialer Umgangsformen und guter Manieren, sprich: sich einzuordnen und im Unterricht nur dann zu melden, wenn man die richtige Antwort parat hat. Dies erklärt auch die mangelnden Fremdsprachenkenntnisse der meisten Franzosen.

Disziplin wird im Schulsystem der „Grande Nation“ großgeschrieben, französische Eltern stehen auf Drill und gute Noten. Nach dem Bac (Abitur) wartet die Grande école (Eliteschule). Am Wochenende sind die Boums (Partys) dafür umso „ausgelassener“. Aus sicherer Quelle hat man mir bestätigt, dass es nur harte Getränke und nichts zu essen gibt (auch für erprobte Trinker eine Herausforderung, geschweige denn für gestresste 15-Jährige).

Zu meiner Beruhigung halte ich mir immer vor Augen, dass in allen französischen Collèges ein Erste-Hilfe-Kurs abgehalten wurde. Und ich bin immer wieder über die Coolness der Gasteltern erstaunt, die an diesen speziellen Boum-Wochenenden prinzipiell das Weite suchen. Mir persönlich sind meine weißen Wände heilig. Bin ich egoistisch? Meine Tochter lebt noch. Sie ist 15, normalgewichtig, raucht nicht und trinkt ab und an mit uns zu speziellen Anlässen ein Gläschen Champagner. Sie will Medizin studieren, Spezialgebiet: Kinderpsychiatrie.

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7 Tipps, wie wir die Trotzphase überstehen

„Das geht auch wieder vorbei!“ hören Eltern oft, wenn sich ihr Kind momentan mitten in der Trotzphase befindet. Doch leider hilft dieser gutgemeinte Satz herzlich wenig, wenn sich der Nachwuchs gerade lautstark heulend auf die Straße wirft oder den halben Supermarkt zusammenbrüllt, weil es die gewünschte Eissorte nicht gibt. Wie wir mit halbwegs unbeschädigten Nerven die Trotzphase überstehen können und bei Wutanfällen und Zornausbrüchen gelassener bleiben? Wir haben ein paar Tipps für gesammelt.

Was ist nur mit den Kleinen los? Eben lagen sie noch zufrieden und fröhlich im Kinderwagen, ließen sich bespielen und bespaßen und im Zweifelsfall mit einem Keks beruhigen, und nun? Alles vorbei! Statt friedlicher Spielplatzbesuche gibt es Terroralarm im Sandkasten, wenn ein anderes Kind die Schaufel wegnimmt. Und wenn es nach Hause gehen soll, gibt es massive Proteste und Geschrei.

Trotzphase oder Autonomiephase nennen Entwicklungspsychologen diesen Abschnitt, der meist zwischen den zweiten und dritten Lebensjahr einsetzt und bis zum vierten oder fünften in der Regel vorbei ist. Er ist wichtig, weil Kinder ihre Grenzen austesten, ihren Willen ausprobieren, sich behaupten, aber auch lernen müssen, mit Enttäuschung und Frustration umzugehen.

Für Eltern ist die Trotzphase vor allem eine echte Geduldsprobe. Aber das hilft:

Tief durchatmen

Es klingt banal. Aber zwischendurch mal tief Luft holen und sich klarmachen, dass es vorbeigeht, hilft bei akuten Trotzanfällen. Das Kind brüllt gerade den halben Supermarkt zusammen? Egal. Das kennen sowohl andere Eltern als auch das Personal. Und es muss einem auch nicht peinlich sein. Schließlich liegt man ja nicht selber mit roten Kopf zwischen den Regalen und schreit wie am Spieß.

Stoisch bleiben

„Ja, du willst lieber noch auf dem Spielplatz bleiben, ich weiß. Aber wir gehen jetzt nach Hause.“ Stoisch bleiben und sich gar nicht erst auf Diskussionen einlassen, ist in so einem Fall das Beste. Das Kind darf gern äußern, dass es gern noch weiterspielen möchte – aber letzten Endes bestimmen die Eltern. Und das ist auch völlig in Ordnung.

Das Kind machen lassen

Selbermachen ist ebenfalls ganz wichtig in dieser Phase. Das Kind will unbedingt das Klettergerüst bezwingen? Lass es das versuchen! Bleib dabei und gib wenn nötig Hilfestellung. Aber lass es machen. Es will beim Kochen helfen und unbedingt am Herd stehen? Okay. Aber Vorsicht vor heißen Herdplatten. Kinder brauchen ein wenig Hilfe, aber wollen auch das Gefühl haben, etwas allein zu schaffen.

Klare Regeln formulieren

Je klarer Eltern in ihrer Sprache und ihrem Verhalten sind, umso leichter fällt es dem Kind, Regeln zu akzeptieren. Zum Beispiel beim Essen: Frag nicht ob dein Kind „vielleicht lieber“ dieses oder jenes haben will. Biete zwei Sachen an, es gibt das eine oder das andere. Und fertig. Deutliche Formulierungen und ein sicheres Auftreten sind ganz wichtig. Wenn Eltern selber unsicher sind, nutzen Kinder das aus.

Mit dem Partner an einem Strang ziehen

Ebenso wichtig ist, dass ihr euch mit eurem Partner einig seid und am selben Strang zieht. Es hilft nicht, wenn der Trotzkopf beim einen seinen Willen durchsetzt und beim anderen nicht. Da heißt es dann am Ende nur: „Mama ist eine doofe Kuh!“ oder „Bei Papa darf ich das aber!“ Sprecht euch ab, welche Regeln in jedem Fall gelten. Das ist gerade in der Trotzphase enorm wichtig.

Mit anderen Eltern reden

Ihr denkt, ihr seid die einzigen, die so ein kleines schreiendes Monster zuhause haben, dass euch in regelmäßigen Abständen fast zur Weißglut bringt? Weit gefehlt! Sprecht andere Eltern einfach mal offen auf die Trotzphase eures Kindes an und fragt, wie das bei ihnen so abläuft. Ihr könnt sicher sein, dass viele ähnliche Erfahrungen machen. Und offen reden und auch mal drüber lachen entlastet ungemein.

Sich Hilfe holen

Die Zornesaubrüche eures Kindes sind massiv, beängstigend oder wollen auch nach einigen Wochen noch nicht aufhören? Dann zögert nicht, euch auch professionelle Hilfe zu holen. Eurer Kinderarzt vermittelt euch an einen Kinderpsychologen, der in schweren Fällen während der Trotzphase mit Rat und Tat zur Seite stehen kann und auch mit eurem Kind spricht.

„Gelassen durch die Trotzphase“ von Annette Kast-Zahn (Coverfoto: GU)

Auch Ratgeber, wie beispielsweise das Buch „Gelassen durch die Trotzphase“ von Annette Kast-Zahn (erschienen bei GU, 12,99 Euro) helfen, diese heikle Phase besser zu überstehen.

Slider Bild:  Frank Mckenna on Unsplash

 

 

 

 

Emotionale Intelligenz: 6 Tipps, wie du sie bei deinen Kindern förderst

Emotionale Intelligenz bei Kindern ist für die Entwicklung entscheidend. Schließlich wollen wir Eltern, dass aus den Kleinen mitfühlende Erwachsene werden, die Probleme erkennen und selbständig lösen können. Wir haben mit der Bildungswissenschaftlerin Sibel Attili über den EQ gesprochen und haben sechs einfache Erziehungs-Tipps, wie ihr den EQ eurer Kinder fördern könnt…

Natürlich wollen wir, dass unsere Kinder in der Schule gute Noten schreiben. Doch zu einem erfolgreichen Leben gehört viel mehr. Bei Bewerbungsgesprächen fällt immer wieder der Begriff der „Emotionalen Intelligenz“. Emotionale Intelligenz beeinflusst die Gesundheit, das Glücksempfinden und letztlich auch den Erfolg im Leben viel unmittelbarer als gute Leistungen.  Ein hoher EQ sorgt für ein stabiles Selbstwertgefühl, was einen großen Anteil daran hat, sich zu einer selbstbewussten Persönlichkeit zu entwickeln. Außerdem sorgt emotionale Intelligenz dafür, dass man früh lernt richtig zu kommunizieren – was wiederum ein wichtiger Faktor ist für harmonische Beziehungen.

 

010Wir wollten wissen, wie wichtig emotionale Intelligenz für unsere Kinder ist, welchen Stellenwert sie in der Erziehung einnehmen sollte und haben Sibel Attili dazu befragt. Sibel Attili ist Bildungswissenschaftlerin und Diversity-Trainerin. Als Personal- und Managementberaterin gestaltet sie unter anderem Transformations- und Changeprozesse. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

LUNA: Was verstehen Sie unter emotionaler Intelligenz?

Sibel Attili: Die Begabung, wie wir mit uns selbst und anderen umgehen. Dazu gehören Mitgefühl, Kommunikationsfähigkeit und Höflichkeit.

Wie wichtig ist der EQ, also der emotionale Intelligenzquotient, in der Kindererziehung?

In der Erziehung ist emotionale Intelligenz deshalb wichtig, weil sie Kindern hilft, mit einer immer komplexeren Welt umzugehen. Sie fördert die gesunde Beziehung zu anderen Menschen, stärkt die eigene Belastbarkeit, fördert die Empathie und – ganz wichtig – bringt auch inneren Frieden. Wir lernen uns selbst wertzuschätzen und mit uns zufrieden zu sein. Das ist ein Problem in unserer gegenwärtigen Gesellschaft, dass immer mehr Menschen unter Selbstzweifeln, hohem Leistungsdruck und Burn-out leiden.

Reicht es, wenn man das als Eltern vorlebt, oder kann man emotionale Intelligenz mit Kindern trainieren?

Man kann sie gut lehren, indem man sie jeden Tag vorlebt. Es ist aber auch hilfreich, bestimmte Achtsamkeitsübungen zu Hause zu machen, also zum Beispiel sich gegenseitig zu beschreiben, wie es einem geht, was man fühlt …

Also die typische Elternfrage „Wie war dein Tag?“ stellen?

Wenn Sie Ihre Kinder das fragen, dann werden Sie nicht viel herausfinden. Viel besser ist es, Kindern intensive Fragen zu stellen, bei denen sie über die Antwort nachdenken müssen. Also zum Beispiel: Was hat dich heute zum Lachen gebracht? Oder: Welchen größten Fehler hast du heute begangen?

Wie man Gespräche mit Kindern richtig angeht, könnt ihr hier nachlesen.

Ab welchem Alter soll man damit starten?

Je früher, desto besser. Einige Eltern neigen dazu, Gefühle beiseitezuschieben, andere geben den Gefühlen zu viel Macht. Stattdessen sollten wir Gefühle als Information betrachten. Also statt mit Geschrei auf den Wutanfall des Kindes zu reagieren, lieber einmal kurz innehalten und sich fragen: Warum reagiert mein Kind jetzt so und was bewirkt das bei mir? Das hilft uns, über unsere Gefühle zu sprechen und damit umzugehen.

Können Sie uns drei schnelle Tipps geben, wie man emotionale Intelligenz im Familienalltag pusht?

Ein Tipp ist, wie gesagt, konkrete Fragen zum Tag zu stellen. Außerdem kann man sich beim gemeinsamen Abendbrot über den Gefühlsstatus austauschen, also die Gefühle auf einer Skala von eins bis zehn bewerten und das begründen. Kleinere Kinder können Tiere als Metaphern benutzen, also sagen „Ich habe mich heute gefühlt wie eine Maus,  weil …“ oder „Ich habe mich gefühlt wie ein Tiger …“. Kindern macht das Spaß und es hilft ihnen, ihre Emotionen zu verstehen und zu benennen. Und ein kleines Dankbarkeitsritual ist gut, etwa gemeinsam mit Saft auf einen schönen Tag anstoßen. Kinder lieben das und es stärkt ihren EQ.

Bild: privat; Aufmacher: Annie Spratt on Unsplash

So könnt ihr die emotionale Intelligenz Eurer Kinder fördern!

Gefühle erkennen und benennen

„Bist du wütend, traurig, enttäuscht?“ Ach, immer diese typischen Elternfragen. Doch gerade diese sind wichtig damit Kinder lernen, ihre Gefühle zu erkennen und sie auch zu benennen. Schon beim Angucken von Bilderbüchern kann man zusammen darüber reden, warum die Hauptfigur im Buch gerade traurig ist (Spielzeug verloren), oder wütend (bekommt nicht das, was sie will). Bereits Dreijährige verstehen diese Gefühlsregungen und entwickeln Empathie.

Fragen, die Empathie fördern:

  • Elena weint, siehst du das? Hast du eine Idee, warum sie weint?
  • Robert sieht sehr wütend aus. Was hat ihn wohl so wütend gemacht?
  • Du bist aufgeregt. Kannst du mir sagen warum?

Aussagen, die Empathie verhindern:

  • Stell dich nicht so an. Du hast gar keinen Grund wütend zu werden.
  • Hör auf zu heulen. So schlimm ist das nicht!
  • Reg dich nicht so auf. Dein Verhalten ist lächerlich!

Mit Gefühlen umgehen lernen

Negative Gefühle wie Wut, Ärger, Frustration, Enttäuschung aushalten können, dazu gehört eine ganze Menge. Auch hier ist der wichtigste Tipp für Eltern: Verständnis zeigen. Ein Kind für negative Emotionen zu kritisieren oder gar zu bestrafen, hat nur gegenteilige Auswirkungen. Allerdings heißt das nicht, dass wir Eltern jedes Verhalten akzeptieren müssen: „Ich verstehe, dass du dich ärgerst, aber schubsen geht nicht.“ Besser ist es zusammen mit dem Kind zu überlegen, was es in der Situation tun könnte.

Grundsätzlich sollten wir als Eltern die Botschaft vermitteln, dass jedes Gefühl in Ordnung ist, nicht aber jedes Verhalten rechtfertigt. Trotzdem sollten wir dabei auf das Alter des Kindes achten und nicht zu viel erwarten. Ein Dreijähriger kann nicht das gleiche Maß an Empathie haben, wie ein Sechsjähriger.

Misserfolge dürfen passieren

Ganz wichtig für die emotionale Entwicklung unserer Kinder ist, dass sie lernen mit Misserfolgen umzugehen. Es aushalten zu können, dass ein anderes Kind in Sport bessere Leistungen erzielt, ein Bild perfekter malen kann oder dass die eigene Mannschaft beim Fußball verliert, ist entscheidend für spätere Jahre.

Wenn ein Kind nicht die Leistung erbringt, die es von sich selbst erwartet, ist es natürlich traurig und enttäuscht. Was es jetzt braucht ist Trost und Zuspruch. „Du hast viel länger an dem Bild gearbeitet und hast dir wirklich Mühe gegeben. Das kann man deutlich sehen.“ oder „Du hast das Tor verfehlt, aber nur knapp. Lass uns nächste Woche üben, damit du beim nächsten Mal besser triffst“ – das sind Botschaften, die Kindern in dieser Situation helfen.

Zuhören fördert den EQ

Gehört und verstanden werden ist für Kinder jeden Alters wichtig. Auch wenn wir vielleicht den Wunsch, den es an uns heranträgt nicht sofort erfüllen können (oder wollen), sollten wir klar machen, dass wir zugehört haben. „Ich habe gehört, dass du jetzt ein Eis willst, aber vor dem Essen finde ich das nicht gut. Wir können eines zum Nachtisch essen.“ Wenn wir zuhören, zeigen wir unserem Kind Respekt. Das wiederum lehrt die Kinder Respekt, was ein wichtiger Faktor für den EQ ist.

In diesem Punkt können wir uns sehr viel vom dänischen Erziehungsstil abschauen. Mehr darüber erfahrt ihr in dem Interview mit Iben Dissing Sandahl, die das Buch „Warum dänische Kinder glücklicher und ausgeglichener sind“ geschrieben hat (erschienen im Mosaik Verlag).

Das Gute im Schlechten erkennen

Wir können auch negative Situationen umdeuten, indem wir unsere Einstellung dazu ändern. Das Fußballspiel ist wegen schlechtem Wetter gecancelt worden? Dann gibt es stattdessen eben einen Nachmittag mit Brettspielen. Alle Kinokarten sind schon ausverkauft? Dann machen wir es uns auf dem Sofa gemütliche mit einem Film und Popcorn.

Es ist genau diese Haltung, die wir unseren Kinder mitgeben und die es ihnen später erleichtert, mit stressbeladenen Situationen positiv umzugehen. Was außerdem positive Auswirkungen auf die Stimmung in der Familie hat ist, sich gegenseitig darauf zu verständigen, dass Klagen und Meckern ein No-Go sind. Situationen mit Humor zu nehmen und auf Meckern zu verzichten, wirkt sich sehr schnell auf die Zufriedenheit der Familie aus.

Emotionale Intelligenz

Kinder Freiheit erfahren lassen

Unsere Kinder werden beinahe rund um die Uhr betreut. Freies Spiel findet so gut wie gar nicht statt, da wir vielfach sogar die Freizeit organisieren und mit Playdates oder anderen Aktivitäten verplanen. Dabei stärkt nichts so sehr den EQ wie die Erfahrung von Freiheit.

Bring deine Kinder so oft wie möglich in die Natur, wo sie sich ausprobieren können, mit natürlichen Materialien kreative Spiele ausdenken und gegenseitig ihre Grenzen austesten können. Ein Waldkindergarten ist dafür zum Beispiel ideal.

Kinder brauchen keine von Erwachsenen angeleiteten Spiele oder Aktivitäten. Sind sie in der Gruppe, fallen ihnen die kreativsten Dinge ein: Hütten bauen, Detektiv spielen oder „verschollen auf einer einsamen Insel“… Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Je mehr Kinder die Möglichkeit haben solche Erfahrungen zu machen, desto mehr profitiert davon die Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz.

Noch mehr kinderleichte Erziehungstipps findet ihr hier.

 

Bilder: unsplash

Interview: Erfolgsautorin Kirsten Boie über Helikoptereltern
und selbstbewusste Kinder

Kirsten Boie ist eine der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Wir haben uns mit ihr über Erziehung, Helikoptereltern, über Fantasie und natürlich über das Schreiben von Kinderbüchern unterhalten.

Vor dreißig Jahren hat Kirsten Boie begonnen, Bücher für Kinder zu schreiben. Eigentlich hatte sie das gar nicht vorgehabt, doch ihren Beruf als Lehrerin konnte sie, nach Meinung des Jugendamtes, nach der Adoption eines Kindes nicht mehr weiter ausüben. Entweder Mutter sein oder arbeiten, lautete die strikte Vorgabe damals.

Also begann sie zu schreiben und hatte das Glück, dass sich schon nach dem Versenden der ersten Textproben der Oetinger Verlag bei ihr meldete und sie unter Vertrag nahm. Seitdem sind viele Bücher entstanden, die die deutsche Kinderbuchszene positiv geprägt haben. „Der kleine Ritter Trenk“, „Wir Kinder aus dem Möwenweg“, „Thabo Detektiv & Gentleman“ sind nur einige von Kirsten Boies bekannten Titeln.

Vor kurzem hat sie ihr neuestes Werk veröffentlicht: „Ein Sommer in Sommerby“. Darin geht es um drei Geschwister, die kurzfristig in den Ferien zu ihrer etwas schrulligen Oma müssen. Diese lebt ohne Mobiltelefon oder WLAN in einem idyllischen Haus an der Küste. Der Sommer wird für die Kinder so ganz anders als erwartet …

 

Was war die Idee zu dem Buch „Ein Sommer in Sommerby“? Es erinnert beim Lesen ein bisschen an ein modernes Bullerbü …

Kirsten Boie: Ja, vielleicht erinnert es nicht nur an Bullerbü, sondern – wenn man schon an Lindgren denkt – auch an Saltkrokan, das ja ebenfalls eine Feriengeschichte ist. Ich bin bekennender Astrid Lindgren Fan. Sollte es einen Autor oder eine Autorin geben, die mich geprägt hat, dann wäre das sicherlich sie und ich finde ihre Bücher bis heute großartig.

In meinem Buch „Sommerby“ hat die Landschaft eine große Rolle gespielt. Die Geschichte spielt ganz oben im Norden, nahe der dänischen Grenze an der Schlei in Schleswig-Holstein. Dort sind in den letzten zehn Jahren viele meiner Bücher entstanden und ich hatte das Gefühl, ich schulde der Gegend auch einmal ein Buch, nachdem ich ihr so viel verdanke. Ich habe irgendwann, als ich auf einem Steg stand, ein kleines Haus entdeckt, das genau so da lag wie das im Buch beschriebene Haus. Das fand ich sehr faszinierend.

Ich habe versucht mir vorzustellen, wer wohl so leben könnte und warum, und so bin ich auf die Figur der Oma gekommen, die ja eine große Rolle spielt. In so einem Haus, in so einer Gegend könnten Kinder einen Sommer erleben, wie er sonst nur noch schwer erlebbar ist. Einfach weil diese Oma so abgeschnitten von allen üblichen Kommunikationskanälen lebt, was die Kinder dann zwingt, plötzlich nur „wirklich“ und überhaupt nicht virtuell zu leben. Das ist heute nur noch selten der Fall und in der Geschichte konnte ich das schön durchspielen.

Die Oma in Ihrem Buch hat ganz andere Erziehungsprinzipien, als die Mutter der Kinder. Sie traut den Kindern auch viel mehr zu. Denken Sie das ist ein Generationenproblem?

Mein Eindruck ist tatsächlich, dass sich von Generation zu Generation das, was man den Kinder zutraut, immer weiter reduziert. Doch gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Kinder auf anderen Gebieten.

Früher durften Kinder problemlos alleine draußen spielen, das ist heute kaum noch der Fall. Auf Spielplätzen haben sich Eltern früher nicht eine Sekunde Gedanken gemacht. Das war ein Spielplatz, der war für Kinder geschaffen, da durften sie alleine bleiben. Oder der Schulweg ist ein wunderbares Beispiel, verbunden mit dem Argument, der Straßenverkehr hätte stark zugenommen, was ja längst nicht in allen Fällen stimmt. Es ist vielfach so, dass die Kinder heute einen viel weniger gefährlichen Schulweg haben als die Generation ihrer Eltern, aber trotzdem werden sie zur Schule gefahren.

Natürlich müssen Eltern darauf achten, dass ihre Kinder nicht in gefährliche Situationen geraten. Aber häufig könnten Kinder doch sehr viel mehr, als man ihnen zutraut und daraus könnten sie sehr viel Selbstbewusstsein schöpfen. Ich finde es fatal, wenn Kinder ihr Selbstvertrauen hauptsächlich aus schulischen Leistungen beziehen müssen.

Das ist nicht für alle gleichermaßen leicht. Während ein Leben, in dem man auch andere Dinge leistet, die Kinder stärkt – auch wenn sie etwas ganz Banales machen wie Geschirr abtrocknen, oder wie in dem Buch, wenn der kleine Mikkel die Hühnereier sammelt, damit alle abends etwas Vernünftiges zu essen haben. All das gibt Kindern das Gefühl: ich bin wichtig für meine Familie, ich leiste etwas, ohne mich müsste das jemand anderes machen.

Sie schreiben schon lange Kinderbücher. Was hat sich im Lauf ihrer Tätigkeit als Autorin an der Kindheit generell verändert?

Kirsten Boie, Kinderbuchautorin, @Indra Ohlemutz
Kirsten Boie schreibt seit 30 Jahren Kinderbücher; @ Indra Ohelmutz

Wie wir gerade besprochen haben: Ich glaube wir trauen unseren Kindern weniger zu. Was sich noch stark verändert hat, ist die Mediensituation. Das führt dazu, dass die Kinder schon von ganz jungem Alter an mit Tablets und Handys aufwachsen, mit allem was es da an technischen Möglichkeiten gibt.

Das ist nichts, was ich grundsätzlich ablehne. Ich nutze ja auch die sozialen Medien. Ich könnte nicht mehr ohne WLAN sein, da kriege ich Entzugserscheinungen. Doch all das bindet auch eine Menge Zeit. Und wenn man dann noch dazurechnet, wie viel Zeit für die Schule aufgewendet werden muss, bleibt für so etwas Altmodisches wie draußen spielen oder mit Freunden spielen kaum noch Raum. Das, glaube ich, ist die größte Veränderung im heutigen Kinderleben gegenüber früher.

Ich möchte ihnen das nicht wegnehmen, denn ich denke in dosierter Form ist das gut, aber ich würde ihnen zwischendurch auch jede Menge Realerfahrung wünschen und vielleicht durchaus mal so eine kleine Auszeit, wie die Kinder sie in meinem Buch haben konnten.

Welches Buch hat Ihnen bisher am meisten Spaß gemacht zu schreiben?

Das kann ich gar nicht sagen. Ich bin in der glücklichen Lage, nur zu schreiben, wenn ich Lust dazu habe und nur das zu schreiben, wozu ich Lust habe. Ich schreibe nicht auf Auftrag, ich schreibe einfach, weil ich etwas schreiben möchte und erst wenn ich fertig bin, bekommt mein Verlag das zu sehen. Das ist eine sehr privilegierte Situation.

Insofern ist jedes Buch, das ich bisher geschrieben habe, auch ein Buch, das ich mit Spaß geschrieben habe. Meine Bücher sind sehr unterschiedlich und ich glaube gerade das bereitet mir am meisten Spaß, dass ich immer wieder etwas völlig anderes schreiben kann, denn sonst wäre es mir nach über 30 Jahren sehr, sehr langweilig.

Ihre Kollegin, die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger sagte einmal, sie hätte unterschiedliche Schreibtische oder Plätze, wo sie an unterschiedlichen Büchern arbeiten würde. Ist das bei Ihnen auch so?

Nein, so viel Platz hätte ich gar nicht. Das könnte ich auch nicht. Ich habe zwar in der Regel mehrere Ideen und häufig fällt es mir schwer, mich zu entscheiden. Aber danach lebe ich doch zu sehr in der Welt der Geschichte. Häufig ist es so, dass ich weiter in der Geschichte bin, auch wenn ich gerade etwas anderes mache, wie kochen oder bügeln. Deshalb könnte ich gar nicht mehrere Texte gleichzeitig schreiben.

Jeder hat eine andere Technik …

Ja, und das ist auch toll. Ich glaube, wie Autoren eine Geschichte schreiben, ist sehr unterschiedlich. Ich habe einmal ein Gespräch mit Mirjam Pressler geführt, die eine großartige Autorin ist. Sie hat sich totgelacht als sie hörte, dass ich Geschichten vom Anfang bis zum Ende durchschreibe. Das fand sie etwas buchhalterisch. Sie dagegen hat eine tolle Idee oder eine Szene im Kopf, die sie aufschreibt und der Rest ergibt sich darum herum – zumindest hat sie das so erzählt.

Wenn Sie vor Kindern vorlesen, was wollen diese von ihnen wissen?

Auf Bücher bezogen wollen sie wissen, woher ich die Ideen habe. Und sie wollen wissen, was ich verdiene.

Beantworten Sie das?

Natürlich! Also ich sage ihnen nicht was ich im Jahr verdiene, aber ich erkläre ihnen sehr wohl, was ich an einem Buch verdiene und warum mein Anteil so gering ist. Weil eben noch viele Menschen mitarbeiten.

Und ich erkläre, wer das alles ist. Ich sage ihnen aber auch, dass ich schon sehr viele Bücher geschrieben hätte und dass trotz des kleinen Betrages für das einzelne Buch immer noch genug zusammen kommt, damit sie nicht in Panik geraten.

Wie viele Bücher schreiben Sie pro Jahr?

Das schwankt, denn das hängt auch davon ab, von welcher Art Bücher wir reden. Wenn wir von einem umfangreichen Buch wie Sommerby reden, dann schreibe ich so ungefähr eines pro Jahr, vielleicht auch eineinhalb. Und daneben vielleicht noch ein oder zwei kleine.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Setzen Sie sich morgens an den Schreibtisch und arbeiten?

Ja, genau. Ich gehöre zu den Morgenmenschen, was nicht heißt, dass ich sehr gerne früh aufstehe. Aber ich kann morgens am besten arbeiten. Da verliere ich auch keine Zeit, sondern setze mich direkt an den Schreibtisch, sehe mir an was ich am Vortag geschrieben habe und kann dann in der Regel nahtlos weiterschreiben. Das mache ich so etwa drei Stunden lang. Dann ist es nicht so, dass mir nichts mehr einfiele, aber ich bin dann doch ziemlich ausgepowert, denn wenn man hochkonzentriert schreibt, ist es eine anstrengende Tätigkeit. Der Rest des Tages ist für Bürotätigkeiten reserviert.

Sie haben auch viele Reihen geschrieben. Was reizt Sie daran?

Kirsten Boie, Thabo Detektiv und GentlemanIch habe tatsächlich nur eine Reihe auch als solche geschrieben, das sind die Thabo-Krimis. Davon gibt es drei Bände und ich wusste schon beim ersten Band, dass ich die beiden nächsten auch schreiben würde. Sämtliche anderen Reihen sind nicht als Reihen entstanden. Der erste Band wurde von mir immer als Unikat gedacht, als eine abgeschlossene Geschichte. Es waren dann die Kinderbriefe und Anfragen, die mich dazu bewogen haben, weiterzuschreiben.

Man hat das Gefühl es gibt immer mehr Reihen. Finden Sie das gut?

Ich bin kein Gegner von Reihen. Wir Erwachsene lesen sie ja auch gerne, denken Sie nur an die ganzen Krimireihen. Und ich finde sie gut, um vielleicht Lesefans zu bekommen. Wenn Kinder ein Buch gelesen haben und es hat ihnen gefallen, dann steigen sie vielleicht auch direkt in die Fortsetzung ein.

Gibt es ein internationales Kinderbuch, das Sie empfehlen würden?

Ja, das ist das Buch „Wunder“ von Rachel J. Palacio. Das ist ein sehr kluges, großartiges Buch, in dem man immer wieder überrascht wird. Als ich angefangen habe zu lesen, dachte ich anfangs, das sei eine sehr geradlinige Geschichte – aber das ist es keineswegs. Und es ist gar nicht düster, obwohl es um einen Jungen mit einem entstellten Gesicht geht. Es ist ein Buch, in das man eintaucht und das man weiterlesen möchte – und es ist sehr optimistisch.

Humor in Kinderbüchern – man hat das Gefühl englische Autoren, wie zum Beispiel Roddy Doyle, können das viel besser. Ist es so, dass deutsche Autoren lieber pädagogisch als lustig sind?

Ich denke, da müssen wir vorsichtig sein, denn vielleicht gibt es auch auf dem englischen Markt ganz viele pädagogisch angehauchte Kinderbücher, die es einfach nie bis zu uns nach Deutschland schaffen. Und ich finde, dass es einige deutsche Autoren gibt, die sehr humorvoll schreiben.

Wer einem sofort einfällt, ist Andreas Steinhöfl mit seiner „Rico, Oskar“-Reihe, oder auch Rüdiger Bertram schreibt total witzige Geschichten. Ich glaube, wir haben da durchaus eine Menge Autoren. Aber da wir bei uns natürlich die ganze Palette an Kinderbüchern wahrnehmen, nehmen wir auch die anderen wahr.

Schreiben Sie schon an einem neuen Buch?

Ja, ich habe heute mit meinem Lektor telefoniert … Mehr kann ich dazu nicht sagen. Aber ich schreibe wieder etwas und finde das sehr schön. Viel schöner als diese „Zwischen-Buch-Zeit“, in der ich überlege, was ich schreiben soll und mich entscheiden muss. Und ich mag es, morgens aufzustehen und mich an den Schreibtisch zu setzen …

Frau Boie, wir danken für das Gespräch.

 

Auf der Such nach neuer Lektüre zum Vorlesen? Hier stellen wir 5 lustige Bilderbücher vor.

 

Bild: Oetinger Verlag, @Indra Ohlemutz

Interview: Starkoch Jamie Oliver über Kinder, Küche und Erziehung

Was kocht Jamie Oliver wenn es zuhause schnell gehen muss? Und wie bringt er seine fünf Kinder dazu, Gesundes zu essen? Wir haben den Fernsehstar und Bestsellerautor zum Interview getroffen.

Von Christine Mortag

Jamie Oliver braucht nur zwei Worte, um für gute Stimmung zu sorgen. „Hey, Darling!“, sagt er zur Begrüßung. So als würde man sich ewig kennen. Dann kommt er auf einen zu, breitet die Arme aus, Küsschen links, Küsschen rechts. Ganz ehrlich, wir sind uns noch nie begegnet. Mit etwas über 40 Jahren sieht er immer noch aus wie ein großer Junge. Lässig gekleidet ist er, ausgewaschenes blaues Hemd, ausgewaschene Jeans, Sneakers von Nike. Genauso locker lässt er sich ins beigefarbene Sofa der Hotelsuite plumpsen und plaudert drauf los. Mit Händen und Füßen und allerbester Laune.

Denn Jamie Oliver hat eine Mission: Seit 17 Jahren setzt er sich für gesundes Essen für alle ein. Frische Zutaten statt Junkfood. Das alles mit einfachen Rezepten zum kleinen Preis. Wie das geht, hat er in unzähligen Kochshows gezeigt. Nach dem gleichen Prinzip hat er auch das Kantinenessen in britischen Schulen revolutioniert und die Regierung dazu gebracht, ihn mit 400 Millionen Euro zu unterstützen. Jamie Oliver aus dem kleinen Ort Clavering in Essex ist also so etwas wie der Robin Hood der gesunden Ernährung. Und wer ihn erlebt, ahnt warum er so erfolgreich ist. Weil er seine Botschaft nicht oberlehrerhaft mit erhobenem Zeigefinder verkauft, sondern mit Spaß und einer Begeisterung, die einfach jeden mitreißt.

Mr. Oliver, Sie haben fünf Kinder. Wie sieht bei Ihnen der ganz normale Alltag aus?

Jamie Oliver: Normaler Alltag? Machen Sie Witze? Ein Leben mit Kindern bedeutet Chaos, ein Leben mit fünf Kindern bedeutet noch mehr Chaos. Wie die meisten Eltern lebe auch ich in ständiger Angst, dass etwas passiert und selbst in den schönsten Momenten weißt du, dass du nur etwa 30 Sekunden von der nächsten Katastrophe entfernt bist. Allein fünf Kinder in ein Auto zu bekommen, ist eine Herausforderung. Du sitzt startklar hinterm Steuer, denkst, es geht los! Plötzlich fehlt wieder einer. Du rennst zurück ins Haus, da steht dann die Tochter, die eben noch im Auto saß, im Bad und macht sich die Haare. Warum in aller Welt macht sie sich jetzt die Haare?

Haben Sie schon mal ein Kind vergessen? 

Ach, nicht der Rede wert. Nur ein paar Mal.

Trotz allem sehen Sie ziemlich entspannt aus.

Der Trick ist, Sie müssen das Chaos lieben lernen. Man ist ja nur deshalb so gestresst, weil man will, dass auch mit Kindern immer alles perfekt läuft. Vergessen Sie es lieber gleich. Eine aufgeräumte, ordentliche Wohnung? Wird nicht funktionieren. Traute Zweisamkeit? Denken Sie nicht mal dran. Ich hatte nie damit gerechnet, mal so eine große Familie zu haben. Ehrlich gesagt, mir hätten auch zwei Kinder gereicht. Jetzt sind es fünf und dann muss man sich eben mit den Gegebenheiten arrangieren.

Jamie Oliver: „Man muss sich von Perfektion verabschieden!“ | Foto: Tristan Fewings, Getty

Wie sind sie als Vater? Streng? Lustig? 

Ich habe mich eigentlich immer für einen recht coolen Vater gehalten. Ich würde mal sagen, für unter Zehnjährige bin ich definitiv der High-Five-Typ, mit dem man ziemlich viel Spaß haben kann. Aber seit meine beiden ältesten Töchter im Teenageralter sind, zweifle ich zum ersten Mal wirklich an mir selber. Erst gestern bat mich meine Frau zu einem Grundsatzgespräch und gab mir deutlich zu verstehen, was sie von meinen erzieherischen Fähigkeiten hält.

Die Pubertät ist doch für alle Eltern eine Herausforderung.

Ja, ich weiß. Klar. Aber die Entwicklung ist so rasant, ich komme als Vater überhaupt nicht hinterher. Letzte Woche hattest du noch ein kleines süßes Mädchen und heute kommt da diese junge Lady die Treppe runter, die so tut, als würde sie dich nicht kennen.

Essen ist wahrscheinlich auch gerade kein Spaß? Teenager sind doch ständig auf Diät. 

Nein. Masse und Umfang ist nicht das Thema. Viel wichtiger ist für sie die Frage, welche Art von Food gerade angesagt und stylish ist. Da heißt es dann: Oh, Dad, können wir bitte Sushi machen? Oder irgendwas mit Chiasamen?

Mit all Ihren Projekten setzen Sie sich für eine gesündere Ernährung ein. Wie aber bringen Sie Ihre Kinder dazu, Gemüse statt Schokoriegel zu essen?

Alles eine Frage der Verkaufe. Eltern müssen heute vor allem Marketing-Experten sein. Die Lebensmittelkonzerne machen auch nichts anderes. Kinder stopfen ja nicht Unmengen von Junkfood, Süßkram und Softdrinks in sich hinein, weil es genetisch bedingt ist. Sie tun es, weil sie täglich und ganz massiv mit hunderten von Werbebotschaften bombardiert werden.

Was heißt das jetzt konkret für Sie und Ihre Kinder?

Ich bin pausenlos damit beschäftigt, den Kindern gesundes Essen schmackhaft zu machen. Von selbst passiert da nichts, man muss sich schon was einfallen lassen: Wir pflanzen im Garten Gemüse an. So sehen sie, wie etwas wächst und entsteht. Wenn wir zusammen kochen, sorge ich für jede Menge Spaß und gebe ihnen Aufgaben, die sie bewältigen können, damit sie nicht frustriert sind. Selbst einen Einkauf im Supermarkt muss man so gestalten, dass er ihnen wie ein Abenteuerausflug vorkommt. Den Vogel aber hat meine Frau abgeschossen.

Warum? Was hat sie gemacht?

Sie hat die Kinder offenbar einer Gehirnwäsche unterzogen. Letztens komme ich abends nach Hause, da sitzen die fünf Kids friedlich auf dem Sofa, und knuspern statt Schokolade genüsslich gefrorene grüne Erbsen. Jawohl, grüne Erbsen! Keine Ahnung wie, aber meine Frau hat es tatsächlich geschafft, ihnen diese kalten Dinger als absolute Delikatesse, als Objekt der Begierde zu verkaufen.

Jool Olivers Geheimtipp: TK-Erbsen als gesunder Snack

Dürfen Ihre Kinder Süßigkeiten essen? 

Warum denken bloß alle, ich sei so ein spaßfreier Dogmatiker, wenn es ums Essen geht? Natürlich gibt es bei uns Süßigkeiten. Das ganze Programm. Wenn man sich ansonsten gesund ernährt, ist gegen Schokolade, Bonbons oder mal eine Cola überhaupt nichts einzuwenden. Süßigkeiten sind doch ein Genuss. Das waren sie schon als Kind für mich. Sie sollten nur etwas Besonderes bleiben und nicht ständig verfügbar sein.

Wenn Sie an Ihre Kindheit denken, an welchen Geruch erinnern Sie sich?

Ich bin praktisch im Pub meiner Eltern aufgewachsen. Wie man sich denken kann, riecht es an solchen Orten nach ziemlich viel Männlichkeit in all seinen Facetten. Ich erinnere mich an diese ganz spezielle Mischung aus Alkohol, Aftershave, Ausdünstungen und Tabak. Damals durfte in Gaststätten ja noch geraucht werden. Ich rauche nicht, rieche es aber gern, wenn sich jemand eine Pfeife anzündet, so wie mein Großvater früher.

Was war Ihr erstes selbstgekochtes Gericht? 

Ein Omelette mit Käse und Tomaten. Da war ich ungefähr sechs Jahre alt. Ich war damals stolz wie Bolle, weil es mir so ein Gefühl von Unabhängigkeit gab. In dem Moment wusste ich, wenn ich Hunger habe, kann ich mir selber etwas zu Essen machen. Mit zehn wagte ich mich an etwas Größeres. Ein komplettes Sonntagsessen mit Brathähnchen, Röstkartoffeln, Saucen und Gemüse. Als alle gegessen hatten, applaudierte mein Vater und nahm mich in den Arm. Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Wurden Sie sonst nicht gelobt?

Ich war saumäßig schlecht in der Schule und auch sonst gab es für meine Eltern wenig Anlass, stolz auf mich zu sein.

Haben Sie damals beschlossen, Koch zu werden?

Ja, da könnte etwas dran sein. Hab ich noch nie so drüber nachgedacht. Mit dem Kochen hatte ich etwas gefunden, in dem auch ich gut war.

Interview; Jamie OliverJamie Oliver wurde 1975 in England geboren. Sein Spitzname „The Naked Chef“ geht auf seine erste Kochsendung zurück. Inzwischen ist Oliver ein Multimedia-Star der Dutzende von Kochbüchern veröffentlicht hat, eine Restaurantkette betreibt, eigene Kochshows hat und sich maßgeblich für gesunde Ernährung einsetzt. Er ist seit dem Jahr 2000 mit Juliette Norton (Spitzname „Jools“) verheiratet. Die beiden haben fünf Kinder namens Petal Blossom, Daisy Boo, River Rocket, Buddy Bear, Poppy Honey. Gerade ist Jamie Olivers neues Buch „5 Zutaten Küche“ bei Dorling Kindersley erschienen (26,95 Euro). Weitere Rezepte und Inspirationen zu Jamie Olivers Küche findet ihr unter www.jamieoliver.com

Warum Essen im Familienkreis so wichtig sind lest ihr hier.

Bild: Gettyimages; Tristan Fewings