Nachhaltiger leben: 16 wertvolle Tipps

Mal ehrlich: Wer Kinder zuhause hat weiß selbst, wie schnell die Umweltbilanz plötzlich ins Negative ausschlägt. Windeln, halbleer gegessene Teller, Plastikspielzeug, praktische Feuchttücher… Wir haben ein paar Tipps gesammelt, wie ihr ohne Stress als Familie nachhaltig leben könnt.

Nach Bedarf einkaufen

Mit Familie erscheint es wirklich praktisch, einmal in der Woche in den Supermarkt zu gehen und den Wagen voll zu machen. Aber ist das auch nachhaltig? Meistens läuft die Woche dann nicht so wie geplant und vor dem nächsten großen Einkauf landet vieles von dem was nicht verbraucht wurde im Müll. Einfach weil man doch schnell mit den Kindern zum Pizzaessen ist, weil keiner Lust hatte auf das, was eigentlich auf dem Speiseplan stand oder, oder, oder…. Die beste Lösung: Zwei kleinere Einkäufe pro Woche. So bleibt ihr flexibel und es landet weniger Essen im Müll.

Mit Essensresten kreativ umgehen

Pro Sekunde werfen wir in Deutschland 313 Kilogramm Lebensmittel weg. Ja wirklich: Pro Sekunde! In Privathaushalten fallen insgesamt 40 Prozent dieses „Mülls“ an. Solche Zahlen stimmen nachdenklich. Ein Restetag klingt zwar etwas spießig, spart aber definitiv Ressourcen und pflegt außerdem das gute Gewissen. Alles, was die Woche über nicht verbraucht wurde an Lebensmitteln, wird zum Beispiel donnerstags kreativ „verkocht“. Viele Inspirationen findet ihr dazu in dem Buch von Antonia Kögl, die zeigt, wie eine No-Waste-Küche funktioniert (erschienen im Christian Verlag für 19,99 Euro).

Plastik möglichst vermeiden

Ganz klar, dass wir auf Einwegplastiktüten möglichst verzichten und mit mehrfach verwendbaren Taschen einkaufen gehen. Aber was macht man, wenn die regionale Biogurke oder -tomate im Ökomarkt plötzlich in Plastikfolie eingeschweißt daherkommt? 212,5 Kilogramm Verpackungsmüll produziert der Deutsche Verbraucher durchschnittlich im Jahr. Das liegt aber nicht nur an uns, den Konsumenten – auch wenn uns das immer wieder suggeriert wird. Schließlich kann es nicht gerecht sein, dem Verbraucher die Hauptlast der Entsorgung aufzubürden von etwas, das er gar nicht verursacht hat. Hier ist es auch an der Politik endlich die produzierende Industriebetriebe per Gesetz zu verpflichten, damit in Zukunft auf überflüssige Verpackungen verzichtet wird.

Das Biogemüse im Supermarkt wird übrigens deshalb aufwändig in Folie verschweißt oder mit Folienbändern ummantelt, weil so mehr Qualität und dadurch auch mehr Wert suggeriert wird. Die Alternative für unverpacktes Biogemüse ist der Wochenmarkt. Und ein Einkauf dort zusammen mit den Kindern bringt außerdem auch viel mehr Spaß.

Außerdem einfach verzichten kann man im Alltag auf:

  • Einwegkaffeebecher (auch die aus Pappe; sh. unsere Tipps unten)
  • Plastikbesteck oder -geschirr (ist inzwischen auch per Gesetz verboten
  • Pausentüten aus Plastik
  • Plastiktüten an der Gemüsetheke im Supermarkt (es gibt wiederverwendbare Säckchen)

Ein Problem für die Umwelt ist auch Mikroplastik, zum Beispiel Mikroperlen die sich in vielen Kosmetikprodukten wiederfinden. In Großbritannien sind diese bereits seit 2018 in allen Beautyprodukten verboten. In den USA dürfen sie ebenfalls seit mehreren Jahren nicht mehr verwendet werden. Das Problem ist, dass die Mikroperlen direkt über das Abwasser in Flüssen und wiederum im Meer landen. Allein im Ontariosee in den USA wird die Konzentration auf bis zu 1,1 Millionen Mikroperlen pro Quadratkilometer geschätzt.

Wenn ihr herausfinden wollt, ob auch in euren Kosmetikprodukten Mikroperlen enthalten sind, könnt ihr die Inhaltsstoffe nach folgenden Substanzen überprüfen:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyehtylenterephthalat (PET)
  • Polymehtylmethacrylat (PMMA)
  • Polytetrafluorethylen (PTFE)
  • Nylon

 

Mehr zum Thema plastikfrei leben findet ihr auch in dem Buch von Will McCallum: Wie wir Plastik vermeiden (Ullstein Verlag für 12 Euro).

 

Minimalismus im Kinderzimmer

Auch wenn man sich vornimmt weniger zu kaufen, sind die Schränke am Ende doch proppenvoll. Gerade bei jüngeren Kindern die noch sehr schnell wachsen lohnt es sich, pro Quartal die Kinderkleidung auszusortieren, die zu klein geworden ist. Sich von Spielzeug zu trennen ist schon schwieriger. Am besten bezieht man die kleinen Besitzer hier von Anfang an mit ein. Alles, womit mehr als zwei Monate nicht gespielt wurde, kann zur Diskussion gestellt werden.

Und wie wird man das Ganze nachhaltig los? Entweder ihr geht mit den Schätzen zum Flohmarkt oder ihr spendet es zum Beispiel in der Kleiderkammer der Caritas oder bei einer anderen Wohltätigkeitsorganisation, die es in fast allen Städten gibt.

Nachhaltig leben mit Kindern, Plastik
Plastik sammelt sich in Kinderzimmern wie von selbst an. Der Vorteil: Die Spielfiguren haben eine lange Lebenszeit und können getauscht, verschenkt oder weitervererbt werden.

Tauschen statt kaufen

Bringt weniger freien Stauraum im Schrank, hat aber definitiv mehr Event-Charakter: Man lädt sich ein paar Freundinnen mit Kinder ein und tauscht Spielzeug und Klamotten. Die Kinder werden die Tauschparty super finden, denn was die anderen zum Spielen haben, ist ja immer interessanter. Was dann doch noch übrig bleibt, kann schließlich gespendet werden (s.o.).

Auf Feuchttücher verzichten

Ja, sie machen das Leben einfach und sind schnell zur Hand: am Wickeltisch, im Auto, in der Handtasche… Aber sie produzieren auch jede Menge Müll: Feuchttücher. Wer trotzdem nicht auf die praktische „Putzhilfe“ verzichten möchte, sollte zumindest darauf achten, sie im Restmüll und nicht in der Toilette zu entsorgen, denn sie verstopfen die städtischen Abwasserleitungen. Aber geht es nicht in manchen Situationen auch ohne? Wer sie von der Einkaufsliste streicht, bekommt in der Ökobilanz jedenfalls die volle Punktzahl.

Fahrgemeinschaften bilden oder das Auto stehen lassen

Die Kinder müssen zur Schule, zum Fußballtraining, zur Geburtstagsparty, zum Reitunterricht – gerade in ländlicheren Gebieten sind Eltern regelrechte Taxiunternehmen. Fahrgemeinschaften sparen nicht nur Familienzeit, sie sind auch ökologisch. Einer fährt mehrere Kinder zum Termin, einer holt sie wieder ab ist allemal energiesparender als drei Autos die denselben Weg zurücklegen mit je einem Kind an Bord.

Tolle Lastenfahrräder mit denen sich die Kinder und Einkäufe transportieren lassen findet ihr hier.

Mit Kindern pflanzen

Ein paar Kräuter und Tomaten auf dem Balkon zu pflanzen, einen Schrebergarten pachten oder den hauseigenen Gemüsegarten bewirtschaften: All das ist super für die Umwelt. Und wer einmal sonnengereifte, frisch gepflückte Tomaten aus eigenem Anbau gegessen hat, kann sowieso nie wieder andere gut finden.

Auch für die Kinder ist es ein Lehrprogramm, das jeden Schulunterricht zum Thema Nachhaltigkeit übertrifft und das schon Kindergartenkinder begreifen: Man sät etwas, kümmert sich darum während es wächst, erntet es und isst es. Wer kein eigenes Grundstück hat, kann saisonal eines pachten zum Beispiel bei meineernte.de.

Nachhaltig leben mit Kindern
Es muss nicht unbedingt ein großer Garten sein. Selbst auf dem Balkon lassen sich Radieschen und Tomaten ziehen.

Zu Ökostrom wechseln

Es ist keine große Sache, meistens reicht schon ein kurzer Anruf oder eine Mail und ihr seid bei einem Stromanbieter, der euch mit besserem Gewissen schlafen lässt. Fall ihr keine Zeit/ keine Lust/ keinen Nerv habt, euch durch den Anbieter-Dschungel zu schlagen, hat Utopia hier eine hübsche und übersichtliche Liste mit Anbietern.

Weniger Fleisch essen

Das wird kein Plädoyer zum Vegetarismus, aber eines für bewusstes Fleischessen. Gutes Fleisch aus nachhaltiger und artgerechter Tierhaltung schmeckt nicht nur besser, sondern ist auch ethisch vertretbar. Wem das zu teuer ist, der kann ja einfach seltener Fleisch essen. So bleibt das Lebensmittel etwas Besonderes und gleichzeitig wird mehr Kreativität in der Gemüseküche geprobt! Rezeptideen findet ihr zum Beispiel hier:

Kluge Alternativen nutzen

Coffee-To-Go Becher aus Papier und/oder Plastik sind weder schön noch praktisch, zudem sind letztere inzwischen verboten. Besonders schlimm für die Ökobilanz: die Deckel aus Plastik (sh. unser Punkt oben).

Unser Tipp: Legt euch doch einfach mal einen richtig hübschen Kaffeebecher zu. Die sind auf Ewigkeit verwendbar, sehen super aus und der Kaffee bleibt auch noch länger heiß. Und statt einer PET-Flasche für das Getränk unterwegs, kann man in die gleichen Becher auch etwas Kaltes füllen.

Klassiker shoppen

Der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten, zum Anziehen habt ihr dennoch nichts gefunden? Wir kennen diese Morning Routine bestens! Umdenken hilft: Lieber mal einen etwas teureren Klassiker shoppen, von dem man lange etwas hat und der immer gut aussieht. Nicht jeden Modegag muss man mitmachen. Außerdem gibt es inzwischen immer mehr Labels, die bei der Produktion auf Nachhaltigkeit achten. Das gilt auch für die Kindermode. Nachhaltige Labels findet ihr zum Beispiel hier.

Obst und Gemüse regional und saisonal kaufen

Himbeeren im Winter? Ananas aus Thailand? Eine Flugmango? Die Wege mancher Früchte sind wahnsinnig weit und oft unnötig. Das merkt man vor allem, wenn man nach regionalen Früchten Ausschau hält. Äpfel vom Hof nebenan sind durchaus reizvoll… Auf Wochenmärkten lässt sich regionales Gemüse und Obst sehr gut einkaufen. Doch aufgepasst: Regional eingelagerte Äpfel zum Beispiel haben oft eine schlechtere Ökobilanz als frisch eingetroffene aus fernen Ländern.

‚Billig essen‘ ist nicht ‚besser essen‘

Die Milchpreise rutschen in den Keller und ruinieren die Milchbauern. SB-Bäckereien und abgepacktes Discounter-Brot bedroht unsere Brotkultur. Dabei sollten wir uns bewusst machen, dass ein Liter Milch durchaus mehr kosten darf als ein Kaugummi. Wer darüber hinaus schon einmal frisches, echtes Brot vom Traditionsbäcker probiert hat, wird um das fertig aufgebackene „Instant-Brot“ gern einen großen Bogen machen! Gerade in Coronazeiten haben viele angefangen selbst Brot zu backen und sind auf den Geschmack gekommen.

Nachhaltig leben mit Kindern; Brot

Reparieren statt Wegschmeißen

Klar, manche Geräte wie Handys oder Haartrockner haben irgendwann ausgedient. Allerdings ist es oft so, dass wir Dinge viel zu schnell wegschmeißen und neu nachkaufen, statt eine Möglichkeit zu suchen, das Gerät zu reparieren und ihm so zu längerer Lebenszeit zu verhelfen. Behalten wir mögliche Reparaturen im Blick leben wir nicht nur nachhaltig, wir sparen auch noch Geld! Übrigens ist es nicht unbedingt nachhaltiger, ältere Küchengeräte auszutauschen gegen neue, die vielleicht weniger Strom etc. verbrauchen. Am besten die Geräte so lange wie möglich nutzen und erst ersetzen, wenn sie irreparabel sind.

‚Upcycling‘ als nächstes DIY-Projekt

Hier findet ihr schöne Ideen. Janina Sticken: Upcycling. GU, 2015, 14,99 Euro
Hier findet ihr schöne Ideen. Janina Sticken: Upcycling. GU, 2015, 14,99 Euro

Du suchst noch ein cooles DIY-Projekt für den nächsten verregneten Nachmittag mit den Kids? Wie wärs mit Upcycling? Alles was in deiner Wohnung nutzlos herumsteht kann so mit etwas Kreativität in hübsche Unikate umgewandelt werden. Ein toller, nachhaltiger Trend!

 

 

Alles auf einmal zu versuchen, ist ein bisschen viel und wir sollten uns nichts vormachen: Manche Dinge brauchen Zeit. Aber hinter all dem steht, dass wir bewusster und achtsamer durch die Welt gehen können und damit schon Vieles verändern.

Ihr überlegt, wie der nächste Urlaubstrip nachhaltiger aussehen könnte. Wir haben die besten Tipps für nachhaltiges Reisen mit Kindern.

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11 Dinge, die nur ältere Geschwister kennen

Ob ihr nun gerade überlegt, noch weiteren Nachwuchs zu bekommen oder ob ihr selbst jüngere Geschwister habt –  hier sind 11 Dinge, die nur das ältere Geschwisterkind kennt oder kennenlernen wird.

 

1. Du musst deine kleine Schwester oder deinen kleinen Bruder immer überall mit hinnehmen und das kann einem manchmal so richtig auf die Nerven gehen.

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2. Du wirst dich immer ein bisschen wie Mama oder Papa fühlen. Ganz nach dem Motto: „Halloooo, ich bin hier die / der Ältere“. Es ist ein ungeschriebenes Naturgesetz, dass du einfach alles besser weißt.

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3. Wann auch immer ihr zusammen Unfug macht, am Ende gibt es nur einen Schuldigen: dich. Sätze wie „Du bist doch die / der Ältere“ oder „Du müsstest doch schon vernünftiger sein“ machen dir das Leben schwer.

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4. Wenn deine Eltern sich Sorgen um das jüngere Geschwisterkind machen, kommen sie gerne mal zu dir. „Rede doch mal mit ihr / ihm!“ Aber ob du dann auch wirklich alles weitererzählst ist die andere Sache. Unter Geschwistern gibt es schließlich sowas wie einen Geheimhaltungskodex.

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5. Erschrecken, Kitzeln oder einfach mal die liebsten Spielsachen verstecken – nichts auf der ganzen Welt macht größeren Spaß als seine jüngeren Geschwister auf jede erdenkliche Art zu ärgern.

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6. Die Zeit eines vollständigen eigenen Namens – Sinnbild einer eigenständigen Persönlichkeit – ist passé. Du kannst gar nicht so schnell gucken, wie deine Eltern dich plötzlich mit dem Namen deiner Schwester oder deines Bruders ansprechen. Noch besser ist nur noch eine neue Wortneuschöpfung aus beiden Namen.

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7. Als älteres Geschwisterkind wirst du dich irgendwann mit der Angst abfinden, nicht genug zu essen zu bekommen, weil dein Gegenüber grundsätzlich eine größere Portion auf seinem Teller hat. Glaubst du zumindest.

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8. Du musst nie wieder verschwundene Gegenstände suchen, denn sie sind tausendprozentig immer nur bei einer bestimmten Person – deinem kleinen Geschwisterkind!

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9. Als älteres Geschwisterkind boxt du so einiges durch. Ob es sich nun um Ausgehzeiten oder Taschengelderhöhung geht. Die, die nach dir kommen, haben es um einiges leichte und machen eigentlich nur noch die Restarbeit.

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10. Wenn du eine jüngere Schwester oder einen jüngeren Bruder hast, wirst du immer das Gefühl haben, sie beschützen zu müssen. Egal ob sie nun zwei oder 20 Jahre alt sind, du wirst nie aufhören dich um sie zu sorgen. Denn eines ist Fakt: Niemand  darf etwas gegen sie sagen – außer du selbst natürlich.

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Alles hygge! 5 Wege zu einem gemütlichen Familienleben

Alle reden über „hygge“. Aber was bedeutet das eigentlich? Wir verraten euch alles über das dänische Glücksprinzip und wie ihr es in eurer eigenen Familie leben könnt.

Ach, die Dänen! Fast jedes Jahr erreichen sie im Ranking der glücklichsten Länder weltweit den ersten oder zumindest einen der ersten Plätze. Aber was genau macht sie so glücklich? Ein entscheidender Faktor für ihr Wohlbefinden ist das Phänomen „hygge“. Wann immer es geht, macht man es sich in diesem kleinen Land „hyggelig“. Doch was genau verstehen die Menschen in Dänemark darunter? Es nur mit „gemütlich“ zu übersetzen, wird dem Ganzen nicht gerecht.

Der Anthropologe Jeppe Trolle Linnet, ein Spezialist in Sachen „hygge“, erklärt: „Wenn Dänen davon sprechen, dass ein Zusammentreffen hyggelig ist, heißt das auch, dass niemand unterschiedliche Meinungen über Politik, die wirtschaftliche Entwicklung oder Kindererziehung diskutiert. Konflikte oder konfliktbeladene Ansichten gelten nicht als hyggelig. Wenn jemand nicht dieser Meinung ist und doch eine Diskussion beginnt, kann man sich darauf verlassen, dass sie schnell mit einem Spruch beendet wird. Oft kommt dabei der typisch dänische, etwas sarkastische Humor mit ins Spiel.“

Ganz entscheidend für das Prinzip „hygge“ ist außerdem ein vertrautes, familiäres Umfeld. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr als Familie den „Danish Way of Life“ für euch entdecken könnt:

Erst mal runterfahren
Damit überhaupt eine gemütliche Atmosphäre entstehen kann heißt es zu allererst: Handy, Tablet etc. ausschalten. Es wird ab sofort nur über Schönes und Angenehmes gesprochen. Streitthemen werden bewussst vermieden. Für uns Eltern heißt das, dass bestimmte Fragen verboten sind, wie zum Beispiel:  „Wie war es in der Schule?“ oder „Warum hast du schon wieder nicht daran gedacht, deine Schultasche in dein Zimmer zu räumen?“ Auch wichtig: Jeder darf ausreden. Das Prinzip „hygge“ steht nämlich auch für Achtsamkeit – sich und anderen gegenüber. Gemeinsames Erzählen und aufmerksames Zuhören ist also ein erster Schritt.

Zusammensein ist das Schönste
Familie ist den Dänen sehr wichtig. Und so ist ihr Lebensglück auch eng damit verbunden. Jeppe Trolle Linnet sagt: „Der Familienzusammenhalt ist ein vielversprechender Ansatz, um das Phänomen hygge in seiner grundlegendsten Form zu verstehen. Wenn wir etwas als hyggelig bezeichnen, wird immer auch eine gewisse Vorstellung von Heim und Familie mitgedacht.“
Also egal, was wir mit unseren Lieben machen, ob wir uns bei einem Brettspiel amüsieren, zusammen Essen oder einen gemeinsamen Spaziergang unternehmen – all das verdient das Prädikat „hyggelig“. (Warum gemeinsame Familienmahlzeiten so wichtig sind könnt ihr hier nachlesen.)

Gemeinsam schaffen wir mehr
Kinder machen gerne etwas in der Gruppe. Sie sind von klein auf echte Teamworker. Damit entsprechen sie ohne sich zu verbiegen dem dänischen Hygge-Prinzip. Etwas gemeinschaftlich erledigen gehört nämlich unbedingt dazu. Zusammen Kekse backen, den Tisch decken, einen Sonntagsbrunch oder einen Grillnachmittag zu dem man Freunde eingeladen hat vorbereiten – all das finden Kinder toll und lieben es, dabei zu helfen und kleine Aufgaben zu übernehmen. Die Kleinen für diese Helferdienste und für ihre tolle Zusammenarbeit immer wieder ausdrücklich zu loben, bestärkt sie außerdem positiv.

Ich bin kurz mal weg
Ein „hyggeliges“ Familienleben kann natürlich nicht entstehen, wenn die Eltern gestresst sind. Mama oder Papa dürfen sich also ohne schlechtes Gewissen für eine Stunde ausklinken und ein entspannendes Bad nehmen oder einfach nur einen kleinen Mittagsschlaf halten. Danach können die Kinder dann wieder mit ganz relaxten Eltern rechnen.

Zurück zur Natur
Ja, die Dänen lieben die Natur und leben mit ihr. Schlechtes Wetter ist für sie kein Hinderungsgrund Zeit im Freien zu verbringen, schließlich gibt es entsprechende Kleidung. Mit den Kindern ohne zu Murren auch bei Nieselregen raus in den Wald zu gehen, mit ihnen am Fluss Steine ins Wasser werfen und sich so richtig auszupowern beim Fangen oder Verstecken ist eine gute Voraussetzung, damit es später Zuhause so richtig schön „hyggelig“ werden kann.

Kommt zusammen und habt Spaß
Geht es euch auch so? Eigentlich will man öfter Gäste einladen. Gerade mit Kindern ist es viel praktischer und entspannter wenn Freunde nach Hause kommen und man gemeinsam isst und quatscht, die Kinder können spielen und wenn sie abends müde sind, werden sie einfach ins Bett gebracht. Was hindert uns das öfter zu tun? Der Gedanke, dass bei einer Einladung alles perfekt sein muss! Die Wohnung aufgeräumt, sauber, adrett, das Essen superlecker und angerichtet wie im Kochbuch… Puh, anstrengend! Für die Dänen ist bei Einladungen weniger wichtig, wie Instagramtauglich das Drumherum aussieht. Worauf sie Wert legen, ist das Miteinander. Zeit mit Freunden verbringen als Schlüssel zu mehr Lebensglück? Klingt so einfach wie einleuchtend! Und alle werden sich eher an einen schönen Nachmittag oder Abend erinnern, als daran, ob die Wohnung perfekt dekoriert war.

 

Wollt ihr wissen, warum dänische Kinder so glücklich sind und was wir uns hier abschauen können? Einen spannenden Buchtipp und mehr Infos darüber findet ihr hier.

Bild: Shutterstock

Weltreise mit Familie: Maria und Mau leben als moderne Nomaden

Kinder brauchen keine Erziehung, sie brauchen jemanden, der ihnen den Weg weist – Maria und Mau bereisen gemeinsam mit ihrer Familie spirituelle Orte, ohne dabei eine feste Heimat zu haben. Ihr Leben ist eine einzige Weltreise mit Familie. Anne Oloff hat die modernen Nomaden getroffen und zu ihrem Lebenskonzept befragt…

Es ist ein heißer Wintertag in Goa, im Süden Indiens, an dem ich Maria und Mau am Strand von Anjuna das erste Mal begegne. Die Schwedin Maria mit ihrem zarten und warmherzigen Naturell und Mau, ihr chilenischer Mann, der Fels in der Brandung, stark und gleichermaßen besonnen. Die beiden sind Eltern zweier Kinder und bezeichnen sich selbst als eine moderne Nomadenfamilie, die in der Welt zu Hause ist. Überall und nirgendwo.

Euer Familienleben ist wirklich beeindruckend, aber auch alles andere als gewöhnlich. Für eure Kinder ist die ganze Welt ihr Zuhause. In der einen Woche skatet dein Sohn Miro (11) durch eine Megametropole wie Bangkok und in der nächsten unterrichtet er seine eigene Yogaklasse in Bali, während deine Tochter Issa (13) einen eignen Foodblog über sämtliche exotische Speisen aller Länder führt, die ihr bereist habt. Welche Länder habt ihr in diesem Jahr besucht?

Maria: Vielen Dank, ich fühle mich auch wirklich gesegnet, denn ich lebe meinen Traum – und das zusammen mit meiner Familie. Was gibt es Schöneres? Dieses Jahr haben uns unsere Reisen nach Indonesien, Thailand, Dänemark, Schweden, Portugal, Spanien und England geführt. Aber ganz unabhängig davon, an welchem Ort der Erde, eines darf man nicht vergessen: Es wird auch dort einen Alltag geben und immer etwas Gutes und etwas Schlechtes.

Wenn das eigene Zuhause nicht an räumliche Strukturen gebunden ist, welche Bedeutung hat dann Heimat für dich und insbesondere für deine Kinder?

Issa hat einmal zu mir gesagt, ihr Zuhause sei da, wo sie ein Dach über dem Kopf und Kleidung zum Anziehen habe. Miro sieht das noch etwas entspannter: Zuhause ist für ihn überall da, wo seine Freunde und Familie sind. Wenn ich für mich selbst eine Klammer setze, dann sind wir füreinander unser Zuhause. Allerdings haben wir auch eine feste Anlaufstelle. Bali ist unsere Basis, hier verbringen wir mindestens sechs Monate im Jahr.

Gehen deine Kinder dann auch in Bali zur Schule und wie passt das mit dem Reisen zusammen?

Ja, genau, beide sind dort in einer kleinen Schule, die von einem internationalen Lehrmeister betrieben wird, und haben wirklich erstaunlich qualifizierte Lehrer. Wenn wir nicht vor Ort sind, bekommen die beiden eine Checkliste für die Fähigkeiten mit, die sie in ihrer Altersgruppe erlernen müssen. Es ist eine sehr individuell zugeschnittene Erziehung, die für uns sehr gut passt.

Bist du als Kind ähnlich frei aufgewachsen?

Ich bin in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen, in einem kleinen Dorf in Südschweden. Allerdings habe ich mich dort nicht frei gefühlt, ich habe mich immer so gefühlt, als wäre ich irgendwie anders. Für mich war klar, dass ich auf Weltreise gehen würde – und das am liebsten so weit weg wie möglich von der modernen Zivilisation.

Was stört dich an einem normalen Umfeld?

Das Rennen um materiellen Besitz und Macht. Nichts davon bedeutet etwas. Aus dem Grund habe ich mich mit 18 Jahren auf den Weg gemacht. Ich habe eine Münze geworfen, ob ich nach Rom oder Amsterdam gehe. Die Münze hat entschieden und so habe ich eineinhalb Jahre in Amsterdam gearbeitet und Geld angespart, um in die Mongolei zu gehen. Aber das Schicksal führte mich auf dem Landweg in den Norden von Indien.

Moderne Nomaden; Isabel N Wedin
Maria und Mau mit ihren Kinder Issa (13) und Miro. Noch weiß die Familie nicht, wo und wann sie sich niederlassen wird. @Isabel N Wedin

Wie hast du Mau kennengelernt und wann habt ihr euch für euren Lebensstil entschieden?

Wir sind uns in Stockholm begegnet, wo Mau seit Jahren ein Tatöwierstudio betrieb. Ich habe den Sommer über in Schweden gearbeitet, nachdem ich ein Jahr lang in Indien war, um tibetischen Buddhismus zu studieren. Dabei wäre ich beinah zur Nonne ordiniert. Eines Tages stand Mau in dem Laden, in dem ich arbeitete, um Weihrauch zu kaufen. Es war Liebe auf den ersten Blick, eine unglaublich tiefe Verbindung, trotz großer sprachlicher Barrieren. Allerdings wollte ich am Ende des Sommers nach Indien zurückkehren. Glücklicherweise hat sich Mau dafür entschieden, mich einen Monat zu begleiten. Kurz bevor wir losgefahren sind, fanden wir heraus, dass ich mit Issa schwanger war. In Indien angekommen, fühlte Mau die gleiche Liebe zu diesem Ort wie auch ich. In den nachfolgenden Jahren sind wir mehr und mehr Monate des Jahres zwischen Delhi, Goa, Schweden, den Osterinseln, Chile, Ibiza und Nepal gependelt. Wir haben die Wahl für unseren Lebensstil nicht bewusst getroffen – dieser Weg ist es, wer wir sind.

Zwei Jahre nach Issa kam Miro zur Welt. Hattest du auch ab und an Zweifel, ob ihr das Richtige macht, als die beiden noch kleiner waren?

Als Eltern hat man immer wieder Zweifel und ich denke, es ist auch gut, von Zeit zu Zeit sich selbst infrage zu stellen, einen Schritt zurückzutreten, um sich selbst von außen zu betrachten.

Wie finanziert ihr eure Unabhängigkeit?

Wir sind eine Tätowiererfamilie. Menschen kommen aus der ganzen Welt zu meinem Mann, um von ihm ein „Spiritual Art Tattoo“ gestochen zu bekommen. Ich selbst restauriere traditionelle Volkskunst und verkaufe auf Anfrage.

Was ist das Geheimnis von Glück?

Der eigenen Eingebung zu vertrauen und zu folgen sowie Bescheidenheit und Dankbarkeit.

Welche Vorteile ziehen deine Kinder aus der Erfahrung einer modernen Nomadenfamilie?

Issa und Miro sind extrem anpassungsfähig. Außerdem wissen die beiden ganz genau, dass der Alltag und die Menschen, wo immer sie auch sind, ziemlich gleich sind und dass wir Menschen im Prinzip alle das gleiche Ziel verfolgen: Wir wollen einfach nur glücklich sein. Wenn ich meine Kinder ansehe, sehe ich zwei unabhängige und furchtlose Individuen. Sie haben Freunde überall auf der Welt, aber gleichzeitig wissen sie, dass sie diese übers Jahr nicht so oft sehen werden.

Die Spiritualität, die Kultur und die Traditionen sind sehr unterschiedlich in den Ländern, die ihr bereist habt. Wie beeinflusst das deine Familie?

Issa und Miro sehen Spiritualität, Kultur und Religion nicht als etwas Exotisches oder Seltsames an, sondern erkennen das Unverfälschte, weil sie viele verschiedene Bezugspunkte haben.

Was plant Ihr für die Zukunft?

Mein größtes Projekt wird es sein, meinen Kindern einen fruchtbaren Boden zu schaffen, damit sie ihr wahres Selbst entfalten und ihr ganzes Potenzial ausschöpfen können. Das gilt auch für mich. Mau und ich würden uns gerne irgendwo niederlassen, aber noch sehe ich nicht, wann und wo das sein wird.

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facebook.com/maria.sniadowka

Bilder: Isabel N Wedin

Homestory: Pariser Eleganz trifft afrikanische Exotik

Caroline Gayral lebt mit ihrem Mann Julien und der vierjährigen Tochter Esther in einer großzügigen Wohnung in Paris. Ihre Leidenschaft gilt handgewebten Teppichen aus Marokko.

Text: Anne Catherine Scoffoni / Fotos: Gwenn Dubourthoumieu

Schon seit ihrer Jugend pflegt Caroline Gayral eine intensive Beziehung zu Marokko. Getrieben von ihrer Reisesehnsucht und ihrer Leidenschaft für Begegnungen verliebte sie sich auf Anhieb in das afrikanische Land, seine Lebensart und die Handwerkskünste. „Als ich Studentin war, habe ich marokkanische Teppiche unter meinem Bett aufgerollt, damit ich die neuesten Muster in meinem winzigen Appartement betrachten konnte“, erzählt sie. Heute reist Caroline, wann immer es ihre Arbeit als Rechtsanwältin zulässt, zurück in das Land, um in seine Kultur und seine einheimischen Schätze einzutauchen. In den Dörfern des Atlasgebirges oder der Sahara und in den kaiserlichen Städten Marokkos stöbert Caroline das ganze Jahr hindurch nach wunderschönen und einzigartigen handgewebten Berberteppichen.

Homestory Caroline Gayral
Das Herz der Französin schlägt für handgewebte marokkanische Teppiche. „Jeder von ihnen erzählt seine eigene Geschichte“, sagt sie.

Inzwischen ist ihre Leidenschaft zu einer wahren Expertise geworden, ihre Fundstücke präsentiert sie regelmäßig in ihrem privaten Showroom „Fragments“ in Paris. Ihre Kollektion ist modern und beeindruckend: Jedes Stück wird sorgfältig ausgewählt und gereinigt wie ein Edelstein. Ihre Sammlung ist immer in Bewegung: Sie richtet sich nach den Wünschen der Kunden und entwickelt sich nach Carolines regelmäßigen Besuchen in Marokko weiter. „Die Teppiche werden von Hand nach uralten Techniken gefertigt, sie erzählen vom Leben, von der Arbeit und von den Gefühlen ihrer Weber“, erzählt Caroline.

Im Jahr 2011 beschlossen sie und ihr Mann Julien, ein altes, exklusives Appartement im Herzen von Paris zu kaufen. Die Wohnung war seit den 1950er-Jahren unbewohnt und musste dringend renoviert werden. Aber das Paar scheute diese Herausforderung nicht. „Wir liebten vor allem die Tatsache, dass es ein altes Herrenhaus ist und einen Garten hat, und seine perfekte Lage in einer ruhigen Seitenstraße“, sagt Caroline. Die Renovierungsarbeiten dauerten sechs Monate. Am Ende hat sich die Wohnung in einen hellen Lebensraum verwandelt, bestehend aus einem großen Wohnzimmer, das in das Esszimmer und die offene Küche übergeht. Ein Ort, an dem es leicht ist, sich zu treffen, zusammen zu sein und zu leben. Perfekt für eine dreiköpfige Familie, für Freunde und Bekannte.

Homestory Wohnzimmer
Die schwarzen „Fat Fat“- Coffee Tables stammen von Designerin Patricia Urquiola und sind traditionellen marokkanischen Silberschalen nachempfunden

Der Charakter der Wohnung ist chic, weiche Töne kombiniert Caroline mit einem modernen, individuellen Look. Dabei hat sie sich ihren Pariser Esprit bewahrt. „Meine Mutter, die aus der Innenarchitektur kommt, hat ihre Leidenschaft an mich weitergegeben. Ich würde sagen, dass mein Stil definitiv eklektizistisch ist. Anstatt einen bestimmten Stil zu wählen, schließe ich lieber die aus, die ich nicht mag, zum Beispiel den Jugendstil“, erklärt Caroline. Das Wohnzimmer, das Esszimmer und die Küche sind in sanften Tönen wie Pink, Lachs, Grau und hellem Braun gehalten. Die großen Fenster lassen viel Licht in das Innere der Räume. Verschiedene Gemälde, Kunstwerke und antike Stücke finden sich auch in den anderen Räumen. Sie verleihen der Einrichtung eine kreative Essenz mit einem barocken Touch. Die Teppiche, die in der ganzen Wohnung liegen und durch marokkanische Kostbarkeiten und andere Gegenstände, die das Paar von seinen Reisen mitgebracht hat, ergänzt werden, geben dem Ganzen ein buntes Ethno-Flair.

Küche
Die offene, helle Küche ist ein beliebter Treffpunkt für Familie und Freunde. Die Lampe mit den Kugeln ist ein Designer-Schnäppchen aus Mailand

„Ich finde es bei uns elegant und keinesfalls langweilig. Keine Frage, die Ethno-Elemente sorgen für den Hauch von Exotik in unserer Einrichtung, die sonst eher klassisch wäre“, gesteht Caroline. „Wir fühlen uns sehr an die Objekte gebunden, die eine Bedeutung, eine bestimmte Geschichte für uns haben. Familienerbstücke, die Souvenirs, die wir von unseren Reisen mitgebracht haben und die überall im Appartement stehen. All das gibt uns das Gefühl von Zuhause.“

 

Und wie wohnt die französische Interior-Spezialistin Sarah Lavoine? Mehr Infos dazu findest du hier.

Bloggerserie: Weihnachten bei … Malin Elmlid von The Bread Exchange

Und wie feiert ihr Weihnachten? Traditionell oder locker? Wir gestehen: Wir sind sehr neugierig, wie andere das Fest der Feste begehen. Darum haben wir eine kleine Umfrage gestartet. Heute erzählt uns Malin von The Bread Exchange, wie sie mit ihrer Familie die Feiertage verbringt.

Liebe Malin, wie feiert ihr dieses Jahr den Heiligen Abend und die beiden Weihnachtsfeiertage?

Unsere Familien sitzen nicht gerade um’s Eck, was die Weihnachtsplanung nicht einfach macht. Ich komme aus Schweden und mein Mann stammt aus Süddeutschland. In beiden Familien wird Weihnachten groß geschrieben. Also fühlen wir uns oft zerrissen, wenn es darum geht, sich zu entscheiden, wo gefeiert wird. Mit unserem Sohn Lode (1,5) ist eine Trennung aber auch gar nicht mehr möglich. Die letzten drei Jahre haben wir bei uns zuhause gefeiert – in aller Ruhe. Dieses Jahr sind wir in Finnland! Wir hoffen natürlich auf viel Schnee, um mit meinen Eltern in der Natur Langlauf zu fahren. Heiligabend fängt dann traditionell mit dem Sauna-Gang am Morgen an. In Helsinki gibt es in diesem Jahr eine wunderschöne japanisch-finnische Sauna – Männer und Frauen allerdings getrennt.  Dann wird der traditionelle Weihnachtssenf an Freunde geliefert. Ein alter Brauch der Familie meiner Mutter! Dieser Senf wird schließlich am Abend mit Schinken serviert.

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Was gibt es sonst bei euch zu Weihnachten auf den Tisch? Schwedisch oder doch traditionell deutsch?

In Schweden isst man das sogenannte »Julbord« (Weihnachtstisch). Eine uralte Tradition, für die man das Beste des ganzen Jahres zum »Smörgåsbord« (Buffet) zusammenstellt. Ziemlich aufwändig – man bereitet dafür wochenlang vor! Zum Essen gibt es dann gebeitzten, geräucherten Fisch, Rentier, mindestens zehn verschiedene eingelegte Heringsorten, Elch-Bällchen, Würste, und verschiedene Kaviarsorten. Eine wirklich wahnsinnige Mischung, die sich nur aus der Tradition heraus erklären lässt. Dazu wird eher Bier und Schnaps, denn Wein, serviert. Man verschenkt außerdem viele Gerichte an Freunde. So hat man weniger Arbeit und selbst mehr spannende Dinge am Tisch. Wir essen mittlerweile weniger Fleisch und viel mehr Fisch und Gemüsegerichte. Dieses Jahr gehen wir allerdings mit Alex‘ Tradition am Heiligen Abend und essen schwedisch erst am 1. Weihnachtsfeiertag. Dann wird es Käsefondue geben und ich backe mein schwarzes Sauerteigbrot.

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Wie aufwändig wird bei euch dekoriert? Welche Farben und Deko-Elemente habt ihr in diesem Jahr? Achtet ihr auf aktuelle Trends?

Ich muss gestehen: Ich mag es nicht wirklich, zu dekorieren. Und ich stehe definitiv nicht auf Dekotrends. Aber ich liebe Dinge, die mir etwas erzählen, wie die alte Weihnachtsdekoration von meinen Großeltern. Unsere Altbauwohnung besteht aus viel Holz und antiken Möbeln. Da braucht es letztendlich gar nicht mehr viel … nur noch putzen und hier und da Kerzen. Wir haben aber auch einen Weihnachtsbaum mit alten Glaskugeln – Dekoration aus dem Haus meiner Großmutter. Statt zu dekorieren macht es mir total Spaß, Geschenke einzupacken! Seit ich 16 Jahre alt bin nehme ich dafür altes Wachspapier und Lack. Das ist mittlerweile schon Tradition!

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Gibt es Rituale, die ihr jedes Jahr in der Weihnachtszeit durchführt?

Ich habe Weihnachten schon immer geliebt. Ich bin am Polarkreis in Schweden geboren. Da lag natürlich immer Schnee. Wir sind mit Rentieren Schlitten gefahren, waren viel draußen und haben Ausflüge gemacht. Seit ich selbst Mama geworden bin, ist es mir total wichtig, dass ich etwas Zeit für mich habe. Letztes Jahr bin ich zum Beispiel am 23. Dezember alleine essen gegangen. Das war wirklich super. Ich habe Briefpapier mitgenommen und Briefe an Freunde geschrieben. So schön, dass ich es in diesem Jahr wieder machen werde.

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Welche Plätzchen backt ihr am liebsten selbst?

Plätzchen sind nicht so meins – aber »Lucia Katzen«! Ähnlich wie Zimtschnecken aber mit Saffran gebacken und ohne Zimt. Ich kann nicht ohne!

 

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Dein ultimativer Tipp gegen Weihnachtsstress?

Was ich selbst jedes Jahr auf’s Neue versuche, aber selbst nie hinbekomme: eine Geschenkeliste im Handy! Klappt irgendwie nie. Meine Mama hat mir aber schon als Kind »Mindmapping« beigebracht. Ein tolles Weihnachtswerkzeug, um alles im Griff zu haben und nicht alleine für alles verantwortlich zu sein. Und, wie schon gesagt, Zeit für sich selbst einplanen … um nichts machen zu müssen. Kann ganz gut tun!

Dein Lieblingsweihnachtssong?

Ich liebe tatsächlich Psalmen und alte, schwedische Volksweihnachtslieder. Aber wenn ich mir einen moderneren aussuchen müsste, dann wäre es wohl»Fairytale of New York« von The Pogues.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Wir wünschen Dir und Deiner Familie ein tolles Weihnachtsfest und alles Liebe für’s neue Jahr!

Alle Bilder: privat

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