Teenytini ist das Berliner Label von Julia Lange. Aus Strick und Häkelarbeiten und Organic Baumwolle kreiert sie ganz besondere Charaktere für Groß und Klein. Die Geschichte ihres jungen Labels ist dabei genauso außergewöhnlich und liebevoll wie ihre Designs.

Die Augen des kleinen Bärchen sind krumm, die Arme viel länger als der dicke Körper und die Ohren so überdimensional groß, das ihr Gewicht den Kopf immer ein bisschen schief hängen lässt. „ Also meine Tiere sehen alle etwas unperfekt aus. Aber das muss so. Wir sind ja auch alle nicht perfekt.“ Julia Lange steht stolz in ihrem kleinen Laden in Berlin-Charlottenburg. Auf den weißen Regalreihen sitzen die Geschwister des kleinen Bären. Sie heißen ‚Karla“ – der Septopus, der nur sieben statt acht Fangarme hat, ‚Florian’ – der „Hundedino“ und ‚Stephan’ – die Schildkröte, die im letzten Jahr in Kokowääh 2 zu sehen war.

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Biologisch und handgefertigt
2007 gegründet, werden ihre Tiere inzwischen in über 14 Ländern von Europa bis in die USA vertrieben. In Berlin hat sie nun ihren eigenen Laden eröffnet, samt Showroom und kleiner Werkstatt hintendran. Hier entsteht jedes ihrer Tiere in Handarbeit aus zertifizierter „organischer Baumwolle“ gefüllt mit Naturfasern wie Mais. „Dabei denke ich nicht nur an die Kinder“, erklärt Julia Lange. „ Auch als Erwachsener willst du dich doch nicht auf Polyester-Zeug legen.“

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Designerin Julia Lange

Von Berlin in die Welt
Eigentlich ist Julia Lange ein „Modemädchen“. Nach dem Modedesign-Studium ging es nach London, wo sie für verschiedene Modedesigner arbeitete– aber wirklich glücklich fühlte sie sich in der Welt der Mode nie. Und so hat sie neben ihrer ihrer eigentlichen Arbeit schon immer lieber gehäkelt – erst Kindermode und später wurden es dann Tiere. „Tennytini ist aus einem Bauchgefühl entstanden. Ich mag es einfach etwas mit den Händen zu schaffen.“
Dabei hat Julia Lange selten ein fertiges Konzept hinter dem was sie anfängt. Manchmal skizziert sie erst, dann wieder entstehen ihre Tiere im Umgang mit einem Stoff – und manchmal ist es nur ein Muster, dass sie inspiriert. In ihrem Showroom liegen Skizzen und Stoffreste neben fertigen Produkten wild durcheinander. Sie zeigt auf ‚Artur’ -die Schlange, die auf dem weißen Holztisch liegt. „ Artur entstand aus einem Zufall heraus. Ich hatte noch ein großes Stück Stoff mit den vielen bunten Farben übrig und hab einfach losgehäkelt und mitten drin dachte ich dann: Cool, das sieht jetzt aus wie eine große Schlange! Ich glaub ich nenne sie Artur.“ So wie sie das erzählt, klingt das alles ganz kinderleicht: den Ideen freien Lauf lassen und schon kommen Inneneinrichter wie ABC New York und Normann in Copenhagen, die sich für ihre Kreationen begeistern.

Mit dem Herzen sehen
Dabei ist der Grund, warum sie bei ihrer Arbeit so sehr auf ihr Bauchgefühl hört ist ein anderer. Durch eine seltene Augenkrankheit büßte sie 90 Prozent ihres Sehvermögens ein und machte aus dieser Not schließlich eine Tugend. „Wenn du nicht mehr viel siehst, dann beginnst du in dir zu graben und von Innen nach Außen zu kreieren “, erklärt sie schlicht und zuckt mit den Achseln, als wäre es das Normalste auf der Welt. An ihrer Nähmaschine liegt ein kleiner halbfertiger Elefant. Er hat nur zwei Beine und kann darum nur gegen eine Wand gestützt stehen. In ihren Lookbooks fotografiert sie ihn darum angelehnt vor einem orangefarbenen Sonnenuntergang in einer Steppenlandschaft.

Kuscheltiere als Soft Art
Perfektion ist bei Teenytini zweitrangig. Julia Lange möchte die Liebe die in jedem gefertigten Tier steckt zum Ausdruck bringen und vermeidet darum den Begriff Kuscheltier: „Das Wort klingt kitschig. Ich sehe meine Entwürfe viel eher als Objekt oder – arrogant gesagt – als Kunst. „Soft Art“, könnte man sagen.“ Schon längst werden ihre Entwürfe nicht nur von Kindern innig geliebt, darum hat sie ihr Sortiment inzwischen auch auf Kissenbezüge Mit Biofarben werden hier Bilder per Siebdruck auf die Baumwollbezüge gedruckt und ergeben eine perfekte Ergänzung zu ihren ungewöhnlichen Tieren. Julia Lange hängt einen der Bären wieder zurück ins Fenster und streicht ihm liebevoll über den Kopf: „Man muss meine Sachen nicht schön finden. Es ist naive Kunst für Kinder und um das Kind wachzuhalten. Ich hab jahrelang selbst nicht verstanden was ich da mache, aber plötzlich ist das alles super logisch geworden und macht Sinn.“