1985 in Japan gegründet, ist das Studio wird das Studio oft mit Walt Disney verglichen und besticht durch seine kreativen und bildgewaltigen Fantasy-Epen. Das besondere an Ghibli: Anstatt mit dem Computer zu arbeiten, greifen die Macher der Animationsfilme hauptsächlich auf klassische Animations-Techniken zurück. Damit ist jeder Ghibli-Film ein einzigartiges Erlebnis, das sowohl mit Kindern aber auch als Erwachsener absolut sehenswert ist.

Mit welchem Film am besten einsteigen?

Wer sich bisher noch nicht mit Ghibli auskennt, wird von der Vielfalt der Filme wahrscheinlich erschlagen. Wer also einen kurzen Überblick braucht, wer oder was Ghibli Filme überhaupt sind  und was ihren Charme ausmacht,  der sollte einen Blick in die absoluten Klassiker von Ghibli werfen.

Prinzessin Mononoke

Faktisch ist Prinzessin Mononoke der erfolgreichste japanische Film aller Zeiten und markierte 1998 den internationalen Durchbruch für das Studio Ghibli. Der Plot ist eine Fabel über den Konflikt zwischen Mensch und Natur. Angelegt in einer fiktiven Version des japanischen Mittelalters gerät der junge Prinz Ashitaka zwischen die Fronten eines gewaltigen Krieges. Auf der einen Seite die von Fortschritt getriebenen Menschen und auf der anderen Tiergötter aus dem Wald, die den Raubbau an der Natur stoppen wollen.
Aber Achtung! Wer hier einen Familienfilm denkt, bei dem niedliche Tiere sprechen können, sollte besser aufpassen. Der Film richtet sich ganz gezielt an ein älteres Publikum und ist nicht für Kinder unter 12 geeignet.

Chihiros Reise ins Zauberland

Auf dem Weg in ihr neues Heim findet eine Familie einen verlassenen Vergnügungspark, in dem noch warmes – und offensichtlich sehr leckeres – Essen steht. Der zehnjährigen Chihiro ist der Park allerdings nicht geheuer und sie warnt ihre Eltern davor, von dem Essen zu probieren. Aber natürlich hört niemand auf ein kleines Mädchen. So verwandeln sich die Eltern kurzerhand in gefrässige Schweine. Um sie von dem Fluch zu befreien, soll Chihiro von nun an in dem Badehaus der Hexe Yubaba arbeiten.

Was klingt wie ein echter Kinder- oder Märchenfilm, ist eher für ein älteres Publikum geeignet. 2003 wurde der Anime für seinen visuellen Reichtum und das Repertoire an skurrilen Figuren mit dem Oscar ausgezeichnet. Kleinere Kinder können sich jedoch erschrecken und viele der Handlungsstränge erschließen sich eher Kindern im Schulalter.

Das wandelnde Schloss

Das Mädchen Sophie lebt als Hutmacherin in einer elsässisch anmutenden Stadt, wo sie auch den Zauberer Hauro kennenlernt und sich in ihn verliebt. Eine eifersüchtige Hexe bemerkt das und verwandelt Sophie in eine alte Frau. Auf der Suche, den Fluch zu brechen, findet Sophie schließlich eine Anstellung in Hauros wandelndem Schloss. Hier wirkt der strahlender junge Zauberer plötzlich gar nicht mehr so makellos und es wird immer deutlicher, dass er mit einer „dunklen Seite“ kämpft.

Als dann auch noch Krieg über das Land hereinbricht, muss er lernen, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden. „Das wandelnde Schloss“ ist inhaltlich etwas zwiespältig. Zwar strotzt der Film vor Einfallsreichtum und Fantasie, aber gerade Hauros Kampf mit sich selbst und ein drohender Krieg zwischen den Menschen sind für kleinere Kinder nicht gerade geeignete Themen. Die Empfehlung richtet sich also vor allem an Schulkinder.

Studio Ghibli Filme für kleine Kinder

Auch speziell für jüngere Kinder hat Studio Ghibli einiges im Programm. Die fantastischen Geschichten und detailverliebten Bilder können bereits das junge Publikum begeistern und auch als Erwachsener schaut man gerne mit. Folgende drei Filme machen der ganzen Familie Spaß.

Mein Nachbar Totoro

Die Geschichte erzählt von den zwei Schwestern Satsuki und Mei, die in ein altes Haus auf dem Land ziehen. Die Natur bietet eine willkommene Spiellandschaft für die beiden Mädchen. Hier lernen sie den Waldgeist Totoro kennen, der mit seinen übernatürlichen Fähigkeiten Bäume wachsen oder einen Katzenbus herbeirufen kann. Überschattet wird dieses malerische Idyll nur von den Sorgen über die kranke Mutter. Doch auch hier kann Totoro dem Geschwisterpaar schließlich helfen.

Die relativ simple Geschichte zeigt die Welt noch einmal mit Kinderaugen.  Ob Totoro am Ende wirklich existiert oder nur der Fantasie der Schwestern entspringt, bleibt offen. Damit ist der Film eine Hommage an die Kindheit und all jene, die längst vergessen haben mit wie viel Fantasie sie sich damals selbst Geschichten ausgedacht haben.

Kikis kleiner Lieferservice

„Kikis kleiner Lieferservice“ basiert auf einem Kinderbuch der Autorin Eiko Kadono und besteht aus einem Plot, der bereits in vielen Hexenfilmen variiert wurde: die Lehrjahre einer jungen Hexe. Hier muss eine Hexe sobald sie 13 Jahre alt wird ein ganzes Jahr lang ohne die Hilfe der Eltern in einer fremden Stadt leben.

Damit beginnt für Kiki und ihrem schwarzen Kater Jiji eine aufregende Zeit. Da Kikis Abenteuer schrittweise in Tagesabschnitten erzählt werden, dürften auch die kleinsten Zuschauer kein Problem haben, der Geschichte zu folgen und alle Ereignisse einzuordnen. Das ist auch wichtig, denn ähnlich wie Kiki, ist es auch für Kinder manchmal ganz schön schwierig nach und nach selbständiger zu werden.

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer

Das kleine Goldfischmädchen Ponyo lebt mit ihren vielen Geschwistern und ihrem Vater in einer  farbenfrohen und lebhaften Wasserwelt. Diese wirkt auf den zweiten Blick gar nicht mehr so fröhlich. Denn immer mehr Menschen werfen ihre Abfälle ins Meer und verunreinigen dadurch den Lebensraum. Trotzdem wünscht sich Ponyo nichts sehnlicher als ein Mensch zu werden. Sie freundet sich mit dem Menschenjungen Sosuke an und gemeinsam versuchen sie, die Unterwasserwelt zu retten und den Menschen zu erklären, das man besser auf die Natur aufpassen muss.
Auch wenn die Erzählperspektive von „Ponyo“ sehr kindlich ist und Ghibli damit nicht an ihre größten Erfolge anknüpfen konnte, ist der Film mit seiner Botschaft heute sehenswerter denn je.

Studio Ghibli Filme für ältere Kinder

Anstatt von  immer action- und fantasiegeladene Epen wie „Prinzessin Mononoke“ sind es es vor allem die „leisen“ Filme von Ghibli , die Erwachsenen viel Spaß machen können. Folgende Filme von Ghibli sind mit ihren politischen Botschaften und komplexen Handlungssträngen eher für ältere Zuschauer interessant.

Tränen der Erinnerung – Only Yesterday

Taeko ist 27 und fristet ihr Dasein als Büroangestellte in Tokio. Bis sie während eines Urlaubs in ihre alte Heimat fährt, um bei der Färberdistel-Ernte zu helfen. Hier erinnert sie sich an ihre Kindheit. An den Moment, indem sie ihre erste Ananas kostete, ihre ersten Schulaufführungen, Probleme mit Freunden und vieles mehr. Damit wird ihre Zeit auf dem Land zu einem Dialog zwischen der Vergangenheit und dem Jetzt.

Viel passiert nicht in „Tränen der Erinnerung“, dafür sind Taekos Gedanken umso interessanter. Aus ihren Erfahrungen als Zehnjährige schöpft sie neue Erkenntnisse, die für sie als erwachsene Frau wichtig sind.

Wie der Wind sich hebt

Im Zentrum der Handlung steht diesmal keine Heldin, sondern ein Junge, der davon träumt Pilot zu werden. Doch seine Augen sind zu schlecht dafür und so verwirklicht er seinen Wunsch, indem er Flugzeugkonstrukteur wird. Der Name dieses Jungen ist Jiro Horikoshi, ein – auch in Japan – sehr umstrittener Held des Zweiten Weltkriegs. Als Chef-Konstrukteur war er damals maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung von Kampffliegern und Jagdflugzeugen für die kaiserliche Armee.

Der Film inszeniert Jiros Kindheitstraum vom Fliegen anfangs noch als unschuldig. Den Jungen fasziniert einfach die Magie, die aus dem Zusammenspiel von Natur und Technik entsteht. Erst als er älter wird, erkennt er, wie aus seiner Faszination und der Unbeirrtheit mit der er an seinem Traum festhält, die zerstörerische Kraft des Krieges entfacht. Als überzeugter Pazifist hat Regiesseur Hayao Miyazaki hier eine poetische Warnung vor dem erstarkenden Nationalismus  in Japan unter Abe Shinzo hinterlassen.

Stimme des Herzens

Die 14-jährige Shizuku ist ein echter Bücherwurm und sie träumt sehnlichst davon Schriftstellerin zu werden. Durch die Begegnung mit einer magischen Katze lernt sie den gleichaltrigen Seiji kennen und verliebt sich in ihn. Der Junge möchte Geigenbauer in Italien werden. Angetrieben durch die klaren Zukunftsträume von Seiji beginnt die verträumte Shizuku so endlich ihre eigenen Geschichte zu schreiben.

Der melancholische Film erzählt die Geschichte von zwei Jugendlichen die lernen müssen, dass Kompromisse nicht immer möglich sind. Am Ende steht die Entscheidung, ob das persönliche Glück immer das Wichtigste ist.

Besondere Ghibli Filme

Das Besondere an Animationsfilmen ist natürlich die visuelle Freiheit. Anders als Realfilme können hier ganz eigene Welten entstehen und Handlungen, aber auch Emotionen visuell umgesetzt werden. Diese zwei Filme von Ghibli erzählen alte Legenden und einfache Alltagssituationen auf ganz besondere Weise und sind einfach nur schön anzusehen.

Meine Nachbarn die Yamadas

In kurzen Episoden wird hier von dem klassischen Alltag einer japanischen Familie erzählt. Dabei  werden verschiedene Themen und Alltagssituationen aufgegriffen. Das ist manchmal unterhaltsam und manchmal auch etwas traurig. Aber der besondere Charme des Films liegt in seiner Optik. Die handgefertigten Zeichnungen sehen aus, als wären sie komplett mit Buntstiften entstanden. Das verleiht dem Anime einen ganz anderen Look, als man ihn sonst aus dem Haus Ghibli kennt.

Die Legende der Prinzessin Kaguya

Die Geschichte rund um Prinzessin Kaguya, die eigentlich ein ganz normales Mädchen ist und ein bürgerliches Leben führen will, basiert auf einer alten japanischen Volkssage und wurde schon oft auf antiken Holzschnitten verewigt.

Und genau diese Holzschnitte waren auch die Inspiration für die Animationskünstler, die über acht Jahre damit verbrachten „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ filmisch umzusetzen. Heraus kam ein  Meisterwerk, das mit den heute meist kunterbunten und actiongeladenden Zeichentrickfilmen bewusst bricht. Die tuscheähnlichen Bildkompositionen legen ihren Schwerpunkt ganz klar auf Harmonie und Zurückhaltung. Dadurch strahlen die  Zeichnungen eine ungewohnte Ruhe und Sanftheit aus. Ein Film den man sich, obwohl er sehr lang ist, durchaus mehrmals ansehen kann und dabei jedes Mal neue Details entdeckt.

 

Titelbild: netflix/Studio Ghibli