Wie erkenne ich, ob mein Kind ADHS hat?

Familie

Du hast einen kleinen Wirbelwind zuhause? Dem Stillsitzen und sich zu konzentrieren schwer fällt? Wenn du dir Gedanken machst, ob ADHS dahinter stecken könnte, dann wirst du hier mehr darüber erfahren.

Eine Sache vorab: Dieser Artikel gibt dir allgemeine Informationen zu ADHS und die möglichen Symptome. Die individuellem Symptome können bei deinem Kind ganz anders sein, nicht alles muss auftreten. Sollte der Verdacht bestehen, dass dein Kind ADHS hat, wende dich an Fachpersonal – die Kinderärztin oder direkt an eine psychologische Praxis für Kinder und Jugendliche.

Was ist ADHS?

Kirmes im Kopf – so beschreiben viele von ADHS betroffene Kinder, was in ihnen vorgeht. Wir Erwachsenen sehen eher einen kleinen Zappelphilipp: ein impulsives Kind, das ständig in Bewegung ist und kaum zuhören kann. Außenstehende urteilen oft vorschnell und halten diese besonderen Kinder für schlecht erzogen. Doch das ist nicht der Fall. Denn ADHS ist eine ernsthafte Krankheit:

  • Die Abkürzung steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
  • Dieses Wort beinhaltet, was die Krankheit ausmacht: Bei den Betroffenen ist die Aufmerksamkeit gestört und sie können sich oftmals nicht kontrollieren.
  • Dahinter steckt eine Fehlfunktion des Gehirns. Bei Kindern mit ADHS scheinen insbesondere die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin nicht optimal zu funktionieren.
  • Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe im Gehirn, die für die Kommunikation zwischen Nervenzellen verantwortlich sind.

Dopamin spielt eine Schlüsselrolle bei der Steuerung von Aufmerksamkeit und Belohnungssystemen im Gehirn. Ein Ungleichgewicht dieser Botenstoffe kann dazu führen, dass das Gehirn Informationen nicht richtig verarbeitet und reguliert. Dem Kind fehlt quasi ein Filter. Es nimmt alle Informationen und Reize der Umwelt wahr und kann wichtige nicht von unwichtigen Informationen trennen. Das führt zu einer Reizüberflutung.

Von der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung sind viele Kinder betroffen. Schätzungsweise etwa fünf Prozent aller Mädchen und Jungen leiden darunter. Heißt: In jeder Schulklasse gibt es durchschnittlich mindestens einen ADHS-Erkrankten.

Ursachen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

Die genauen Ursachen von ADHS sind noch nicht vollständig bekannt. Aber soviel ist klar: Es spielen sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Wenn ADHS bereits in eurer Familie vorkommt, ist das Risiko erhöht, dass dein Kind es auch haben könnte. Vor allem bei Jungs steigt die Wahrscheinlichkeit, wenn ein Elternteil bereits an dieser neurologischen Störung leidet.

Andere Faktoren wie Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und der Konsum von Tabak oder Alkohol während der Schwangerschaft sind weitere Risikofaktoren.

Das sind die Symptome von ADHS

Kinder mit ADHS zeigen häufig bestimmte Verhaltensmuster:

  • Unaufmerksamkeit: Das Kind hat Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, macht oft Flüchtigkeitsfehler und lässt sich leicht ablenken.
  • Hyperaktivität: Betroffene sind ständig in Bewegung, können nur schwer ruhig sitzen bleiben und reden oft ununterbrochen.
  • Impulsivität: Das Kind handelt oft ohne nachzudenken, unterbricht andere und hat Schwierigkeiten, auf den eigenen Turn zu warten.

Diese Muster treten in individueller Ausprägung auf. Manche Kinder sind besonders unaufmerksam, bei anderen äußert sich die Krankheit eher in hyperaktivem Verhalten.

So äußert sich die Störung bei Kleinkindern

Während im Säuglingsalter ADHS relativ schwer zu diagnostizieren ist, lassen sich bei Kleinkindern bereits erste Merkmale der Störung erkennen. Oft sind sie sehr unruhig, schreien viel und tun sich mit vertieftem Spiel schwer:

  • Schlechte Konzentrationsfähigkeit: Kleinkinder mit ADHS haben große Schwierigkeiten, sich länger auf eine ruhige Aktivität zu konzentrieren. Sie wechseln schnell von einem Spiel zum nächsten.
  • Auffälliger Spracherwerb: Betroffene Kinder lernen oft auffallend früh oder verzögert sprechen.
  • Ausgeprägte Trotzphase: Die Trotzphase verläuft bei ADHS-Kindern oft intensiver als bei anderen Kindern.
  • Motorische Auffälligkeiten: Vor allem in der Feinmotorik hapert es. Ob Basteln oder Stifthaltung – das ist für betroffene Kinder oft schwierig.
  • Bewegungsdrang: Dieses Symptom äußert sich, indem Kinder immer in Bewegung sind, nie stillsitzen, auf dem Stuhl hin- und herrutschen.

All diese Faktoren führen zu Herausforderungen im sozialen Umfeld. Oft leiden Eltern und Angehörige unter dem Verhalten mit. Betroffene Kinder ecken zudem in Betreuungssituationen wie in der Kita häufig an. Sie finden zudem nur schwer Freundschaften.

ADHS: Symptome bei Grundschulkindern

Im Grundschulalter wird die neurologische Erkrankung richtig sichtbar. Denn hier treten die Symptome deutlich erkennbar zutage und wirken sich auf die Leistungen und die Atmosphäre in der Klasse aus:

  • Konzentrationsschwäche: Das betroffene Kind kann sich nicht länger mit einer Aufgabe beschäftigen. Es lässt sich leicht ablenken und hat Probleme, Aufgaben zügig und strukturiert zu lösen.
  • Wutanfälle: Läuft etwas nicht so, wie sie es sich vorstellen, haben Kinder mit ADHS ihre Wut oft nicht unter Kontrolle. Sie reagieren übertrieben stark und stören so in der Klasse.
  • Unpassende Äußerungen: Ihre Ausdrucksweise kann unpassend oder übertrieben wirken. Betroffene Kinder sprechen häufig viel und fallen anderen oft ins Wort.
  • Schwierigkeiten, sich an Regeln zu halten: Weil sie sich nur schwer in Systeme oder Regeln einfügen können, gelten diese Kinder oft als Störer. Sie merken, dass sie anders sind und kämpfen daher mit einem niedrigen Selbstwertgefühl.
  • Leistungsschwierigkeiten: ADHS-Kinder haben oft Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Ihre Schrift ist schwer leserlich und sie können nur schwer Ordnung halten. Häufig verlieren oder vergessen sie Dinge wie Sportzeug, Hefte oder Spielsachen.

Frühzeitige Diagnose ist wichtig

Für ADHS Betroffene ist eine frühzeitige Diagnose oft rettend und entscheidend für Kita und Schule. Denn so können eventuelle Herausforderungen rechtzeitig angegangen, mit beteiligten Erzieherinnen und Lehrern besprochen werden und Therapien erfolgen. So läuft die Diagnose ab:

  • Erstgespräch: Wenn du vermutest, dass dein Kind an ADHS leiden könnte, wende dich vertrauensvoll an euren Kinderarzt. Er wird sich zunächst nach den aktuellen Symptome und Verhaltensweisen fragen. Dafür ist es gut, wenn du dir notiert hast, wann die ersten Symptome auftraten, in welchen Situationen sich die Symptome besonders auffällig äußern und ob es bei euch familiäre Vorbelastungen mit ADHS oder anderen psychischen Störungen gibt.
  • Untersuchung: Hierbei werden zum Beispiel die motorischen und körperlichen Fähigkeiten deines Kindes oder auch sein Verhalten in bestimmten Situationen genauer angeschaut.
  • Befragung: Im Gespräch mit deinem Kind erfährt der Arzt mehr über die Situation. Oft werden auch Betreuungspersonen wie Kita-Erzieher oder Lehrer um eine Einschätzung gebeten.

Wenn erforderlich, kann der Arzt auch weitere Untersuchungen wie zum Beispiel neurologische Tests oder psychologische Untersuchungen empfehlen. Zudem ist es wichtig, andere Erkrankungen auszuschließen.

Oft ist die Diagnose ADHS für Eltern und ihr Kind eine Erleichterung. Denn wenn die Ursache feststeht, kann auch eine zielgerichtete Therapie erfolgen.

Unterstützende ADHS-Therapieansätze

ADHS ist nicht heilbar. Oft verringern sich aber die Symptome im Jugend- oder Erwachsenenalter. Dafür ist es hilfreich, wenn Betroffene bereits früh lernen, wie sie mit ihrer Erkrankung umgehen. Diese Therapieansätze gibt es:

  • Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine der am häufigsten empfohlenen Therapieformen bei ADHS. Sie hilft Kindern, bessere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Wichtige Elemente sind Lob und Belohnungen für erwünschtes Verhalten, das Erlernen von Techniken zur Selbstkontrolle und Strukturierung von Aufgaben sowie ein Elterntraining, um das Verhalten des Kindes positiv beeinflussen.
  • Medikamentöse Therapie: Zu den häufig verschriebenen Medikamenten gehören Präparate wie Methylphenidat, die das Dopamin-Ungleichgewicht regulieren und die Aktivität bestimmter Neurotransmitter im Gehirn erhöhen. Medikamente auf Atomoxetin-Basis steuern die Aufnahme des Botenstoffes Nodarenalin.
  • Psychotherapie: Neben der Verhaltenstherapie kann auch eine Psychotherapie hilfreich sein, insbesondere wenn begleitende emotionale oder soziale Probleme vorliegen. Diese Therapieform konzentriert sich auf die Bearbeitung von Gefühlen, den Aufbau von Selbstwertgefühl und die Verbesserung sozialer Fähigkeiten.
  • Ergotherapie: Sie unterstützt Kinder dabei, ihre Fein- und Grobmotorik sowie ihre sensorische Integration zu verbessern. Diese Therapieform ist besonders nützlich für Kinder, die Schwierigkeiten mit der Koordination oder alltäglichen Aufgaben haben.
  • Soziale Kompetenztrainings: Hier lernen die Teilnehmer, ihre sozialen Fähigkeiten zu verbessern. Freundschaften schließen, Konfliktösung oder auch gemeinsames Spiel stehen im Vordergrund.
  • Unterstützung in der Schule: Mögliche Bausteine sind Anpassungen im Lehrplan, spezielle Aufgaben oder auch ein Integrationshelfer, der das Kind im Schulalltag begleitet.
  • Lebensstil: Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf können die Symptome von ADHS positiv beeinflussen.
Fidget Toys können Kindern helfen, sich zu konzentrieren

ADHS ist oft eine Herausforderung für die gesamte Familie. Unterstützung erhaltet ihr in Familientherapien, Kuren oder auch Selbsthilfegruppen. Hier findest du eine Liste mit ADHS-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

ADHS vs. ADS: Was ist der Unterschied?

Vielleicht hast du auch schon von ADS gehört. Der Unterschied liegt in der Hyperaktivität: Bei ADS fehlt das H und damit auch das impulsive Verhalten. Kinder mit ADS sind oft ruhiger, wirken verträumt und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Vielfach sind Mädchen davon betroffen – daher wird bei ihnen die Krankheit häufiger übersehen. Dabei können auch sie sehr darunter leiden, besonders ausgeprägt sind dabei emotionale Probleme. Mädchen mit ADS haben oft mit innerer Unruhe, Ängsten oder Depressionen zu kämpfen, was ihre Symptome weiter verdecken kann. Daher ist es auch hier wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.