Artensterben: 10 einfache Tipps, was ihr mit euren Kindern dagegen tun könnt

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Das Artensterben betrifft uns alle – ganz besonders aber die Zukunft unserer Kinder. Viele stellen sich die Frage: Was kann ich gegen das Verschwinden der Arten tun und kann ich überhaupt etwas tun? Wir haben Tipps und Anregungen, die sich im Alltag  und vor allem zusammen mit Kindern leicht umsetzen lassen.

Besonders für unsere Kinder wird das Artensterben dramatische Auswirkungen haben. Laut einem globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind eine Million Tier- und Pflanzenarten akut bedroht, für immer von unserem Planeten zu verschwinden. So verschwinden pro Tag, laut Schätzung von Wissenschaftlern, 150 Arten unwiederbringlich von der Erde.

Insekten, Säugetiere und Pflanzen sind wichtige Bestandteile im Ökosystem und erfüllen wichtige Aufgaben. Robert Watson, der ehemalige Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates, warnt nachdrücklich: „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“

Doch was können wir tun, um das Artensterben zu verhindern? Sind wir nicht eigentlich machtlos? Laut einer Eurobarometer-Umfrage empfinden mehr als 90 Prozent der Europäer eine moralische Verpflichtung, die biologische Vielfalt zu erhalten. Hier sind Tipps, was wir im Alltag, auf dem Balkon und im Garten zusammen mit unseren Kindern tun können, um einen kleinen aber wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt zu leisten.

Artensterben verhindern

Mit den Kindern ein Insektenhotel bauen

Alle Welt spricht von den Honigbienen, doch ebenso wichtig sind ihre sogenannten “wilden Schwestern”, die Wildbienen. Auch sie sind für die Bestäubung von verschiedenen Nutzpflanzen unverzichtbar. Sie kommen sehr gut in einem Insektenhotel unter, das man mit ganz einfachen Mitteln basteln kann. Man kann zum Beispiel eine kleine Metalldose mit zugeschnittenen Bambusstäben darin an der Wand aufhängen (möglichst zur Sonne gerichtet). Dort finden manche wilden Bienen Unterschlußf. Bunt bemalt sehen die Dosen zudem noch lustig aus. Wichtig ist zu beachten, dass die Bambusröhrchen bis ganz zum Ende durchbohrt werden, denn manche haben natürliche Unterteilungen, die die Bienen und andere Insekten hinderlich finden.

Auch ein großes Holzstück oder ein Stück abgestorbener Baum in die man kleine Löcher bohrt, erfüllen denselben Zweck. Die Löcher dürfen nicht weiter sein als 9 mm Durchmesser, sonst werden sie gemieden. Übrigens muss man keine Angst vor wilden Bienen oder Hummeln haben: Sie stechen nicht und sind nicht aggressiv.

Natürlich kann man auch Insektenhotels kaufen, zum Beispiel im NABU Shop, wo es auch kleine Bienenhotels gibt, die die Kinder später bunt bemalen können.

 

Im Garten oder auf dem Balkon Wildblumen und Kräuter pflanzen

Im Garten lässt sich ohne große Mühe eine Wildbienenwiese anlegen. Es reicht allerdings nicht, den Samen einfach auf dem Rasen zu verstreuen. Die Blumen gedeihen nur, wenn der normale Rasen zuvor entfernt wird. Auch auf dem Balkon kann man wildbienenfreundliche Pflanzen ansäen.

Eine echte Win-Win-Situation für Wildbienen und Mensch entsteht zum Beispiel bei einem kleinen Kräuterbeet. Hummeln und Wildbienen lieben die Blüten von Salbei, Zitronen-Thymian oder Bohnenkraut, ebenso von echtem Lavendel, Basilikum und Schnittlauch.

Eine ausführliche Liste, was Wildbienen und Honigbienen als Futterpflanzen mögen, findet ihr auch beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit 128 Arten.

Anregungen und Gartentipps gibt es auch in diesen Büchern, die wir speziell für kleine Gärtner ausgesucht haben.

Artensterben verhindern, Kräutergarten pflanzen; gettyimages

Bienen und Hummeln lieben einheimische Pflanzen

Wer öfter mal im Gartencenter einkauft ,weiß es: der Pflanzenvielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Doch nicht alle Blumen, die wir schön finden, sind bei Bienen beliebt. Viele Arten, die nicht heimisch sind, sind für Bienen, Hummeln und Co. völlig uninteressant weil sie nicht auf ihrem Speisezettel stehen.

An einem sonnigen Tag könnt ihr im Außenbereich des Gartencenters Insekten-Detektiv spielen: Die Blumen, um die die meisten Bienen herumschwirren, sind tatsächlich auch bienenfreundlich. Hier könnt ihr ohne Bedenken zugreifen.

Eine Lister invasiver Arten findet ihr hier.

Weniger Rasen mähen hilft Insekten und Kleintieren

Ein Rasen mit Gänseblümchen sieht nicht nur lustig aus, er ist auch für die Artenvielfalt das Beste. Auf Mittel zur Unkrautvernichtung sollte man auch wegen der Kinder, die auf dem Rasen spielen, unbedingt verzichten. Außerdem können diese Mittel sich auch schädlich auf die Bodenqualität auswirken. Denn auch unter der Erde gibt es ein Ökosystem aus Würmern, Ameisen, Maikäferlarven usw., die für die Umwelt unglaublich nützlich sind.

Wer seinen Rasen regelmäßig mähen will, der kann kleine “Wildwuchsblumeninseln” stehen lassen. Die bieten “Futter” für viele Insekten von der Wildbiene bis über Schmetterlinge. Schon nach wenigen Wochen ohne Mähen gibt es eine Vielfalt von Blüten wie Löwenzahn, Hornveilchen, Klee… Sie locken Honigbienen, Mauerbienen, Hainschwebfliegen, Hummeln und viele Nützlinge mehr an. Vielleicht habt ihr sogar die Rotpelzige Sandbiene im Garten, die im Boden nistet (und übrigens auch völlig unaggressiv und für uns Menschen harmlos ist).

So werden Kinder zu Insektenforschern

Kinder gehen völlig unvoreingenommen an Insekten heran. Wenn sie Spinnen und Co. “bäh!” finden, dann nur weil wir Erwachsenen ihnen das anerziehen oder vorleben. Dabei sind gerade Insekten unglaublich wichtig für die Artenvielfalt.

In den letzten 27 Jahren verzeichnete man einen Rückganz von 75 Prozent der sogenannten “Flugbiomasse”. Damit sind alle Insekten gemeint. Dabei sind wir darauf angewiesen, dass Insekten überleben – und damit sind nicht nur die putzigen Honigbienen gemeint. Auch Schwebfliegen, Ohrwürmer, Florfliegen, Käfer und Ameisen erfüllen einen wichtigen Beitrag im ökologischen Kreislauf, bekämpfen Schädlinge von Nutzpflanzen oder sind eine wichtige Futterquelle für heimische Vogelarten.

Es ist also wichtig, unseren Kindern Respekt vor den kleinen Lebewesen beizubringen. Immerhin sind es faszinierende Tiere. Ein Insektensichtglas aus Kunststoff ist für kleine Insektenforscher die richtige Ausrüstung. Damit kann man in Park, Wald, Wiese und Garten so manches Insekt einfangen und – ohne dass es dabei Schaden nimmt – beobachten und bestaunen.

Unser Buchtipp für Insektenliebhaber:

Ein wunderschönes Buch über Krabbler aller Art ist “Die große Käferparade” von Owen Davey (erschienen bei Knesebeck für 15 Euro), in dem man vieles über die bisher 400.000 bekannten Käferarten weltweit erfährt. Was Davey an Wissen und Kuriositäten zusammen getragen und schön illustriert hat, wird kleine und große Leser faszinieren, denn wie soll man sonst wissen, dass Mistkäfer gemessen an ihrem Eigengewicht die stärksten Tiere der Welt sind, dass bestimmte Rüsselkäferarten einen richtigen Bart haben oder dass es Käfer gibt, die Temperaturen von minus 100 Grad überleben können?

Regional oder bio – mit dem Einkauf die Artenvielfals stärken

Schon beim Einkauf kann man ganz unkompliziert Naturschutz und damit Artenschutz betreiben. Denn wer regional und saisonal einkauft, schont die Umwelt. Noch mehr bringt es, im Bioladen einzukaufen, denn auf den nachhaltig bewirtschafteten Äckern der Biolandwirte kommen keine Pestizide zum Einsatz. Darum wachsen hier viele Ackerwildkräuter, die wiederum wichtig für viele heimische Insektenarten sind.

Wer im ländlichen Raum wohnt, hat oft auch die Gelegenheit, direkt ab Hof beim Biobauern einzukaufen. Das macht vor allem Kindern großen Spaß, denn ein Bauernhof ist viel interessanter als jeder Supermarkt. Außerdem erfahren sie so, wo Milch, Gemüse, Eier, Fleisch usw. herkommen.

Artensterben verhindern, 10 Tipps, Gettyimages

In der Stadt sind Wochenmärkte eine gute Alternative. Das Bioland-, Naturland- oder Demeter-Siegel garantiert auch bei den Marktständen, dass garantiert nachhaltig und biologisch produzierte Ware angeboten wird.

Auch plasikfrei leben mit Kindern schont die Umwelt. Wir haben Tipps für euch gesammelt, die sich im Alltag leicht umsetzen lassen..

Warum Regenwürmer wichtig sind für die Artenvielfalt

Sie sind die Lieblinge eines jeden Gärtners: Regenwürmer. Sie fressen abgestorbene Pflanzenteile und verwandeln sie in wertvollen Dünger. Außerdem lockern sie mit ihren Gängen den Boden und sorgen dafür, dass Pflanzenwurzeln Platz haben. In einem Quadratmeter Boden leben ungefähr hundert Regenwürmer. Doch auch sie werden durch Pestizide und intensive Landwirtschaft bedroht.

Artensterben verhindern

Warum Regenwürmer bei Regen aus der Erde kommen ist tatsächlich noch nicht erforscht. Überhaupt umgeben die kleinen Tierchen noch viele Mysterien. Früher dachte man, der Regenwurm ertrinkt bei Regen im eigenen Gang und kommt deshalb an die Oberfläche. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Vielleicht treibt ihn der Regen nach oben weil er auf der feuchten Erdoberfläche schneller von einem Punkt zum anderen kommt.

Jedenfalls findet man nach einem Regen oft viele Regenwürmer auf dem Gehweg – manchmal sogar in der Stadt. Dann könnt ihr sie aufsammeln und wieder auf ein Stück Erde setzen. Dort haben sie die Chance, sich schnell wieder einzubuddeln.

Mit den Kindern Schmetterlinge züchten

Über 3700 Arten leben in unseren Wiesen, Wäldern und Gärten. Doch inzwischen sind auch viele Schmetterlingsarten bedroht. Der Grund dafür ist, dass sich Schmetterlinge oder ihre Raupen oft auf genau eine Pflanzenart spezialisiert haben und von ihr abhängig sind. Wird die Pflanze durch eine Klimaveränderung oder durch Überdüngung auf Wiesen und Feldern immer seltener, dann stirbt auch der Schmetterling aus. 

Mit einem Set zur Aufzucht von Schmetterlingen könnt ihr gemeinsam mit den Kindern ein kleines Wunder der Natur erleben. Die Sets lassen sich einfach mit Volieren und allem was man braucht übers Internet bestellen. Verkauft werden bei seriösen Anbietern nur Raupen aus deutscher Zucht. Diese werden so verschickt, dass die Tiere nicht unnötig lange unterwegs sind.

Nach zwei bis drei Wochen verpuppen sich die Raupen und die Schmetterlinge schlüpfen. Nach einigen weiteren Tagen können sie in die Freiheit entlassen werden. Ein tolles Experiment, bei dem die Kinder viel über Natur lernen.

Schmetterlinge zuechten

Rettungsdienst für Hummeln

Sie sind pummelig, pelzig und klingen wie kleine Hubschrauber: Hummeln sind gemütliche Brummer. Auch viele der einheimischen Hummelarten stehen auf der Roten Liste, das heißt sie sind vom Aussterben bedroht.

Dabei gehören sie zu den fleißigsten Blütenbestäubern überhaupt. Eine Hummel sammelt von Februar (wenn es warm genug ist) bis November täglich 18 Stunden lang Pollen und Nektar. Pro Minute besucht sie im Schnitt fast 30 Blumen – so viel schafft keine Honigbiene. Hummeln lieben viele Blumen vor allem aber Krokusse und Primeln im Frühjahr, Lupinen, Klee, Löwenmaul, Kapuzinerkresse und Edelwicke im Sommer und Kugeldisteln und Efeu im Herbst.

Artensterben verhindern, Hummeln retten, gettyimages

Inzwischen werden Hummeln extra gezüchtet für die Bestäubung in Gewächshäusern. Im Garten lieben sie wilde Ecken in denen Steine, Reisig oder Totholz liegen, wo es wuchernde Grasbüschel, Moose (hier nisten übrigens die seltensten Hummelarten) oder Kräuter gibt. Als Nistplatz kommen für sie auch alte Vogelnester, verlassene Mauselöcher oder ein Komposthaufen in Frage.

Im Frühjahr findet man im Garten oder im Park erschöpfte Hummelköniginnen. Wenn die Brummer nicht wegfliegen wenn man sich ihnen nähert, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine entkräftete Königin. Jetzt kommt der Hummelrettungsdienst ins Spiel: Mit einem Stück Papier können die Kinder die Hummel vorsichtig aufheben und in Sicherheit bringen. Mit einer kleinen Pipette vorsichtig etwas Zuckerlösung vor die Hummel träufeln, damit sie sich stärken kann. Sobald sie genug Kraft hat, wird sie wegfliegen und einen eigenen Hummelstaat gründen.

Artensterben verhindern

Ein Heim für Ohrwürmer, Marienkäfer und Co.

Ja, Ohrwürmer rufen schnell ein “Iiih!” hervor, wenn sie plötzlich auftauchen. Dabei sind sie supernützliche Blattlausvertilger im Garten und helfen auch dabei, Obstbäume von Schädlingen frei zu halten.

Ein Hotel für diese kleinen Tierchen mit ihren lustigen Kneifern lässt sich ganz schnell aus einem Tontopf bauen. Der wird mit Holzwolle (das lieben Ohrwürmer als Nistmaterial) gefüllt. Dann einen kleinen stabilen Ast an eine etwas dickere Schnur knoten. Die Schnur mit dem Aststückchen am Ende durch das Loch im Tontopf fädeln, am besten so, dass Topf und Stroh festgehalten werden. Wer möchte, dass sich Ohrwürmer leicht einnisten können, sollte den Topf jetzt kopfüber so in einem Strauch, einem Baum oder eben in der Nähe von Blattläusen aufhängen, dass die neuen Bewohner ohne Probleme reinkrabbeln können.

Auch Marienkäfer lieben diese Nistplätze. Sie bevorzugen allerdings Blätter, eventuell vermischt mit Stroh oder Holzwolle. Florfliegen ziehen hier ebenfalls gerne ein (auch sie sind übrigens super Blattlausvernichter), haben aber gern trockenes Stroh das locker im Topf sitzt als Unterschlupf.

10 Tipps um das Artensterben zu verlangsamen:

  • Mehr Gemüse und weniger Fleisch essen, eine pflanzenbasierte Ernährung schont die Umwelt.
  • Lokale Lebensmittel einkaufen und das möglichst nach Saison. Das garantiert kurze Lieferwege und geringe Lagerzeiten.
  • Im Garten einen Komposthaufen anlegen.
  • Das Auto öfter mal stehen lassen und zu Fuß gehen, die Öffis benutzen oder mit dem Rad fahren.
  • Auf Kosmetikprodukte mit Mikroplastik verzichten.
  • Nachhaltige und wenige Reinigungsmittel im Haushalt benutzen.
  • Auf Insektizide im Garten verzichten.
  • Im Garten blühende Hecken pflanzen, die Nahrung für Bienen und Co. bieten.
  • Energie sparen: Licht ausmachen, wenn man das Zimmer verlässt, die Wasch- oder Spülmaschine nur voll beladen anmachen.
  • Plastikmüll reduzieren.

 

 

 

Bildquelle: Getty, Unsplash