Fördervereine an Kitas und Schulen – Darum sind sie so wichtig

Erziehung, Kindergarten, Schule

Fördervereine setzen sich gezielt dafür ein, die Spiel- und Lernumgebung an Kita und Schule aktiv mitzugestalten und zu verbessern. Wie man einen Förderverein gründet und was es dabei zu beachten gibt, erfahrt ihr hier.

Text: Andrea Hackenberg

Kein Schulfest, kein Flohmarkt, kein Waffelverkauf: Mehr als zwei Jahre hat die Corona-Pandemie das zum Erliegen gebracht, was den Alltag an Kitas und Schulen bunter macht. Für die Kinder bedeutet das weniger Spaß, für die rund 40.000 Fördervereine in Deutschland weniger Sichtbarkeit. Die Zeit der Kontaktbeschränkungen haben die Vereine deshalb für eine Digitalisierungsoffensive genutzt: Neben kompakter Beratung in Online-Workshops bieten sie viele Anregungen dazu, wie das Lernen wieder bunter werden kann. Das zahlt sich jetzt aus.

Gemeinsames Engagement für die Kinder

Ein Förderverein – fast alle Schulen und rund 8000 Kindergärten hierzulande haben einen. Eltern, die sich dort engagieren, eint der Wunsch, die Lernumgebungen für ihre Kinder zu verbessern. Deshalb zahlen sie Mitgliedsbeträge, deshalb organisieren sie Laternenfeste, Projektwochen, Schülercafés. „Ich will einfach, dass der Kindergarten meines Sohnes gut ausgestattet ist“, erzählt Julia (48) aus der Nähe von Hannover. „In unserem Förderverein können wir zwar keine großen Sprünge machen, aber ein paar Extras sind schon drin. Jetzt hat in unserer Einrichtung zum Beispiel jede Gruppe eine Digitalkamera, um den Kindergartenalltag zu dokumentieren.“

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Es gibt Vereine, die sich überwiegend finanziell fördernd engagieren und wieder andere, die außerschulische Bildungsangebote organisieren. Manche Fördervereine treten als Arbeitgeber auf und beschäftigen gleich mehrere Mitarbeitende, etwa, um Betreuungsmöglichkeiten nach Schulschluss anzubieten. Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen: So hat die Bundesregierung kürzlich einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder beschlossen, der ab 2026 schrittweise umgesetzt wird. Zuerst haben Erstklässler ab August 2026 Anspruch auf einen Platz in der Ganztagesbetreuung, in den Jahren darauf die jeweils nächsten Folgeklassen. Bis 2029 soll jedes Grundschulkind hierzulande ganztägig betreut werden können. Dafür stellt der Bund bis zu 3,5 Mrd. Euro zur Verfügung.

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Umgesetzt wird das neue Gesetz unter anderem von Jugendhilfeträgern und auch den Fördervereinen. Diese sind bundesweit zwar höchst unterschiedlich aufgestellt, haben aber alle eines gemeinsam: „Wir sind Netzwerkpartner ins soziale Umfeld“, sagt Peter Gebauer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Kita- und Schulfördervereine (BSFV) mit Sitz in Tübingen. „So pflegen wir zum Beispiel Kooperationen mit Musikschulen, Sportvereinen und Kulturschaffenden und arbeiten mit Jugendhilfeträgern zusammen.“ Hinzu kommt der enge Kontakt zu örtlichen Unternehmen, zu Eltern, Erziehern, Lehrern und Schülern.

Wenn nicht gerade Pandemie ist. „Natürlich fanden die direkten Begegnungen kaum noch statt“, sagt Gebauer. „Das bedauern alle Seiten. Allerdings hat uns das Corona-Virus auch einen enormen digitalen Schub gebracht, der jetzt einige Dinge viel leichter macht, als sie es vorher waren.“ Denn gerade dann, wenn alles zu und nichts mehr selbstverständlich ist, gewinnt die Unterstützung der Fördervereine  mehr und mehr an Bedeutung.

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Fördervereine als wichtige Unterstützung

Als einige Schulträger keine Lüftungsfilter in den Klassenräumen finanzieren wollten, wandten sich die Eltern an die Fördervereine. „Hier gab unser Bundesverband den Fördervereinen wertvolle Verhaltenshinweise, insbesondere in Bezug auf die Haftungsrisiken selbst angeschaffter Geräte“, so Gebauer. Ein Kindergarten ist unsicher beim Thema Datenschutz? Ein Online-Workshop des BSFV schließt Wissenslücken an nur einem Abend. „Ohne die Pandemie wären wir nie gezwungen gewesen, uns online so breit aufzustellen“, sagt Dagmar Müller, die sich im sächsischen Landesverband engagiert. „Unsere Webinare werden hervorragend angenommen und stehen auch Eltern und Einrichtungen offen, die nicht Mitglied bei uns sind.“

Bundesweit zeigen viele Vereine mit beeindruckenden Projekten, dass sich das Engagement für bessere Lernumgebungen nicht von einem Virus aufhalten lässt. So fahren Schüler aus dem niederbayerischen Regen einmal pro Woche mit ihrer Lehrerin auf einen Einödbauernhof, um Tiere zu versorgen und Gemüse zu ernten. Ein Gymnasium in Bremervörde hat ein Musikprogramm aufgelegt, das Schüler zum Komponieren eigener Stücke auf dem Tablet anregt. Und in einer Oberschule in Dresden betreiben Sechstklässler ein Café in Eigenregie, Hygienekonzept inklusive.

Initiativen wie diese gehen „klar über das bestehende Bildungsangebot hinaus“, sagt Katja Hintze, Vorsitzende der Stiftung Bildung in Berlin. Kindergärten und Schulen würden so zu einer gemeinsamen Angelegenheit aller. Seit 2014 vergibt die Stiftung deshalb jährlich Geldpreise an Fördervereine, die herausragende Ideen umgesetzt haben. Ziel sei es, dabei „wirksame Projekte“ zu entdecken, zu fördern und zu verbreiten. Spicken und Nachahmen sei dabei ausdrücklich erwünscht, heißt es von der Stiftung.

Fördervereine für Kita und Schule – wichtige Tipps für Eltern

  • Du willst dich in einem Förderverein engagieren? Erkundige dich im Kindergarten oder in der Schule deines Kindes, ob es bereits einen Verein gibt. Meist wird schon auf der Website der Einrichtung darauf hingewiesen, oder die Schule leitet dir entsprechende Informationen weiter.
  • Bei euch gibt es keinen Förderverein, obwohl einer nötig wäre? Dann werde selbst aktiv. Der Bundesverband der Kita- und Schulfördervereine berät euch bei der Vereinsgründung und vermittelt Ansprechpartner in eurer Region. Außerdem bietet der Verband regelmäßig Webinare zu Themen aus der Vereinsarbeit an – von Datenschutz über Sponsoring bis hin zu Kassenprüfer-Know-how. Infos und Kontakte gibt es hier.
  • Keine Zeit für Vereinsarbeit? Kein Problem, du musst dich nicht gleich zur Schriftführerin wählen lassen. Eine passive Mitgliedschaft ist völlig okay und lohnt sich für dich in doppelter Hinsicht: Deine Beiträge kommen deinem Kind und seinen Freunden zugute, außerdem kannst du die Summe am Jahresende bei deiner Steuererklärung geltend machen.
  • Euer Verein ist richtig gut, und das sollen jetzt endlich alle wissen? Bewerbt euch mit euren Projekten beim Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“, der einmal im Jahr von der Stiftung Bildung vergeben wird. Ausgezeichnet werden drei Vereine, die eine Förderpreissumme von je 5000 Euro erhalten. Zudem gibt es einen Publikumspreis, der ebenfalls mit 5000 Euro dotiert ist. Infos gibt es hier.

Bilder: Gettyimages